Quicktipp: Babypause Wieviel Elterngeld bekomme ich?

Wer sich ein Baby wünscht, kommt nicht darum herum, auch über Geld nachzudenken. Welcher Elternteil geht weiter arbeiten, wer bleibt zuhause und kümmert sich um den Nachwuchs? Derjenige bekommt finanzielle Unterstützung: das Elterngeld. Aber wie viel steht mir zu?

Mutter hält ihr Babys
Bildrechte: Colourbox.de

MDR JUMP Fr 15.09.2017 12:03Uhr 02:12 min

Audio herunterladen [MP3 | 2 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 4 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/thema/quicktipp/quicktipp-elterngeld-102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Als frischgebackene Eltern hat man viel um die Ohren. Neben dem Zauber und den grandiosen Veränderungen, die der Nachwuchs mit sich bringt, gibt es für dich auch wirtschaftlich einiges zu beachten. Wer betreut das Kind im ersten Jahr und wie bekommst du dabei die optimale staatliche Unterstützung? Oder kurz: Wie bekommst du das meiste Elterngeld?

In Zeiten, in denen fast 20 Prozent aller Angestellten im Niedriglohnsektor arbeiten, Leiharbeiter gut ein Drittel der großen Industrieaufträge abdecken und flexible Arbeitsmodelle immer selbstverständlicher werden, sind auch Elternzeit und Wiedereinstieg ins Berufsleben keine starren Modelle mehr.

Heutzutage kann man als Eltern wählen:

Ein Schaukelpferd steht in einem Wohnzimmer.
Bildrechte: imago/photothek

  • Bleibt ein Elternteil zu Hause, gibt es dafür 12 Monate lang Elterngeld.
  • Bleibt der andere Elternteil noch zwei sogenannte Vätermonate zu Hause, bekommt man 14 Monate Geld.
  • Seit 2015 kann man mit dem Elterngel-Plus bei einem soften Wiedereinstieg ins Berufsleben sogar bis zu 36 Monate staatliche Leistungen beziehen.

Welche Variante du dabei wählst, das bleibt ganz dir und deinen Möglichkeiten überlassen.

Lass dich beraten!

Die Möglichkeiten sind vielfältig, die Berechnungen teilweise kompliziert. Wieviel Elterngeld du bekommst, hängt von deinem Verdienst vor der Geburt deines Kindes ab. Schon ein Jahr im Vorfeld solltest du deine Steuerklasse(n), deine Einnahmen und als Freiberufler deine Rechnungslegung beachten. Lass dich deshalb frühzeitig, am besten schon ab Kinderwunsch noch vor einer Schwangerschaft, von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein beraten. Das kann während der Elternzeit ein paar tausend Euro Unterschied machen.  

Wer bekommt Elterngeld?

Beide Elternteile haben ein Anrecht auf Elterngeld, wenn man das Kind selbst betreut. Dabei ist es egal, in welchem Arbeitsverhältnis sie stehen, also ob Angestellter oder Selbstständiger. Je nach Vorverdienst bekommst du mindestens 300 Euro und maximal 1.800 Euro pro Monat. Studenten, Hausmänner- und frauen und ALG-1-Empfänger bekommen in der Regel pauschal den Mindestbetrag von 300 Euro. ALG-2-Empfänger bekommen diesen Betrag auf ihre Leistungen angerechnet, ihre Gesamteinnahmesituation ändert sich also nicht. Das wird durch den höheren Anspruch mit Kind aber angeglichen.

So bekommst du Elterngeld

Du musst das Elterngeld bei deiner zuständigen Elterngeldstelle beantragen. Informationen und Formulare dazu findest du im Internet, zum Beispiel auf der Webseite des Familienministeriums. Wichtig: Jedes Bundesland hat sein eigenes Formular. Stell den Antrag unmittelbar nach der Geburt deines Kindes, das Elterngeld gibt es nämlich nur maximal drei Monate rückwirkend. Du musst unter anderem erklären, welcher Elternteil für welche Dauer Elterngeld beantragt. In der Regel bekommst du 65 Prozent deines Nettolohnes, also nach Steuerabzug, der letzten zwölf Monate vor der Geburt ihres Kindes. Verdienst du weniger als 1200 Euro pro Monat, bekommst du 76 Prozent, ab 2770 Euro Nettolohn gibt es den Höchstsatz von 1800 Euro Elterngeld.   

So bekommst du mehr Elterngeld

Es gibt ein paar ganz legale Möglichkeiten, das Elterngeld zu optimieren. Eigentlich wendest du dabei nur alle Regelungen zu deinem Vorteil an. Grundsätzlich gilt dabei, die Berechnungsgrundlage des Elterngeldes, also die Einkünfte der letzten zwölf Monate vor der Geburt, bei Selbständigen das letzten Jahr vor der Geburt, so hoch wie möglich zu halten:

Steuerklasse wechseln: Je weniger Steuern du vor der Geburt deines Kindes zahlst, desto größer ist dein Nettoeinkommen, umso höher ist das Elterngeld. Werden Eltern steuerlich gemeinsam veranlagt, wechselt der Elternteil, der später Elterngeld beziehen möchte, möglichst früh, mindestens aber sieben Monate vor Geburt oder Mutterschutz in die günstigere Steuerklasse 3. Der Andere Partner muss dann zwar erstmal mehr Steuern zahlen, das gleicht aber die Jahressteuererklärung wieder aus. Zuviel gezahlte Steuern gibt es hier zurück, der Elterngeldnehmer bekommt aber für 12 Monate mehr Elterngeld.

Angestellte: Bei Angestellten werden die letzten 12 Monate vor der Geburt zur Berechnung der Einnahmen herangezogen. Vom durchschnittlichen Bruttoeinkommen in dieser Zeit werden Pauschalen für Steuern und Sozialabgaben abgezogen. Übrig bleibt also das Nettoeinkommen als Berechnungsgrundlage. Das ist nicht der gleiche Betrag wie das Nettogehalt, denn nur der versteuerte Arbeitsverdienst gilt als Einkommen. Außerdem sollte Elternzeit entsprechend den Lebensmonaten des Kindes und nicht nach Kalendermonaten genommen werden. Wird dein Kind zum Beispiel am 15. des Monats September geboren und du beantragst erst ab dem 1. Oktober das Elterngeld, werden auch die Einkünfte vom 15. bis 30. September auf das Elterngeld angerechnet. Da warst du aber schon mit Baby zu Hause und hast nicht mehr das volle Nettogehalt bekommen. Besser also, du beantragst das Elterngeld gleich ab dem 16. September.

Selbständige: Zur Berechnung werden hier die Einkünfte aus dem Jahr vor der Geburt herangezogen. Wird dein Kind also Mitte Mai 2018 geboren, zählen die Einkünfte aus dem Jahr 2017. Es ist also sinnvoll, 2017 so viele Einkünfte wie möglich zu generieren. Besprich eine sinnvolle Rechnungslegung am besten mit deinem Steuerberater und versuche möglichst wenige betriebsbedingte Ausgaben in diesem Jahr anzusetzen.

Zuverdienst: Nur in wenigen Ausnahmen lohnt es sich für Angestellte, zusätzlich zum Elterngeld etwas zu verdienen. Diese Einnahmen werden in der Regel nämlich gleich wieder vom Elterngeld abgezogen. Bei Selbstständigen sieht das etwas besser aus. Arbeitest du während deiner Elternzeit, kannst du dafür sogar eine Rechnung in diesem Zeitraum stellen. Du müsst dann nur den Auftraggeber bitten, diese Rechnung außerhalb deiner Elternzeit zu bezahlen. Wichtig ist für die Berechnung nämlich nicht das Datum der Rechnung sondern das des Geldeinganges auf deinem Konto. Auch laufende Betriebsausgaben, wie etwa eine  Büromiete können Selbständige vom Gewinn abziehen.

Fazit

Um die Zeit nach der Geburt deines Kindes so entspannt wie möglich zu verbringen, informiere dich früh über die Möglichkeiten, Elternzeit zu nehmen und Elterngeld zu beantragen. Plane möglichst ab dem Zeitpunkt des Kinderwunsches, dann kann dir das bis zu ein paar tausend Euro mehr bringen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 18. September 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2017, 02:10 Uhr

Noch mehr Umschau-Quicktipps