Quicktipp: Langsames Internet Das kannst du dagegen tun

Netzwerkkabel mit einem Knoten
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MDR JUMP Fr 22.09.2017 02:10Uhr 01:53 min

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Laut Werbung ist der Internetanschluss über Kabel, Glasfaser oder DSL immer „superschnell“. Die Realität sieht aber häufig anders aus. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bundesnetzagentur im Auftrag der ARD: Danach erhalten gerade einmal zwölf Prozent der DSL- und Kabelnutzer wirklich die versprochene Datenrate. Für solche Fälle hat der Gesetzgeber im Sommer 2017 neue Regeln aufgestellt, damit Kunden besser Druck auf die Anbieter machen können. Bei Ärger soll zudem die Bundesnetzagentur vermitteln können.

Klare Ansage ist Pflicht

Internetanbieter müssen seit Sommer 2017 klar deutlich machen, mit welcher Geschwindigkeit Kunden rechnen dürfen. So sollen sich die Unternehmen bei Ärger nicht mehr wie bisher herausreden können, sie hätten in der Werbung nur „bis zu“ so und so viel Megabit versprochen. Seit dem 1. Juni ist ein so genanntes Produktinformations-Blatt Vorschrift, das jeder Anbieter online veröffentlichen muss. „Da muss drinstehen: Wie schnell ist der Anschluss maximal, wie schnell normalerweise und was steht minimal zur Verfügung“, sagt der Leipziger Anwalt Daniel Baumgärtner. Er vertritt regelmäßig Kunden beim Thema Internetrecht. Das Produktinformations-Blatt muss zudem sämtliche Kündigungs- und Verlängerungsbedingungen auflisten.

Bummelei mit Speedtest nachweisen

Grünes und rotes Internetkabel bei Schneefall, Symbolfoto Zwei-Klassen-Internet
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Ob der Anschluss zu Hause wirklich zu lahm ist, lässt sich mit den Tests der großen Computerzeitschriften oder auf Internet-Seiten wie „Speedmeter“ oder „Speedreport“ zuverlässig überprüfen. Zudem bietet die Bundesnetzagentur mit Breitbandmessung.de einen offiziellen Test an. Dabei überträgt der eigene Computer Daten an die Testseite, die schickt sie wieder zurück und misst, wie lange das Ganze dauert. Anhand dessen kann dann die tatsächliche Geschwindigkeit des eigenen Internetanschlusses errechnet werden. Um mögliche Fehlerquellen auszuschließen, sollten Nutzer aber den Computer oder Laptop mit einem Kabel mit dem Modem verbinden. Häufig ist auch das WLAN Ursache für Geschwindigkeitsprobleme. Etwa dann, wenn über mehrere Etagen gefunkt werden muss oder der Router schon etwas älter ist.

Speedtests der Anbieter sind keine Pflicht

Häufig haben auch die Internetversorger Speedtests auf ihren Seiten, auf die sie dann bei Ärger mit dem Kunden verweisen. Die Kunden können diese Testmethode nutzen, sind dazu aber nicht verpflichtet. Auch wenn das manche Anbieter suggerieren. „Die üblichen Speedtests sind schon als Beweismöglichkeit geeignet. Die kann man speichern und ausdrucken, das reicht“, sagt unser Experte. IT-Experten verweisen auf einen weiteren wichtigen Punkt: Nutzer wüssten bei den Tests der Internetanbieter nicht, ob die Software richtig misst. Möglicherweise hätten die Anbieter die Programme „optimiert“, so dass der Test das Unternehmen bevorteilt. Die Bundesnetzagentur hat zudem festgelegt, mit wie vielen Tests Verbraucher einen zu langsamen Anschluss nachweisen müssen. Danach müssen an zwei unterschiedlichen Tagen mindestens 20 Messungen über Kabel und nicht über WLAN vorgenommen werden.

Kündigen oder weniger zahlen ist erlaubt

Ist der Anschluss laut Speedtest deutlich langsamer als beworben, dürfen Kunden Druck machen. Erster Schritt: In einem Anschreiben an den Anbieter sollten Nutzer auflisten, wann der Anschluss laut Tests um wieviel zu langsam war. Dann wird der Kabelbetreiber aufgefordert, die Mängel innerhalb von zwei Wochen zu beseitigen. Zweiter Schritt: Kann der Anbieter nicht für schnelles Internet sorgen, hätten Kunden ein außerordentliches Kündigungsrecht, sagt Daniel Baumgärtner. So konkret stehe das aber leider im neuen Gesetz vom Sommer 2017 nicht drin, kritisiert der Anwalt. Das Recht ergibt sich aus den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches. Zudem fehle in der neugeregelten Vorschrift eine Regelung dazu, ob Kunden bei zu langsamen Anschlüssen einfach weniger bezahlen dürfen. Der Anwalt sagt: „Ich gehe davon aus, dass dann der Preis angepasst werden muss - für den nächstkleineren Tarif für den Internetanschluss.“ Kündigen und mindern dürften natürlich auch Kunden, die schon vor den Änderungen am Telekommunikationsgesetz einen Internetanschluss gebucht haben. Sie können sich allerdings nicht so präzise auf klare Ansagen der Internetanbieter berufen.

Bundesnetzagentur soll helfen

Bei Ärger mit dem Internet-Anbieter können sich übrigens auch Privatkunden an die Bundesnetzagentur wenden. Die darf nach der Änderung des Telekommunikationsgesetzes seit Anfang Juli theoretisch auch Bußgelder verhängen und so Druck auf die Anbieter ausüben. In der Praxis hat die Agentur von dieser Möglichkeit aber noch keinen Gebrauch gemacht, heißt es auf eine Anfrage des MDR von Anfang September. Zum einen existiere die Möglichkeit für Bußgelder erst seit kurzer Zeit, sagt der Sprecher der Bundesnetzagentur Olaf Peter Eul. Zum anderen sei man auf die Mithilfe der Internetkunden angewiesen: „Die Verhängung von Bußgeldern setzt voraus, dass rechtssichere Nachweise für einen entsprechenden Verstoß gesammelt werden. Ein Nachweis von Einzelverstößen ist hierbei Voraussetzung.“ Man erwarte sich aber allein von der reinen Möglichkeit der Beschwerde schon Veränderungen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 22. September 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2017, 02:10 Uhr

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