Quicktipp: Hund, Katze, Maus Diäten für Haustiere

Hund bewacht einen Stapel Hundekuchen
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Darum werden Tiere dick

Hunde und Katzen, aber auch andere Haustiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen, haben oft die gleichen Probleme wie ihre Besitzer: ein Zuviel an Nahrungsangebot und zu wenig Bewegung. Tierarzt Dr. Ronald Lindner beschreibt das so: “In der Regel ist nicht das normale Futter, das die Tiere zu sich nehmen, das Problem. Da achten die meisten Besitzer auf gute Qualität in der notwendigen Menge. Schuld sind eher die Extras, wie Leckerlis, Kauknochen oder andere Snacks.“ Wie uns Menschen die Chips oder Salzbrezeln auf der Couch dick machen, sorgen die oft als Belohnung eingesetzten Leckerlis bei den Tieren für eine zu große Energieaufnahme. Ein weiterer Grund für Übergewicht können die falschen Lebensumstände sein - wenn etwa alte Menschen sich einen Hund zulegen, der viel Bewegung braucht, aber nicht entsprechend oft ausgeführt wird. Schließlich können Krankheiten wie eine Unterfunktion der Schilddrüse oder ein Diabetes auch bei Tieren zu Übergewicht führen. Bei Hündinnen kann auch eine Scheinschwangerschaft dafür sorgen, dass der Körper Fettdepots für die vermeintlich bevorstehende anstrengende Zeit anlegt.

Daran erkennen man das Übergewicht

Das Idealgewicht für dein Haustier findest du in entsprechenden Tabellen, die du beim Tierarzt oder im Internet bekommst. Hier findest du auch Formeln zur Berechnung des Body-Mass-Index. Der wird für Hunde und Katzen unterschiedlich ermittelt und richtet sich vor allem nach dem Verhältnis von bestimmten Knochengrößen zum Brustumfang. Mit der richtigen Formel, einem Maßband und ein wenig Geduld ist das auch für Ungeübte machbar. „Einen stark von der Norm abweichenden Gewichtszustand sehen Sie aber mit dem bloßen Auge“, erklärt unser Tierarzt. Für Hund und Katze gelten dabei in der Regel fünf Zustände:

Dicke Hauskatze
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-  Starkes Untergewicht: Rippen, Lendenwirbel und Beckenknochen sind aus der Entfernung deutlich zu erkennen. Das Tier hat kaum Muskeln und Körperfett.
- Leichtes Untergewicht: Die Rippen sind deutlich erkennbar und tastbar und nicht mit Fett bedeckt. Lendenwirbel und Beckenknocken sind gut zu erkennen und das Tier hat  von oben betrachtet eine starke Taille.
- Normalgewicht: Die Rippen deuten sich unter einer ganz leichten Fettschicht noch gut an. Das Tier hat eine von oben gut erkennbare Taille und von der Seite eine Bauchlinie bis zur Leiste.
-Leichtes Übergewicht: Rippen sind nicht mehr zu erkenn und nur schwer zu erspüren. Taille und Bauchlinie lassen sich nur schwer erkennen. Es gibt Fettdepots an der Lende und dem Schwanzansatz.
-Starkes Übergewicht: Es sind keine Rippen mehr erkennbar. Dafür hat das Tier deutliche Fettdepots an Brust, Hals und Schwanz. Hinzu kommt ein sichtbar dicker Bauch.

Die Folgen

Starkes Übergewicht belastet Haustiere ebenso wie uns Menschen. Bluthochdruck, Diabetes und auch Gelenkkrankheiten können die Folgen von dauerhaft zu hohem Gewicht sein. Ein dicker Hund stirbt im Schnitt zwei Jahre früher als ein schlanker. Wenn du nichts gegen das Übergewicht tust, kann das Tier die Lust an Bewegung verlieren und so immer schneller zunehmen. Außerdem vernachlässigen übergewichtige Tiere oft auch ihre Hygiene, weil das Putzen sie zu sehr anstrengt.

Geh zum Tierarzt

Warum dein Tier zunimmt, kann nur der Tierarzt eindeutig feststellen. „Sie sollten das zumindest einmal richtig abklären lassen. So kann Ihr Tierarzt sehen, ob nicht eine ernsthafte Erkrankung hinter dem Übergewicht steckt. Außerdem können Sie mit der falschen Diät Ihrem Tier richtig Schaden zufügen“, rät Dr. Lindner. Mit dem Arzt solltest du einen Diätplan für dein Haustier erstellen. Darin legst du fest, welches Futter wie oft gegeben wird und wie das Tier wieder zu mehr Bewegung  kommt. Schließlich vereinbarst du, wie viel dein Tier abnehmen musst. Achtung: Mehr als ein bis eineinhalb Prozent des Gewichtes sollten es pro Woche nicht sein.

Ernährungsumstellung

gelber Futternapf mit Knochen
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Nach dem Besuch beim Tierarzt besorgst du dir das richtige Futter. „Die Futtermittel sind speziell auf die Bedürfnisse Ihres Haustiers im jeweiligen Alter ausgerichtet. Daran sollten Sie sich orientieren“, so der Experte. Anders gesagt, sollte der Hundewelpe nicht das Futter für den ausgewachsenen Hund bekommen. Sein Energie- und Nährstoffbedarf ist ein anderer.

Setze dein Tier auf keinen Fall auf eine Nulldiät. Gerade Katzen bekommen unter Futterentzug sehr schnell körperliche Probleme. Reduziere das Futter lieber jeden Tag etwas, bis die ideale Menge erreicht ist. Teile die Futtermenge auf drei bis vier Tagesrationen auf. Ein Tag pro Woche ganz ohne Futter macht wenig Sinn, da die Tiere später umso mehr fressen wollen. Ein normal entwickelter Hund wird ohnehin ständig mehr fressen wollen, als er braucht. Das im Handel angebotene Futter ist für die Ernährung völlig ausreichend. Wenn du willst, kannst du deinem Tier aber auch frisches rohes Fleisch, blanchiertes Gemüse oder Gemüseflocken anbieten. Manche Hunde und sogar Katzen stehen auf Obst und Gemüse. Die Möhre als Ersatz für den Kauknochen - es lohnt sich, das einmal auszuprobieren.

Achte darauf, dass dein Tier mit zunehmendem Alter immer weniger Futter braucht. Hast du mehrere Haustiere, füttere das ‚Moppelchen‘ getrennt von den anderen, damit kein Futterneid entsteht. Wiege das Futter ab oder dosiere es mit einem Messbecher, so hast du die Sicherheit bei der Menge. Biete deinem Tier außerdem immer frisches Wasser an.

Die Bewegung

Je mehr Energie dein Tier verbraucht, desto besser. Allerdings solltest du auch hier Maß halten und langsam anfangen. Starte beim Hund lieber mit kleinen Spazierrunden, geh dafür öfter los. Nimm den übergewichtigen Hund nicht sofort auf die große Fahrradtour mit. Bei Katzen kannst du den angeborenen Spieltrieb mit diversen Spielzeugen aus dem Handel wieder aktivieren. Auf jeden Fall solltest du dich gerade mit Wohnungskatzen viel beschäftigen, damit keine Langeweile aufkommt, die mit Fressen kompensiert wird. Mit anderen Artgenossen zu toben, ist für Hunde das schönste Fitnessprogramm. 

Früher war nicht alles besser

Vor dreißig Jahren war das heutige Tierfutterangebot undenkbar. Haustiere bekamen Reste oder Abfälle. Dass wir mit dem heutigen Futterangebot auf dem richtigen Weg sind, erklärt Tierarzt Dr. Lindner so: „Den Tieren ging es ja damals nicht besser, die sind oft sogar früher gestorben. Wenn Sie heute Tierfutter in einem normalen Preiserahmen kaufen, dann sind Ihre Haustiere bestens versorgt und Sie haben lange Freude daran.“

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 06.06.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2017, 02:10 Uhr

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