Quicktipp: Online-Shopping Bestellen in China-Shops

Fidget Spinner
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MDR JUMP Fr 15.09.2017 02:10Uhr 01:59 min

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Da bekommen selbst abgebrühte Schnäppchenjäger noch große Augen: Ein Top-Smartphone für knapp 100 Euro, tolle Go-Pro-Gadgets für weniger als drei Euro und der Fidget-Spinner für ein paar Cent? Alles scheint möglich in China-Shops. Geiz ist geil in einer neuen Dimension? Oder einfach nur Billiges bunt verpackt? Wir haben zusammengefasst, was du beim Web-Shopping in Fern-Ost beachten musst.

Sie heißen Gearbest, Aliexpress oder auch Tynideal: Internetshops aus Fernost. Zu kaufen bekommst du hier vor allem Elektro-Artikel wie Smartphones und Tablets, aber auch Unmengen an Spielzeug, Bekleidung und viele kleine Dinge, die das Leben erleichtern sollen. Niedrige Preise, ein Riesen-Angebot, damit locken chinesische Händler. Neben Eigenmarken von durchaus annehmbarer Qualität findest du in den Shops auch Produkte aller namhaften Hersteller - oder zumindest Dinge, die so aussehen. Aber Vorsicht: Plagiate, Klone und Nachbauten mögen für den chinesischen Markt kein Problem sein. Für den deutschen Zoll und für dich als Kunde sind sie es schon.

Darum machen die Chinesen das

Die Globalisierung geht ihre Wege in alle Richtungen. Europäische Autobauer drängen nach Fern-Ost, chinesische Online-Händler haben in Europa einen neuen Markt entdeckt. „Die drängen wirklich mit aller Macht nach zu uns. Sie wissen aber noch nicht genau, wie Sie die Kunden hier kriegen. Aus unserer Sicht versuchen Sie es deshalb ganz einfach über Preis und Rabatte“, vermutet Ulrich Reinbold, Fachredakteur für das Portal Schnäppchenfuchs.

So verdienen die Händler

Tatsächlich sind teils unvorstellbar niedrige Preise für einzelne Produkte drin. So bekommst du den erwähnten Fidget-Spinner schon für ein paar Cent, Handyhalterungen, Hüllen und andere Gadgets fürs Smartphone gibt es bis zu 70 Prozent unter dem Preis, der hierzulande gilt. Das funktioniert aber nur über den Absatz großer Mengen und eine sogenannte Mischkalkulation. Einzelne Produkte werden dabei weit unter Herstellungskosten verkauft. Darüber sollen Kunden gewonnen werden, die auch noch Produkte kaufen, bei denen der Händler einen ordentlichen Gewinn macht, weil er sie sehr billig herstellen kann. Asiatische Handyhersteller wie etwa Xiaomi bieten eigene durchaus gute Handys aus günstiger Produktion an. Wirkliche Innovationen sind also in den China-Shops nicht zu bekommen. Günstige, gute No-Name-Produkte hingegen schon.

Ein bisschen anders

Die meisten Shops funktionieren wie die Plattformen von E-bay, Mediamarkt oder Amazon. Auch der Aufbau der Seiten ist oft verblüffend ähnlich. Die Auswahl ist jedoch größer und unübersichtlicher und nur einige Seiten warten mit einer deutschen Übersetzung auf. „Die Betreiber beschäftigen dazu aber keine Dolmetscher, sondern werfen einfach den Google-Übersetzer an. Das merkt man sofort beim Lesen der Produktbeschreibungen oder Geschäftsbedingungen“, so unser Experte. Mit Englisch kommst du auf den meisten Seiten hingegen ganz gut zurecht. Der größte Händler Aliexpress ist mit 22 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr seinem Vorbild Amazon auch am ähnlichsten: Er fungiert als Marktplatz mit einer zentralen Erfassung, Bezahlung und Versand der Produkte anderer Händler. Das macht die Abwicklung der Einkäufe und eventuelle Reklamationen etwas einfacher. Alle anderen Plattformen sind oft viel kleinere Händler, die eigene Produkte vertreiben. Das bedeutet kompliziertere Abwicklung. Ansprüche bei fehlerhaften Produkten sind da oft nur schwer geltend zu machen. „Der Service kommt allgemein nicht an unsere Vorstellungen und Erfahrungen heran. Da müssen Sie Abstriche machen“, warnt Ulrich Reinbold von Schnäppchenfuchs.

Bestellung-Lieferung-Bezahlung

Im Prinzip läuft alles wie auf europäischen oder amerikanischen Plattformen. Beim Bestellen musst du zum Teil Dollar in Euro umrechnen, manchmal ist ein entsprechender Link vorhanden. Versandkosten sind oft inklusive. Kommen die Produkte aus Honkong und Umgebung, sind sie bis zu vier Wochen unterwegs. Hat der Händler eine europäische Niederlassung, geht’s auch mal in ein bis zwei Tagen. Dann kosten die Produkte allerding ein bisschen mehr. Dafür sparst du dir unter Umständen den Zoll. Bezahlen kannst du mit deiner Kreditkarte, per Sofortüberweisung oder am besten und sichersten mit PayPal.

Vorsicht Bewertungen

Zweifel an den Bewertungen der Läden (meist orientiert am Fünf-Sterne-System von Amazon) oder einzelner Händler sind grundsätzlich angebracht. So richtig aufmerksam solltest du aber werden, wenn Händler durchweg fünf oder gar keine Sterne haben. „Diesen Bewertungen können Sie nicht wirklich vertrauen, Sie gehen dort ein gewisses Risiko ein“, rät unser Experte. 

Achtung Zollgebühren

Bis zu einem Warenwert inklusive Versandkosten von 22 Euro interessiert sich der Zoll nicht für deinen Einkauf. Erst ab einem Wert von mehr als 22 Euro werden 19 Prozent Einfuhr–Umsatzsteuer fällig. Ab einem Wert von 150 Euro zahlst du unter Umständen noch Zoll-Gebühren. Das geschieht allerdings nicht automatisch. Dazu der Pressesprecher des Hauptzollamtes Erfurt, Holger Giersberg: „Wir überprüfen solche Sendungen stichpunktartig. Ansonsten ist es Sache des Bürgers, bei einer Zoll- oder Steuerschuld auf uns zuzukommen. Sie haben hier eine Bringschuld. Verschweigen Sie aber, dass Sie etwas zu verzollen haben, machen Sie sich strafbar.“ Um für europäische Kunden preislich dennoch attraktiv zu bleiben, tricksen China-Shops oft kräftig. „Da werden größere Bestellungen einfach einzeln verschickt oder der Warenwert wird auf dem Paket absichtlich falsch deklariert“, weiß Fachredakteur Ulrich Reinbold. Auch der Kauf von  Produktimitaten ist zollrechtlich ein Problem. Spiel hier besser nicht mit dem Feuer. Wirst du nämlich tatsächlich erwischt, können empfindliche Strafen drohen. Wie du zollrechtlich einwandfrei mit Sendungen aus Fernost umgehst, erfährst du von den Online-Beratern des Zolls.

Reklamation ist schwierig

Per Mail oder über den Online-Kundeservice kannst du defekte oder fehlende Ware reklamieren. Per Telefon wird es schwierig, kaum einer der Agenten spricht Deutsch. Der meiste Schriftverkehr muss in Englisch abgewickelt werden. Grundsätzlich bieten die Händler einen Reklamationsservice an, die Umsetzung ist allerdings oft sehr mangelhaft. Dazu Ulrich Reinbold: „Wir haben das getestet. Es ist schon sehr schwierig bis fast unmöglich, da eine Sache ersetzt zu bekommen. Oftmals gab es auf unsere Reklamation gar keine Reaktion.“ Bei Produktpreisen im einstelligen Eurobereich lohnt sich die Mühe für den Kunden einfach nicht. Werden die Produkte hochwertiger, musst du bei Reklamationen Geduld und Beharrlichkeit mitbringen. Europäisches Recht gilt zudem nicht. Der Kauf bleibt so mit einem gewissen Risiko verbunden.   

Fazit

China-Shops locken mit niedrigen Preisen und einer großen Auswahl. Es gibt durchaus gute und günstige Produkte, gerade wenn du nicht auf Originalmarken bestehst. Kauf und Abwicklung von Reklamationsansprüchen sind mit einigen Hürden verbunden. Außerdem bist du als Kunde verpflichtet, die Zollvorschriften zu beachten und einzuhalten. Probiere die Shops deshalb erstmal mit kleineren Einkäufen aus. Wenn die Sache gut funktioniert und du Erfahrungen gesammelt hast, kannst du dann auch etwa hochpreisiger einkaufen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 15. September 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2017, 02:10 Uhr

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