Quicktipp: Zahnersatz und Co. Wie sinnvoll ist ein Bonusheft beim Zahnarzt?

Eine blaue Zahnbürste mit blauer Zahncreme liegt neben einem Bonusheft.
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MDR JUMP Mi 22.11.2017 02:10Uhr 01:40 min

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Zahnarztbesuche sind für die meisten Menschen nicht nur unangenehm, sie können auch wirklich teuer werden. Denn Zahnersatz und Co. sind teuer! Allein ein Implantat kostet beispielsweise 1500 bis 2000 Euro. Doch wird es durch das Bonusheft wirklich günstiger?

So funktioniert das Bonusheft

Mit einem gut geführten Bonusheft gibt es Zuschüsse beim Zahnersatz. Dazu gehören beispielsweise Brücken, Implantate, Kronen oder Prothesen. Wie viel Geld man dann tatsächlich spart, hängt vom jeweiligen Krankheitsbild ab. „Für jedes Krankheitsbild gibt es auch ohne Bonusheft einen bestimmten Festzuschuss von der Krankenkasse. Mit einem gut geführten Bonusheft kann der Zuschuss noch höher ausfallen“, erklärt Dr. Thomas Breyer, Zahnarzt aus Meißen. Wird der jährliche Besuch beim Zahnarzt über einen Zeitraum von fünf Jahren lückenlos nachgewiesen, erhöht sich der Festzuschuss um 20 Prozent. Können jährliche Kontrolluntersuchungen sogar über einen Zeitraum von 10 Jahren nachgewiesen werden, erhöht sich der Zuschuss der Krankenkasse um 30 Prozent. Allerdings bezieht sich dieser eben „nur“ auf die Kosten für Regelversorgung – unabhängig davon, was für den Zahnersatz tatsächlich zu zahlen ist. Wer sich nämlich für eine kostenintensivere Therapie entscheidet, muss die Differenz zwischen Regelversorgung (und dem dazugehörigen Zuschuss bei einem gefüllten Bonusheft) und eigener Therapie selbst zahlen: „Egal ob ich mich für eine Krone aus Nicht-Edelmetall, aus Edelmetall oder aus Edelmetall mit keramischer Verblendung entscheide – der Festzuschuss ist immer der gleiche“, so Dr. Thomas Breyer.

Übrigens: Bedürftige bekommen einen höheren Zuschuss von der Krankenkasse und müssen für einen einfachen Zahnersatz in der Regel nichts zahlen!

Mit dem Heil- und Kostenplan zur Krankenkasse und Zuschuss erfragen

Geldscheine und eine goldene Zahnkrone liegen auf einem Heil-und Kostenplan
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Bevor mit einer Zahnersatz-Behandlung begonnen wird, gibt es einen Heil- und Kostenplan vom Zahnarzt. Mit dem müssen die Patienten zur Krankenkasse gehen und diese trägt den Festzuschuss ein. Darin wird der Rabatt bei einem komplett gefüllten Bonusheft von zusätzlichen 20 bzw. 30 Prozent mit vermerkt. Vom Zahnarzt erhält man dann eine Rechnung über den Betrag, der nicht von der Krankenkasse übernommen wurde.

Was tun, wenn der Stempel fehlt?

Den Bonus erhält man nur, wenn man fünf bzw. zehn Jahre mindestens einmal im Jahr beim Zahnarzt war. Wer nur ein Jahr nicht beim Zahnarzt war, kann auf die Vorteile des Bonusheftes nicht zurückgreifen. Dann muss von vorne angefangen und fünf Jahre lang warten werden, bis man wieder Anspruch auf die Bonus-Zuschüsse hat. Währenddessen müssen die Zahnarzttermine natürlich eingehalten werden.

Wenn das eigene Bonusheft verlorengegangen ist, kann der Zahnarzt ein neues ausstellen, da er anhand der Patientenakte nachvollziehen kann, wann wer bei ihm zur Untersuchung war. Steht ein Zahnarztwechsel an, verliert das Bonusheft nicht seine Gültigkeit. Der neue Zahnarzt kann die notwendigen Einträge einfach fortsetzen.

Kinder müssen zwei Mal im Jahr gehen

Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren bekommen nicht pro Jahr, sondern einmal im Halbjahr einen Stempel in ihr Bonusheft, wenn der Zahnarzt eine sogenannte „Individualprophylaxe“ durchführt. Dies umfasst neben der Kontrolle unterschiedliche Leistungen, beispielsweise Entfernung von hartem Zahnbelag oder auch eine Zahnschmelzhärtung.

Dr. Thomas Breyer weist darauf hin, dass auch bei Kindern en Zahnersatz wie bei Erwachsenen zum Teil selbst bezahlt werden muss. Wer ab dem 12. Lebensjahr zwei Stempel im Bonusheft nachweisen könne, bekomme aber auch ohne eine Wartezeit einen zusätzlichen Rabatt. Mit dem 18. Lebensjahr hat man dann auch automatisch 10 Stempel und bekommt auch als Erwachsener sofort die zusätzlichen 30 Prozent falls ein Zahnersatz erforderlich ist.

Fazit

Es gibt zwei Gründe, warum einem das Bonusheft nicht egal sein sollte:

Ein Zahnarzt behandelt mit einer Zahnarzthelferin eine Frau.
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  • Patienten werden animiert, mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt zu gehen. Bei regelmäßiger Kontrolle lassen sich größere Behandlungen unter Umständen vermeiden, denn Schäden am Zahn können im Anfangsstadium behandelt werden.
  • Andererseits hilft das Bonusheft beim Geldsparen. Denn wer fünf oder gar zehn Jahre regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung geht und sich das entsprechend mit Stempel im Bonusheft bestätigen lässt, der bekommt von der gesetzlichen Krankenkasse zusätzlich 20 bzw. 30 Prozent zum Festzuschuss zu den Zahnarztkosten.

Das ist zweifelsohne etwas Gutes und auf jeden Fall besser als nichts. Dem gegenüber stehen aber auch:

  • Bezuschusst werden ausschließlich Behandlungen zum Zahnersatz. Andere Leistungen, beispielsweise Zahnreinigungen oder Füllungen, gehören nicht dazu.
  • Kein Bonus bringt so viel Geld ein, dass der Zahnersatz damit vollständig bezahlt werden könnte.
  • Das dritte, kostenintensive Problem ist, dass die Krankenkassen zum Vergleich immerdie Regelversorgung heranziehen.Wer also von der Regelversorgung abweicht und beispielsweise hochwertigere Materialen wünscht, der bekommt nur den festen Zuschuss, den die Krankenkasse für die Regelversorgung bezuschussen würde – und auch nur auf diesen Betrag gewährt sie zusätzlich 20 bzw. 30 zusätzliche Prozent. Den Rest muss man selbst zahlen. Dagegen wiederum hilft nur eine Zahnzusatzversicherung.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 22. November 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2017, 02:10 Uhr