Quicktipp: Ungebetene Besucher Die besten Tipps gegen Hausspinnen

Die gute Nachricht gleich am Anfang: Von den weltweit geschätzten 100.000 Arten kommen nur etwa 1.000 in Deutschland vor. Noch besser: Keine davon ist für uns Menschen wirklich gefährlich. Sie machen weder Jagd auf uns, noch injizieren sie bei einem Biss gefährliche Mengen an Gift in den menschlichen Körper. „Wir passen einfach nicht in das Beuteschema der Spinnen. Von einer Hausspinne gebissen zu werden ist also nur möglich, wenn Sie sie direkt anfassen, in die Hand nehmen und die Spinne sich vielleicht bedroht fühlt“, erklärt Birgit Königs vom NABU Deutschland. Selbst das Gift der Kreuzspinne kann uns kaum gefährlich werden, weil die Tiere so gut wie nie durch unsere Haut beißen können. Sollte es doch passieren, dann ähnelt der Biss dem eines Mückenstiches. 

Darum haben wir Angst

Trotzdem geraten vor allem Frauen in Panik, wenn sie einer Spinne in den eigenen vier Wänden begegnen. Jeder fünfte Deutsche würde eine Spinne sofort töten, wenn er sie in der Wohnung sieht. Die Angst vor Spinnen ist uns aber nicht angeboren. Es sind eher der vollkommen andere Körperbau, die gänzlich andere Lebensweise und nicht zuletzt das plötzliche Auftauchen und die schnellen Bewegungen, die uns als Säugetiere bei Spinnen verwirren und ängstigen.  

Deshalb kommen Spinnen ins Haus

Mann bringt ein Insektengitter an
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Spinnen halten sich gerne dort auf, wo es warm ist und Futter gibt. Im Herbst wird es für viele Spinnen draußen zu kalt. Licht und Wärme von Wohnhäusern ziehen die Tiere in dieser Jahreszeit magisch an. Wenn du gerade jetzt die Insektengitter entfernst, weil ja kaum noch Fliegen und Mücken unterwegs sind, lädst du die Spinne gerade zu ein. Denn auch die Beute der Spinne, kleine Käfer, Wanzen, Fliegen usw. versuchen, in möglichst warme geschützte Räume zu kommen. „Es kann auch sein, dass der Geruch von Essensresten wie zum Beispiel Fleisch die Tiere zu einem gewissen Maß anlockt“, vermutet unsere Expertin.

So nützen sie uns auch im Haus

In Sachen Insektenvernichtung sind die Spinnen in der freien Natur unübertroffen. Wir Menschen essen weltweit pro Jahr geschätzte 400 Millionen Tonnen Fleisch und Fisch. Spinnen sollen bis zu 800 Millionen Tonnen Biomasse vertilgen. Umgerechnet auf einen Hektar Wiese sind das rund 50 Kilogramm Insekten pro Jahr. „Die paar Spinnen, die Sie im Haus haben, halten Ihnen sehr effektiv Fliegen, Mücken, Wanzen und andere Lästlinge fern“, sagt Birgit Königs. Damit schützen uns die Spinnen auch vor Krankheitsüberträgern. Vor einer Übervölkerung durch Spinnen brauchst du keine Angst zu haben. Spinnen sind Kannibalen, das heißt, wenn keine andere Beute mehr zu machen ist, fressen sie sich gegenseitig. Dazu unsere Expertin: „Wenn Sie am Winteranfang vielleicht 10 bis 20 Zitterspinnen im Haus haben, sind es Richtung Frühling dann meist nur noch vier oder fünf. Das reguliert sich also von selbst.“ Die meisten Spinnen halten sich nicht in den beheizten Wohnräumen auf, da es ihnen hier zu trocken ist. Vielmehr zieht es die Tiere in den feuchtwarmen Keller, wo sie sich auch von Asseln ernähren.   

So beugst du einer Besiedelung vor

Seife mit Lavendel
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Bester Schutz vor einer Spinne im Haus ist natürlich, sie gar nicht erst herein zu lassen. Im Handel gibt es dazu diverse Duftmittel, wie etwa Lavendelsprays. Die solltest du im Raum und besonders an den Spinneneingängen, also Türen und Fenstern anwenden. „Der Lavendel- oder auch Zitronenduft soll Insekten allgemein abhalten. Es ist allerdings schwer einzuschätzen, wie zuverlässig so etwas wirkt“, zweifelt unsere Expertin. Auch die Wirksamkeit von Ultraschallgeräten in der Steckdose ist umstritten. Ebenso sollen zerkleinerte Kastanien auf Fensterbrett und der Türschwelle mit ihrem Geruch die Spinne fernhalten. Ausprobieren kann nicht schaden. Insektengitter an Fenstern und Türen helfen auf jeden Fall. Ebenso ist es wichtig, möglichst alle Ritzen am Wohnhaus abzudichten.

 So wirst du eine Spinne los

Spinnen stehen wie alle Wildtiere unter Naturschutz. Versuche, die Tiere deshalb möglichst schonend an die Luft zu setzen. Am besten funktioniert der Klassiker mit einem Glas, das du über die Spinne stülpst. Ist das Tier gefangen, schiebst du vorsichtig ein Blatt Papier unter das Glas und beförderst die Spinne so aus dem Haus. Auch im Handel angebotene Geräte mit Namen wie Snapy oder Spider Catcher kannst du zum Einfangen verwenden. Sie kosten zwischen sieben und zwanzig Euro. Bei den meisten Geräten wird ein Behälter über die Spinne gestülpt und verschlossen. Die Spinne musst du dabei nicht berühren. Auch vorsichtiges Schieben auf die Kehrschaufel ist eine Möglichkeit. Sauge Spinnen jedoch bitte nie mit dem Staubsauger auf. „Das ist für die Spinnen der sichere Tod, da sie so im Staubbeutel ersticken“, so unsere Expertin. Auch bei allen anderen Geräten, die Spinnen ein- oder aufsaugen, besteht die Gefahr, dass die Spinnen verletzt oder getötet werden.

Die Spinne in Wanne oder Waschbecken runterzuspülen bedeutet ebenfalls das sichere Ende des Tieres. Spinnen kommen übrigens nicht aus der Abwasserleitung. „Die Tiere kommen meist über das Fenster ins Bad, gelangen aus Versehen in die Wanne oder Dusche und kommen einfach an der glatten Keramik nicht mehr hoch“, so Birgit Königs.

Bitte weit weg

Wenn du eine Spinne  gefangen hast, dann reicht es nicht, einfach die Tür aufzumachen und sie auf Treppe oder Terrasse auszusetzen. „Die sind ganz schnell wieder im Haus oder davor und warten auf die nächste Gelegenheit“, erklärt unsere Expertin. Sie rät, die Spinnen so weit wie möglich vom Haus entfernt freizulassen. Bis zu 60 Meter Rückweg sind für eine große Spinne kein Problem.

Fazit

Eine Spinne im Haus kann für Schreckmomente sorgen. Sie ist aber in keinem Fall gefährlich, sondern eher nützlich. Wer Tür und Fenster entsprechend sichert, bekommt selten Besuch. Auch Essensreste und eine unsaubere Wohnung können die Tiere anlocken, weil sich auch ihre Beutetiere wie Fliegen hier wohl fühlen. Die Wirksamkeit von Duftbarrieren; Spray und Aromastoffen ist umstritten. Mechanische Einfanghilfen können dagegen gute Dienste leisten. Versuche, die Tiere möglichst schonend einzufangen und weit entfernt wieder freizulassen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 07. Dezember 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 02:10 Uhr

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