Quicktipp: Crowdfunding Lukrativ und riskant

In farbig gezeichneten Händen liegen Münzen und Gelscheine, im Kreis um ein Sparschwein herum.
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MDR JUMP Mo 16.10.2017 02:10Uhr 01:59 min

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Jemand möchte ein Geschäft gründen, ein Kunstprojekt realisieren oder zum Beispiel eine große Immobilie bauen. Die Pläne sind konkret, aber das nötige Geld fehlt. Um das Vorhaben zu finanzieren, werden andere an den Kosten beteiligt – und später an den Gewinnen. Solche Schwarmfinanzierungs- oder Crowdfunding-Projekte werben vorwiegend online um Unterstützer.

Das ist Crowdfunding

Geld
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Auf Internet-Plattform wie Startnext, Kickstarter, Indiegogo oder VisionBakery wird das Projekt vorgestellt. Inhalte und finanziellen Bedingungen wie Laufzeit und Verzinsung werden näher erläutert. Bis zu einem festgelegten Datum wird dann versucht, durch die Investitionen einzelner eine konkrete Zielsumme zu erreichen. Sie ist neben möglichen anderen Voraussetzungen nötig, um das Projekt zu realisieren.

Unterstützer oder auch Anleger können sich beteiligen, indem sie eine bestimmte Summe zahlen. Abhängig von der Crowdfunding-Form und der Höhe ihrer Investition bekommen sie dann eine bestimmte Leistung zurück. Kommt aber die Zielsumme nicht zusammen, wird das Projekt in der Regel auch nicht realisiert. Die Unterstützer erhalten dann ihre Anteile zurück. Scheitert das Projekt während der Laufzeit, besteht jedoch die Gefahr, dass der Anleger sein ganzes Geld oder einen großen Teil davon verliert.

Das kann Crowdfunding

Es gibt vier hauptsächliche Formen des Crowdfunding:

Klassisches Crowdfunding
Du unterstützt ein Kultur- oder Kunstprojekt mit einer bestimmten Geldsumme. Wird das Projekt realisiert, bekommst du zum Dank zum Beispiel eine Eintrittskarte oder eine handsignierte Postkarte der Künstler oder Ähnliches.

Spenden-Crowdfunding
Hier unterstützt du mit deinem Geld vorwiegend soziale Projekte oder Hilfsprojekte, ohne dafür eine materielle Gegenleistung zu bekommen.
Meist werden die Unterstützer zum Dank öffentlich erwähnt.

Crowdlending
Dabei verleihst du als Investor Geld an ein Projekt. Das Geld wird dir später mit Zinsen zurückgezahlt.

Crowdinvesting
Als Unterstützer bist du finanziell am Projekterfolg beteiligt. Ähnlich einer Eigen-Kapitalanlage steckst du dein Geld in Startups, Immobilien, Film- oder Energieprojekte. Werfen diese Projekte Gewinn ab, bekommst du dein Geld mit der vereinbarten Rendite plus Gewinnbeteiligung zurück.

Ist Crowdinvesting eine sichere Geldanlage?

Brennende Geldscheine
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Renate Daum, Redakteurin bei Finanztest, sagt dazu ganz klar: "Nein! Sie sollten da wirklich nur Geld investieren, dessen kompletten Verlust Sie verschmerzen können." Anders als bei staatlichen Garantien für viele Spareinlagen, gibt dir bei Crowdfunding keiner auch nur einen Cent zurück, wenn das Projekt scheitert. Es ist also in jedem Fall eine Risikoanlage bei der dich niemand vor Verlust schützt. Selbst wenn sich schon während der Laufzeit Probleme abzeichnen, kann die Investition in der Regel nicht vorzeitig beendet werden. "Rechnen Sie lieber damit, dass Sie das Geld für die gesamte Laufzeit nicht sehen", so Renate Daum.

Projekte und ihre größten Risiken

Startups
Startups füllen finanzielle Löcher nur zu gerne mit Crowdfunding. "Aber gerade die jungen Unternehmen haben trotz innovativer Ideen oft nicht genug Ahnung vom Markt. Sie werden von Nachahmern verdrängt oder ihre Idee setzt sich nicht schnell genug durch", warnt Renate Daum von Finanztest. Durch eine komplizierte Berechnung wird der Wert solcher Unternehmen zu Beginn und am Ende der Investitionslaufzeit ermittelt. Davon ist auch deine Gewinnbeteiligung abhängig. Auf diese Berechnung hast du als Anleger keinen Einfluss. Es kann dabei trotz positiver Geschäftslage passieren, dass durch eine schlechte Bewertung des Unternehmens deine Gewinnbeteiligung den Bach runter geht. Bestes Beispiel für ein missglücktes Startup ist ein 360-Grad-Kameraball. Drei Millionen Euro sammelte das Gründerunternehmen für die Entwicklung dieses weltweit beachteten Produktes. Die Firma ging pleite, eine andere Firma kaufte die Idee plus Produkt aus der Insolvenzmasse. Das Geld der Crowdfunder ist futsch.

Immobilien
Immobilien sind in Bauboom-Zeiten ein vermeintlich sicheres Anlagegeschäft. Allerdings werden diese Großprojekte auch von vielen Faktoren beeinflusst. "Wenn der Immobilienmarkt während Ihrer Investitionsphase auch nur ein Stück nachgibt, kann das für Ihr Projekt bedeuten, dass die erwarteten Verkaufs- oder Mieteinnahmen nicht zustande kommen. Auch da können Sie am Ende Geld verlieren." Aktuelles Beispiel ist die angemeldete Insolvenz der Berliner Apartmentanlage Luvebelle. Ein Rätsel für unsere Expertin: "Gerade dieses Projekt sah sehr solide und überhaupt nicht spekulativ aus. Es gab einen Käufer und nur minimale Bauverzögerungen. Die gesamte Finanzierung wirkte sehr solide. Hier war überhaupt nicht vorauszusehen, dass dieses Projekt scheitert."

Erneuerbare Energien
Für unsere Expertin von Finanztest ist dies noch die sicherste Form, sich per Crowdinvesting an einem Projekt zu beteiligen: "Die meisten der Projekte laufen schon und erzeugen Strom. Über das Crowdfunding versorgen sich die Betreiber trotzdem oft mit frischem Geld für neue Projekte. Sie als Anleger werden aber in der Regel an bestehenden Anlagen und den Zulagen für erneuerbare Energien beteiligt." Trotzdem bleibt auch hier das Risiko, dass der Betreiber in eine geschäftliche Schieflage geraten ist, kein Geld mehr von der Bank bekommt und über Crowdfunding Lücken schließen muss.

 Fazit

Mit Crowdfunding unterstützt du kleine und große Projekte mit der Aussicht auf eine ordentliche Rendite. Vier bis sechs Prozent Zinsen und mehr sind drin. Gleichzeitig sind die Investitionen hochspekulativ. Floppt das Projekt kann dein komplettes Geld futsch sein. Schau dir darum dein Wunschprojekt vorher genau an. Sammle vor einer Investition so viele Daten und Informationen wie möglich. Je höher die Renditeversprechen, desto größer ist dein Risiko. "Noch ist diese Form des Investments zu jung, um das abschließend zu beurteilen. Wir raten aber dazu, nur das Geld zu investieren, das Sie zum 'Zocken' übrig haben", rät die Expertin von Finanztest.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 16. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2017, 02:10 Uhr

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