Quicktipp: Kinderbetreuung So klappt die Eingewöhnung in der Kita

Handtücher hängen in einer Reihe.
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MDR JUMP Do 26.10.2017 02:10Uhr 02:04 min

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Jedes Jahr ab August beginnt für viele Kinder die Zeit in einem Kindergarten, der Kinderkrippe oder bei einer Tagesmutter.  Doch bevor die Kinder dort richtig ankommen und Spaß haben, dauert es eine Weile. Erst müssen sie sich an die neue Umgebung, den anderen Tagesablauf und die neuen Bezugspersonen gewöhnen. Doch was können Eltern tun, um die Eingewöhnungsphase optimal zu gestalten und den Kindern einen guten Start in den Kindergarten zu ermöglichen?

Erzieher sind Partner, keine Konkurrenz

Kinder mit Erzieherin an einem Sandkasten
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Der enge Kontakt zu Erziehern und der Austausch über den Alltag der Kinder sind während der gesamten Kitazeit sehr wichtig. Dabei sollten Erzieher nie als Konkurrenz angesehen werden, sondern als Partner bei der Betreuung. Einige Eltern haben Angst, dass sie nicht mehr die „Nummer 1“ für ihre Kinder sind, wenn sie von anderen Erwachsenen einen ganzen Tag betreut werden. Andere sind vielleicht mit den Erziehungsmethoden in der Kita nicht ganz zufrieden. Da hilft nur eins: Eltern müssen mit den Kitamitarbeitern nicht nur über das Kind, sondern auch über ihre Erwartungen und Ängste reden. Nur so können Erzieher darauf eingehen oder mit ihrer Erfahrung weiter helfen. Bereits vor der eigentlichen Eingewöhnung gibt es daher in der Regel einen Elternabend, in denen sich die Eltern und die Erzieher vorstellen und den Ablauf der Eingewöhnung besprechen. Zudem spricht es für eine gute Kita, wenn sich die Mitarbeiter im Vorfeld über die Gewohnheiten, Charaktereigenschaften und Allergien der Kinder – beispielsweise in Form eines Fragebogens oder in einem persönlichen Gespräch – erkundigen.

Sich Zeit nehmen

Die wichtigste Regel lautet: Sich die Zeit nehmen, die das Kind braucht. Fast alle Kinder fangen an zu weinen, wenn Eltern das erste Mal den Raum verlassen. Sie müssen nun lernen, dass die Eltern wieder kommen, wenn sie sich verabschiedet haben. Und das braucht einige Zeit! Fast alle Kitas haben sich inzwischen bei der Eingewöhnung auf das „Berliner Modell“ festgelegt. Zwei bis vier Wochen dauert dabei die Eingewöhnung in aller Regel.

Gestartet wird damit, dass ein Elternteil zusammen mit dem Kind die neue Gruppe und die Einrichtung erkundet. Einige Kitas haben dafür den „Sandkastentag“ eingeführt, eine Art Schnuppertag, damit sich das Kind gemeinsam mit den Eltern ein Bild von der Kita und den Erziehern machen kann. Das erste Treffen dauert dabei nicht einmal eine Stunde. Diese Zeiten werden danach schrittweise ausgedehnt. Dabei treten die Eltern allmählich in den Hinter- und die Erzieher in den Vordergrund.

Nach drei bis vier Tagen verlassen die Eltern das erste Mal für ein paar Minuten den Raum und das Kind bleibt mit der neuen Vertrauensperson allein. Besonders wichtig: Die Eltern verlassen niemals heimlich schnell den Raum, wenn das Kind abgelenkt ist, sondern sie verabschieden sich. Das Kind muss lernen, dass es nach einer Verabschiedung auch ein Wiedersehen gibt.

Dabei bleiben die Eltern aber in der Nähe, wenn das Kind mit der neuen Situation gar nicht zurechtkommt. In der zweiten und dritten Woche bleiben die Kinder dann immer länger ohne Eltern in der neuen Einrichtung, teils wird in dieser Phase schon mitgegessen und/oder mitgeschlafen. Wer die Zeit hat, sollte aber auch darüber hinaus sein Kind noch ein bis zwei Wochen spätestens nach dem Vesper/Kaffee abholen, um das Kind etappenweise an lange Tage in der Kita zu gewöhnen.

Nur ein Elternteil übernimmt die Eingewöhnung

Die Eltern tragen entscheidend dazu bei, wie gut oder schlecht die Eingewöhnung verläuft. Denn in erster Linie müssen auch sie sich lösen von ihrem Kind. Wenn die Eltern zeigen, dass sie ebenso traurig sind, spürt das ein Kind und möchte möglicherweise nicht in der Einrichtung bleiben. Wichtig ist es daher, dass es auch bei der Eingewöhnung eine Konstante für das Kind gibt, d. h. nur ein Elternteil übernimmt die Eingewöhnung – und das über die gesamte Zeit. Übrigens: Wenn ein Kind während der Eingewöhnung nicht weint, wenn es in der Kita gelassen wird, bedeutet das natürlich nicht, dass man als Eltern versagt hat. Es heißt vielmehr, dass das Kind schon so viel Vertrauen zu den Eltern hat, dass es weiß, dass sie wiederkommen. Vor allem Geschwisterkindern und Kindern, die bereits öfter bei Großeltern und Tanten geschlafen haben, fällt es oft leichter in der neuen Umgebung.

Vertrautes mit in die Kita nehmen

Ein Mädchen liegt hinter einem Teddybär auf dem Boden, im Hintergrund sitzt ein Junge an einem Tisch.
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Damit es den Kinder leichter fällt, die gewohnte Umgebung zu verlassen, ist es für viele hilfreich, etwas Vertrautes mit in die Kita zu nehmen: Das kann bei kleinen Krippenkindern beispielsweise ein Oberteil mit dem Geruch der Mama sein, welches es zum Schlafen nimmt. Es können aber auch Kuscheltiere, Kissen oder gar Fotos sein. Aufpassen sollte man auch, dass eine Eingewöhnung nicht gleichzeitig mit einem anderen prägenden und neuen Ereignis für das Kind stattfindet. Falls ein Kind beispielsweise ein Geschwisterchen bekommt, kann es sich durch die neue Umgebung auch schnell „abgeschoben“ fühlen. Sollte dem Kind der Übergang trotz langsamer Eingewöhnung schwerfallen, sollte man das Gespräch mit dem Kind und den Erziehern suchen und Lösungen finden.

Rückfall nach ein paar Wochen

Auch wenn die Eingewöhnung offiziell abgeschlossen ist, kann es immer wieder zu „Rückschlägen“ kommen. Vor allem dann, wenn Kinder ein paar Wochen lang regelmäßig in die Kita gehen und anschließend merken, dass es nun kein „Abenteuer“ mehr ist, sondern Alltag. Auch hier sollte man behutsam mit den Kleinsten umgehen, Ruhe bewahren und die Situation erklären. Im Zweifel können Eltern auch kleinere Ausreden erfinden, wie: „Mama geht jetzt erst einmal Windeln kaufen.“ Das verstehen Kinder oft eher. Auf keinen Fall sollte man sie dann zu Hause lassen, denn das könnte ihnen signalisieren, dass sie zu Hause bleiben können, wenn sie nur laut genug weinen.

Fazit

Für Kinder und Eltern beginnt eine neue Zeit, wenn der Nachwuchs in die Kita kommt. Und beide Parteien müssen sich meist auch erst an die neue Situation gewöhnen. Wichtig ist, dass die Eingewöhnung möglichst in langsamen Schritten erfolgt, d. h. dass die Eltern zunächst gemeinsam mit dem Kind Zeit in der neuen Einrichtung verbringen. Allmählich lösen sich dann die Eltern und lassen die Kinder mit der neuen Bezugsperson in der Einrichtung allein. Wie lange es dauert, bis die Eingewöhnung abgeschlossen ist, kann man pauschal nicht sagen. Mindestens zwei bis drei Wochen sollten die Eltern dafür aber einplanen. Wichtig ist dabei, dass nur ein Elternteil die Eingewöhnung übernimmt, damit es für das Kind in dieser Zeit eine konstante Bezugsperson gibt. Auch vertraute Gegenstände wie ein Schnuffeltuch oder ein Kissen helfen Kindern oft. Eltern sollten die neue Bezugsperson nie als Konkurrenz ansehen, die mit dem eigenen Kind nun mehr Zeit verbringt und neue spannende Dinge erlebt. Im Gegenteil sollten sie stets partnerschaftlich zusammenarbeiten und Probleme bzw. Sorgen direkt ansprechen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 26. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2017, 02:10 Uhr

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