Quicktipp: Essen vom Lieferdienst Welche Rechte hast du?

Ein Pizzabote steht mit vielen Pizzen an der Wohnungstür.
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MDR JUMP Fr 13.10.2017 02:10Uhr 01:58 min

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Spannender Fußballabend, alle Freunde sind da, für die Halbzeitpause ist die Pizza geordert. Und dann ist es soweit: Der Hunger kommt pünktlich, doch der Pizzabote zu spät. Und wenn dann die Pizza noch kalt ist, sind sich alle einig: Foulspiel! Welche Rechte hast du, wenn der Lieferdienst dir den Appetit auf Pizza, Nudeln oder Sushi verdirbt?

Sushi-Box mit Stäbchen
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Grundsätzlich schließst du mit der Bestellung bei einem Lieferdienst einen Vertrag ab: Geld gegen die im Internet oder Flyer beschriebene Ware. "Der Lieferdienst muss Ihnen diese Ware in mittlerer Art und Güte bringen", sagt Michael Hummel, Rechtsexperte bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Bestellst du also eine Salamipizza, kannst du nicht mehr oder weniger als eine normale Pizza mit Salamibelag verlangen. Die muss frisch zubereitet, warm und verzehrfähig sein. Nur wenn du die Pizza so geliefert bekommst, musst du auch den vollen Preis dafür zahlen. Transport und Hygienestandards müssen außerdem eingehalten werden. Offensichtlich verdorbenes Essen musst du nicht annehmen. Alle Mängel solltest du sofort beim Lieferanten und vor allem dem Pizza- oder Sushi-Service selbst beanstanden. Sinnvoll ist es auch, den Zustand der Speisen fotografisch zu dokumentieren.

Du darfst prüfen

Pizza- und Sushiboten stehen oft unter Zeitdruck. Das braucht dich als Kunden aber nicht zu stören, denn du hast das Recht, die bestellten Speisen auf Vollständigkeit, Zustand und richtige Temperatur zu prüfen. Unser Experte rät: "Tun Sie das, solange der Bote noch da ist, auch wenn das ein bisschen pingelig aussieht. Später haben Sie eher keine Chance mehr, zu kalte Pizza oder fehlende Beilagen zu beanstanden."

Kalte Pizza geht zurück

Ein geschlossener Pizzakarton liegt zwischen Messer und Gabel auf einem Holzteller.
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Warme Speisen sollten mit mindestens 65 Grad Celsius ausgeliefert werden. Nun musst du nicht mit dem Thermometer hantieren, ein einfacher Test mit der Hand auf der Pizzaschachtel reicht aus. Sushi hingegen sollte bei maximal zwei bis vier Grad ausgeliefert werden. Auch hier merkst du an der Box schnell, ob sie zu warm ist. Weichen die Temperaturen des Gelieferten deinem Gefühl nach weit vom Üblichen ab, kannst du die Speisen zurückweisen und musst sie selbstverständlich auch nicht bezahlen.

Lange Wartezeiten

In Stoßzeiten wie etwa in der eingangs erwähnten Halbzeitpause haben Lieferdienste oft enorm zu tun. Eine pauschale Wartezeit für die Anlieferung gibt es daher nicht. Deswegen solltest du bei der Bestellung nachfragen, wie lange es dauert. Wenn du im Internet bestellst, dann achte auf die aktuelle Angabe der Lieferzeit oder frage diese Zeit ab. Wird die angegebene Zeit überschritten, frage am besten nach. "Wenn eine halbe Stunde vereinbart wurde, dann können Sie nach 45 Minuten anrufen und nachfragen. Geben Sie dem Lieferdienst jetzt nochmal eine Frist von einer Viertelstunde. Wenn er dann nicht da war, sind Sie an das Geschäft nicht mehr gebunden und können getrost woanders bestellen", erklärt Michael Hummel.

Das falsche Essen

Wird dir das falsche Essen geliefert, kannst du es komplett zurückschicken. Das gilt auch, wenn nur eine Extrabeilage falsch ist, denn dann hat der Pizzaservice den Vertrag von seiner Seite aus nicht erfüllt.

Rabatte bei Fehlern

Ob kalte oder falsche Pizza oder zu lange Wartezeiten: Wenn du das Essen trotzdem noch willst, dann kannst du mit dem Lieferservice über einen Rabatt reden. "Das könne Sie frei aushandeln, eine gesetzliche Grundlage gibt es für solche Rabatte nicht", sagt der Rechtsexperte von der Verbraucherzentrale. Zwischen zehn und zwanzig Prozent sind für leichte Versäumnisse oder Fehler angemessen.

Kostet Treppensteigen extra?

Trotz vieler anders lautender Berichte ist die Antwort hier ganz klar: Nein! Unser Experte erklärt das so: "Wenn ein Pizzaservice in einem Stadtviertel liefert in dem Häuser mit fünf oder mehr Etagen stehen, muss er damit rechnen, dass einen Lieferung auch mal in den sechsten Stock geht." Kommt also der Pizzabote keuchend bei dir an und verlangt einen Aufpreis von fünf Euro fürs Treppensteigen, kannst du das ablehnen. "Auch wenn der Lieferdienst das in seinen AGBs stehen hat, ist es ungültig. Diese Zusatzkosten von beispielsweise 1,50 Euro pro Etage ab dem dritten Stock muss er dann schon gut lesbar und sofort sichtbar in seiner Preisliste ausschreiben", sagt Michael Hummel. Auch eine telefonische Absprache bei deiner Bestellung ist möglich.

Das passende Kleingeld

Euro Geldscheine stecken in einem Portemonnaie.
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Vorhandenes Geld und der Wert der Ware sollten ungefähr übereinstimmen. Du musst die Pizza also nicht exakt passend bezahlen. Einen 200 Euro-Schein für eine 30 Euro-Bestellung muss der Pizzabote trotzdem nicht annehmen. Er muss aber genügend Wechselgeld bei sich haben, um im erwähnten normalen Rahmen wechseln zu können. Kommt er schon mit der Ansage, dass du es passend haben musst und er nicht rausgeben kann, dann hat er Pech und muss das Essen unter Umständen wieder mitnehmen.

Kann der Lieferdienst ablehnen?

Wenn du zu weit weg wohnst oder die Nachfrage zu groß ist, darf der Pizzaservice deine Anfrage auch ablehnen. "Diese Geschäfte unterliegen dem Grundprinzip der privaten Autonomie", erklärt unser Experte. Das heißt nicht anderes, als dass der Pizzaservice entscheidet, ob er mit dir ein Geschäft eingeht oder nicht. Rein theoretisch könnte er sogar deinen Nachbarn beliefern und dich nicht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 13. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 02:10 Uhr

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