Quicktipp: Abnehmen So geht es ohne Jojo-Effekt

Wir Deutschen werden immer dicker. Aktuell ist sage und schreibe die Hälfte von uns übergewichtig. Viele versuchen mit Diäten und Friss-die-Hälfte-Kuren schnell abzunehmen. Das klappt oft auch kurzfristig, bis der böse Jojo-Effekt zuschlägt. Was genau ist das, und wie kannst du ihn vermeiden?

Es ist ein Widerspruch in sich: Obwohl wir noch nie Zugriff auf so viele gesunde Lebensmittel hatten, es noch nie so gute und schnell abrufbare Informationen über Ernährung und gesunde Lebensweise gab, legen wir an Kilos zu. Diätempfehlungen gibt es zu Hauf, vor allem ganz, ganz schnell wirkende. Wenn du allerdings tatsächlich versuchst, in zwei Wochen vier Kilo loszuwerden, dann bekommst du die auch ganz schnell wieder drauf. Gegen den Jojo-Effekt hast du in der Regel mit einer Schnell-Diät keine Chance.

Das ist der Jojo-Effekt

Um abzunehmen, musst du deinem Körper weniger Energie zuführen, als er verbraucht. Das entstandene Defizit gleicht er dann mit den Fettreserven aus, die er vorher angelegt hat. Gibt es also mehr Energie, als du verbrauchst, kommen mehr Kilos drauf. Erfolgen diese Wechsel von viel und wenig Nahrung zu radikal, schlägt der Jojo-Effekt zu.

JoJo-Effekt - JoJo baumelt vor Rücken
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Das Gemeine daran ist, dass die Kilos viel schneller drauf kommen, als sie vorher runter kamen. Ernährungsexperte Johannes Hunger aus Leipzig erklärt, warum: „Wenn Sie Ihre Energiezufuhr von jetzt auf dann radikal reduzieren und womöglich auch noch spontan mit zu viel Sport anfangen, schaltet der Körper in einen Notmodus. Er fährt den Stoffwechsel soweit wie möglich runter. Beginnen Sie dann wieder normal zu essen, weiß der Köper nicht, wie lange dieser Zustand anhält und bleibt erstmal im Sparmodus.“ Das bedeutet, dein Körper versucht jetzt soviel wie möglich Reserven anzulegen. Es könnte ja bald die nächste Notsituation kommen. Quälst du dich also immer wieder mal mit kurzfristigen Diäten, um schnell abzunehmen, dann ist es nur logisch, dass du hinterher umso schneller wieder zulegst.

Gewichtsschwankungen eine Frage der Gene?

Ob du schnell viel an Gewicht zulegst, also ein guter oder schlechter Futterverwerter bist, ist nur zum Teil eine Frage der Erbanlagen. „Sie werden nicht als potenziell dicker Mensch geboren“, so Johannes Hunger. Vielmehr spielt die Entwicklung deines Stoffwechsels und des Hormonhaushaltes in jungen Jahren eine Rolle. Und auch der JoJo-Effekt ist nicht zwangsläufig erblich bedingt. Er schlägt jedoch mit zunehmendem Alter immer stärker zu. Das liegt daran, dass der Stoffwechsel nach einer Diät dann noch langsamer wieder auf normale Ernährung und normalen Energieverbrauch umschalten kann. Frauen trifft der JoJo-Effekt öfter und schneller. Bei ihnen sind der Stoffwechselsparmodus und die Anlage von Fettreserven stärker ausgeprägt als beim Mann.

Der Ausweg aus der Jojo-Falle

Ein Erwachsener hat einen durchschnittlichen Verbrauch von ca. 2.000 kcal pro Tag, ohne Sport zu treiben. Maximal 500 davon solltest du bei einer Diät einsparen. Fängst du langsam damit an, schaltet dein Körper auch nicht sofort auf Notprogramm. Beginnst du nun zusätzlich langsam und entspannt Sport zu treiben, baust du Muskeln auf. Das sind die besten Fettverbrenner unseres Körpers. Vermeide unbedingt zu hungern, das baut Muskeln ab.

eine Personenwaage
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Lege deine Diät oder besser Abnehmbemühungen langfristig an, stecke dir kleine Ziele. Gönne dir zwischendurch auch immer mal etwas Leckeres zu essen. Das schützt vor Heißhungerattacken. Kontrolliere dein Gewicht regelmäßig. Vermeide Gedanken wie „Ab morgen esse ich die Hälfte und treibe viel Sport.“ Das klappt meist nicht.

Ausdauer gefragt

Gewichtsabnahme und gesunde Ernährung sollten langfristig angelegt sein. Ernährungsexperte Johannes Hunger warnt: „Nach zwei bis drei Jahren mit Normalgewicht sind Sie noch nicht über den Berg. Da müssen Sie immer noch Maß halten, sich bewusst ernähren, Sport treiben. Lassen Sie jetzt schon nach, sind die alten Kilos schnell wieder drauf.“ Bis zu sieben Jahre soll es dauern, ehe sich körperliche Zustände und Prozesse komplett gewandelt haben. Einfach ausgedrückt: Nach sieben Jahren weiß dein Körper nicht mehr, dass er einmal dick war. Doch Vorsicht, auch schlanke Menschen können bei schlechter Lebensweise schnell dick werden.

Schütze deine Kinder

Hauptsächlich in den ersten vier Lebensjahren wird das grundsätzliche Stoffwechselverhalten des Menschen programmiert. Spätestens mit sieben Jahren ist dieser Vorgang beendet. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, dass ihr als Eltern auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung und reichlich Bewegung für euer Kind sorgt. Gerade für unerfahrene Eltern sind die Vorsorgeuntersuchungen und entsprechende Gewichts- und Entwicklungstabellen für Säuglinge und Kleinkinder hilfreich. Bei einem moppeligen Kind von fünf oder sechs Jahren auf Babyspeck und einen gesunden Appetit zu verweisen, ist für die weitere Entwicklung des Kindes fahrlässig. „Wenn die Bauchspeicheldrüse in diesem Alter schon zwölf Stunden am Tag auf Hochtouren läuft, weil ständig süße Getränke, Eis oder Schokolade verarbeitet werden müssen, dann ist die Schädigung später fast eine logische Folge“, warnt unser Experte. Dass unsere Kinder immer dicker werden, immer mehr von ihnen unter Diabetes Typ 2 leiden und einen gestörten Hormonhaushalt haben, sind indes keine Warnungen mehr sondern schon traurige Realität. Ein dickes Kind leidet unter Umständen ein Leben lang unter den Folgen des frühen Übergewichts.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 23. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2017, 02:10 Uhr