Quicktipp: Lebensversicherung Kündigen oder verkaufen?

Lebensversicherung, Kugelschreiber, Geldscheine
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MDR JUMP Di 26.09.2017 02:10Uhr 02:01 min

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Vor ein paar Jahren gehörte die Lebensversicherung noch zu den Top- Kapitalanlagen und war ein ideales Instrument zur Altersvorsorge. Sinkende Zinsen machen aber gerade neuere Verträge oft unattraktiv. Renditen von drei bis fünf Prozent gibt es oft nur noch bei alten Policen. Außerdem musst du für eine wirklich lohnenswerte Lebensversicherung ohne große Risiken zwischen zwanzig und dreißig Jahre einzahlen. Auch deswegen wurden im vergangenen Jahr Verträge im Wert von über 13 Milliarden Euro nicht fortgeführt. Willst du deine Versicherung aber kündigen, musst du auf den richtigen Zeitpunkt achten, damit die Verluste nicht zu groß werden. Unter Umständen lohnt sich auch ein Verkauf. Was du in beiden Fällen beachten musst, klären wir mit der Versicherungsexpertin Annika Krempel von Finanztip.

Hinterbliebenenvorsorge und Geldanlage

Eine normale Lebensversicherung ist eigentlich für die Versorgung der Hinterbliebenen im Todesfall des Versicherungsnehmers gedacht. Erster Vorteil: Schon nach wenigen Monaten Laufzeit wird im Todesfall die volle Versicherungssumme ausgezahlt. Zweiter Vorteil: Tritt der Todesfall vor Versicherungsablauf nicht ein, dann ist durch die Verzinsung der Beiträge und das jahrelange Sparen ein hübsches Sümmchen zusammengekommen. Dadurch war die Lebensversicherung Hinterbliebenenvorsorge und Geldanlage mit sicherer Verzinsung zugleich.

Kündigung ist nicht die beste Wahl

Wer nun aber nach zehn Jahren nicht mehr auf diese Form des Sparens setzt oder sich ganz einfach die Beiträge nicht mehr leisten kann, der kann die Versicherung vorzeitig kündigen. Allerdings bekommt er dann nicht automatisch alle eingezahlten Beiträge zurück. In den ersten Jahren werden davon nämlich noch die Vermittlungsprovision und andere Bearbeitungsgebühren abgezogen. Erst nach einer längeren Laufzeit drohen bei einer vorzeitigen Kündigung keine Verluste. Der Versicherungsnehmer verliert aber unter Umständen angesparte Endprämien oder Schlussaufschläge, wie Annika Krempel von Finanztip erklärt: "Die vorzeitige Kündigung ist in den meisten Fällen der schlechteste Weg, die Versicherung loszuwerden. Viele wissen aber gar nicht, dass Sie ihre Versicherung auch verkaufen können und dabei zwischen drei und fünf Prozent mehr bekommen als vom Versicherer."

Du sollten nicht kündigen oder verkaufen, wenn:

  • Du einen älteren Vertrag mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent hast. Bessere, risikoarme Geldanlagen findest du im Moment nirgends auf dem Markt.
  • Deine Lebensversicherung vor 2005 abgeschlossen wurde, denn dann bekommst du nach mindestens zwölf Jahren Laufzeit deine Geld ausgezahlt, ohne es versteuern zu müssen.
  • wenn an deine Versicherung noch eine Zusatzpolice, etwa eine Berufsunfähigkeitsversicherung angeschlossen ist. Für einen neuen Vertrag steigen unter Umständen deine Beiträge, weil du älter geworden bist.
  • die Versicherung kurz vorm Ende der Laufzeit steht. So eine Versicherung bekommst du nicht mehr verkauft und bei Kündigung verlierst du einen Teil des Gewinnüberschusses am Ende der Laufzeit.

Du kannst kündigen, wenn:

  • Du noch am Anfang der Versicherungslaufzeit bist, also in den ersten Monaten. Dann hast du noch nicht alle Gebühren bezahlt und bekommst noch einen Großteil deiner eingezahlten Beiträge zurück.
  • Du dein Geld in den nächsten Jahren lieber in eine Immobilie oder anders investieren willst. "Den Todesfall können Sie dann lieber mit einer Risikolebensversicherung absichern. Die ist in den Beiträgen wesentlich günstiger. Allerdings bekommen Sie am Ende der Laufzeit keinen Cent zurück", erklärt die Finanztip-Expertin.

Die Kündigung

Schon zu Vertragsabschluss gibt es in der Regel eine Übersicht über den Rückkaufwert der Versicherung für die gesamte Laufzeit. Jedes Jahr bekommst du zusätzlich eine Mitteilung mit dem aktuellen Rückkaufwert, angepasst unter anderem an die Zinsentwicklung auf dem Kapitalmarkt. Zu genau diesen Konditionen kannst du nun deinen Vertrag vorzeitig beenden und verlierst dabei Geld und alle Ansprüche.

Der Verkauf

Eine Geldrolle wir von einer Person an eine andere Person weitergegeben
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Beim Verkauf deiner Versicherung gehen alle Auszahlungsrechte aus dem Vertrag auf den Ankäufer deiner Police über. Du bekommst den aktuellen Wert deiner Versicherung ausgezahlt. Da die Versicherung für den Käufer eine solide Kapitalanlage mit guter Rendite ist, zahlt er dir in der Regel bis zu fünf Prozent mehr, als du bei einer einfachen Kündigung bekommen hättest. Zusätzlich behältst du noch einen gewissen Versicherungsschutz, so Annika Krempel von Finanztip: "Der Begünstigte, also derjenige der, im Todesfall das Geld erhalten hätte, bleibt im Vertrag stehen. Die Versicherungssumme wird im Todesfall ausgezahlt. Davon zieht Ihr Aufkäufer seinen Kaufpreis und Bearbeitungsgebühren ab. Den Rest bekommt dann der Begünstigte." Bei einer Versicherungssumme von 30.000 Euro können so tatsächlich unter günstigen Umständen noch 20.000 Euro bei dir ankommen. Allerdings nimmt dieser Auszahlbetrag mit den Jahren ab, da der Aufkäufer dir immer mehr Gebühren anrechnet. Schließlich bezahlt und verwaltet er die Versicherung über die Jahre und will auch Gewinn machen.

Der eigentliche Wert deiner Versicherung

Büro-Ordner mit der Aufschrift "Versicherungen"
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Neben dem Rückkaufwert, den deine Versicherung festlegt, bieten Aufkäufer von Policen unterschiedlich viel für deine Lebensversicherung. Was dein Vertrag wirklich wert ist, und ob sich eher der Verkauf oder doch eine Kündigung lohnt, kannst du mit Hilfe entsprechender Tabellen im Internet selber berechnen. Du kannst deine Police auch gegen eine Gebühr von einer Verbraucherzentrale prüfen. Das dauert in der Regel aber einige Zeit. Eine weitere Möglichkeit ist die Überprüfung durch einen Honorarberater. Dort werden dir aber pro Bearbeitungsstunde bis zu 150 Euro berechnet, bei rund vier Stunden Bearbeitungsdauer.

Seriös verkaufen

Um deine Police sicher zu verkaufen, gehst du nur auf Angebote von Aufkäufern ein, die im Bundesverband für Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) organisiert sind. Sie kaufen nur Policen auf, die mindestens 8.000 Euro wert sind. Ganz sicher wickelst du diesen Verkauf über einen Treuhänder für 200 bis 250 Euro ab. Unseriöse Anbieter versuchen dir eine Teilzahlung aufzuschwatzen oder bieten dir für deine Versicherung Fondsanteile oder andere Anlageformen mit unsicheren Renditen an. Davon solltest du aber die Finger lassen.

Das Finanzamt

Ein Schild mit Parkplatz-Symbol und der Aufschrift "Finanzamt"
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Lass vor einem Verkauf am besten einen Steuerberater über die Unterlagen schauen. So erfährst du, ob der Erlös aus deiner Versicherung zu versteuern ist oder eben nicht. Gerade bei Versicherungen, die an einen Fonds gebunden sind, ist die Sachlage kompliziert. Dort besteht nämlich ein Unterschied zwischen den Beiträgen, die du eingezahlt hast, und den bisher dafür angesparten Zinsen. Kläre diese Fragen am besten noch vor der Entscheidung Kündigung oder Verkauf, da es sich steuerlich auswirken kann.

Fazit

Kündigung oder Verkauf einer Lebensversicherung sind in den meisten Fällen mit finanziellen Einbußen verbunden. Um die Verluste so gering wie möglich zu halten, solltest du dich vorher genau über den Wert deiner Police und die steuerlichen Konsequenzen informieren. Kannst du nur kurzfristig deine Beiträge nicht zahlen, dann ist die Beitragsfreistellung eine gute Möglichkeit, um bereits erworbene Ansprüche zu behalten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 26. September 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2017, 02:10 Uhr

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