Quicktipp: Lippenherpes Was hilft gegen die lästigen Bläschen?

Lippenherpes bei einer Frau
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Umschau-Quicktipp Herpes

Herpes

MDR JUMP Mo 14.08.2017 02:10Uhr 01:53 min

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Stress im Büro, eine Erkältung oder der Anblick einer ekelhaften Sache und schon ist sie da: Die Herpesblase an der Lippe. Sie juckt, spannt und sieht einfach nicht schön aus. Doch wie entstehen die Bläschen überhaupt? Und wie verschwinden sie schnellstmöglich wieder? Das, was sich an unseren Lippen wölbt, ist das Produkt eines Virus, des Herpes simplex Typ 1. Verwandt ist es mit den Krankheitserregern, die Genitalherpes und Gürtelrose auslösen können. Fast jeder von uns trägt das Herpesvirus in sich. Experten schätzen, dass bis zu 90 Prozent der Europäer sich irgendwann im Laufe ihres Lebens unbemerkt damit infiziert haben.

Küssen, trinken, niesen: So verbreiten sich die Viren

Am häufigsten gelangen die Viren über Schmierinfektionen in den Körper, also beispielsweise durch infizierten Speichel oder den Kontakt mit der Flüssigkeit in den Bläschen eines anderen Menschen. Die Viren können aber auch durch Tröpfcheninfektionen, zum Beispiel beim Niesen, oder durch den Kontakt mit infizierten Gegenständen wie Gläsern oder Besteck übertragen werden. Glücklicherweise bemerken viele Menschen gar nicht, dass sie sich angesteckt haben. Bei ihnen wird der Erreger nie aktiv und bildet keine Bläschen. Allerdings ist Lippenherpes für bis zu 30 Prozent der Infizierten ein wiederkehrendes Problem, denn: Der Virus bleibt das ganze Leben lang im Körper und kann nicht grundlegend bekämpft werden. An einer Impfung wird zwar geforscht, sie ist bislang aber noch nicht verfügbar.

Stress gilt als Auslöser Nummer 1 der Herpesbläschen

Eine Frau sitzt verzweifelt am Schreibtisch
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Die Herpesviren nisten sich entlang der Nervenfasern ein und warten dort so lange, bis sie wieder erwachen und aktiv werden. Das passiert meist dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Eine Erkältung oder eine andere Infektion mit Fieber kann beispielsweise ein Auslöser sein. So erklärt sich übrigens auch der Name „Fieberbläschen“, den manche Menschen für Lippenherpes verwenden. Besonders häufig entstehen die Blasen jedoch, wenn wir uns gerade in einer stressigen Situation befinden: Viel Arbeit, wenig Schlaf, Streit in der Familie, Ängste, Trauer, aber auch Ekelgefühle sorgen für Stress und der wiederum schwächt das Immunsystem. Daneben können auch starke Sonneneinstrahlung die Immunzellen der Haut unterdrücken sowie hormonelle Umstellungen, beispielsweise während der Menstruation oder in der Schwangerschaft, bei Frauen Lippenherpes auslösen.

Lippen sind besonders anfällig

Theoretisch kann der Virustyp auch an anderen Stellen des Körpers zu Infektionen führen, allerdings sind die Lippen am stärksten und häufigsten betroffen. Die Haut rund um die Lippen ist besonders zart und enthält viele Nervenfasern, über die sich die Viren bewegen. Daher ist die Ausbreitung an der Lippe so verbreitet.

Die fünf Phasen des Herpesausbruchs

Wenn die Bläschen sichtbar werden, hat der Virus schon einige Zeit gearbeitet. Der Herpesausbruch beginnt nämlich bereits früher:

  1. Juckreiz: Es juckt, brennt, spannt und kribbelt an der Lippe. Für erfahrene Herpesgeplagte ist klar: Die Viren sind wieder aktiv, bald wird sich eine Blase bilden. Idealerweise sollte bereit jetzt eine Therapie beginnen.
  2. Blasenbildung: Es ist soweit, der Virus macht sich nun auch sichtbar. Die Stelle an der Lippe rötet sich und es bildet sich eine Blase, die mit einer durchsichtigen Flüssigkeit gefüllt ist. Meist geht damit ein leicht schmerzhaftes, pulsierendes Gefühl einher. Die Gefahr, andere anzustecken, ist jetzt am größten.
  3. Aufplatzen: Nach einigen Stunden oder Tagen schwellen die Bläschen nochmals an, platzen auf und lassen die Flüssigkeit austreten. Auch jetzt besteht noch erhöhte Ansteckungsgefahr.
  4. Krustenbildung: Die geplatzte Blase ist wie eine kleine Wunde. Um sie zu heilen, bildet der Körper eine Kruste. Auch wenn es juckt, brennt und unschön aussieht: Die Kruste sollte nicht abgekratzt werden – umso schneller kann die Wunde heilen und die Ansteckungsgefahr ist mit der verschlossenen Blase minimiert.
  5. Ablösung: Wenn sich die Kruste von allein ablöst, ist der akute Herpesausbruch vorbei. Bis zu diesem Punkt sind in der Regel sieben bis zehn Tage vergangen.

Cremes, Pflaster und Hausmittel: Was hilft gegen die Bläschen?

Tun Betroffene gar nichts, so verschwinden die Bläschen nach etwa zwei Wochen wieder von selbst. So lange wollen die meisten Leidgeplagten jedoch nicht warten und erhoffen sich eine schnelle, wirksame Therapie. Die schlechte Nachricht: Bislang gibt es kein Mittel, das die Ursache der Infektion völlig beseitigen kann. Die verantwortlichen Viren bleiben ein Leben lang im Körper und können nach einer abgeheilten Infektion jederzeit wieder ausbrechen. Immerhin: Mit einigen Mitteln können die Symptome gelindert und die Zeit des Leidens verkürzt werden.

  • Cremes

Für viele das Mittel der Wahl bei einem Ausbruch sind virenhemmende Cremes mit Wirkstoffen wie Aciclovir oder Penciclovir. Diese Mittel hemmen den Stoffwechsel von infizierten Zellen, das heißt: Sie wirken nur da, wo sie auch gebraucht werden, um den Virus zu bekämpfen. Cremes mit diesen Wirkstoffen sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, bei schweren Fällen kann der Arzt die Wirkstoffe auch in Tablettenform verschreiben.

  • Pflaster

Herpespflaster enthalten keine Wirkstoffe. Sie sind nahezu unsichtbar, werden auf das Bläschen geklebt und schützen davor, dass die enthaltene Flüssigkeit austritt. Dadurch werden Kribbeln, Jucken und Brennen gelindert. Außerdem wird durch das Abdecken der Blase die Ansteckungsgefahr für andere minimiert. Weiterer Vorteil für Frauen: Das Pflaster kann auch überschminkt und das unschöne Bläschen so kaschiert werden.

  • Hausmittel

Ein Teebaumölfläschchen
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Die Palette der Kräuter, Pflanzen und Mineralstoffe, die bei einem Herpesausbruch helfen sollen, ist lang. So sollen Melissenextrakte, Knoblauch, Honig, Kokosöl, Teebaumöl, das Sekret von Gewürznelken oder Zink entzündungshemmend wirken und den Juckreiz lindern, wenn sie rechtzeitig und regelmäßig etwa alle zwei Stunden auf die betroffene Stelle aufgetupft werden. Salzwasser soll helfen, die Bläschen schneller auszutrocknen. Ob diese Hausmittel tatsächlich Linderung verschaffen, hängt größtenteils von der eigenen Empfindung ab, denn es gibt kaum Studien dazu. Aber: Solange die Blasen bei der Anwendung nicht aufgedrückt werden, steht dem Ausprobieren nichts im Weg.

Ansteckungsgefahr für andere Menschen minimieren

Wer gerade einen akuten Herpesausbruch hat, sollte im Umgang mit anderen Menschen besonders vorsichtig sein, um zu vermeiden, dass sie sich anstecken oder dass Herpes an anderen Körperstellen als dem Mund ausbricht. Bis die Bläschen mit einer Kruste bedeckt sind, besteht erhöhte Ansteckungsgefahr. In dieser Zeit sollten akut Erkrankte andere Handtücher benutzen als der Rest der Familie. Gläser, Besteck, Servietten etc. sollten bei mindestens 60 Grad gespült oder gewaschen werden, um die Viren möglichst vollständig abzutöten. Der Hautkontakt mit Gesunden sollte möglichst vermieden werden – küssen ist in dieser Zeit also verboten. Und: Wer Bläschen berührt oder aufkratzt, kann die Viren mit seinen Fingern auch am eigenen Körper verteilen. In einigen Fällen führt das zu Herpesinfektionen der Augen oder des Genitalbereichs. Deshalb gilt: Das Bläschen so wenig wie möglich berühren und nach dem Eincremen immer die Hände waschen.

Den Kontakt mit Risikogruppen, wie Chemotherapie-Patienten, HIV-Kranken oder Neugeborenen, sollte man idealerweise gänzlich vermeiden, wenn gerade eine Herpesinfektion besteht. Für immungeschwächte Menschen könnte die eigentlich harmlose Infektion sogar lebensgefährlich sein, etwa dann, wenn sich der Herpes-Erreger im Gehirn festsetzt und dort zu Entzündungen führt.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 14.08.2017 | 9:20 Uhr