Ein Mädchen mit einer Puppe
Bildrechte: Getty Images

Spionagespielzeug Bundesnetzagentur verbietet umstrittene Schnüffelpuppe

Die Puppe "My Friend Cayla" sieht eigentlich ganz unschuldig aus. Die Bundesnetzagentur hält ihr Innenleben allerdings für hochbrisant und hat sich deswegen dazu entschlossen, die Puppe zu verbieten.

Ein Mädchen mit einer Puppe
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Cayla kann sprechen und ist ziemlich schlau. Wenn Kinder ihrer Puppe eine Frage stellen, dann findet sie die Antwort raus. Dazu braucht es eine App und eine Bluetoothverbindung. Und genau das ist das Problem: In der smarten Puppe versteckt sich eine nicht erlaubte Sendeanlage.

Die Wanze im Kinderzimmer

Herausgefunden hat das Stefan Hessel, ein Jura-Student aus dem Saarland.

Jedes bluetoothfähige Gerät in Reichweite von etwa zehn Metern kann eine Verbindung zu ihr aufbauen und Lautsprecher und Mikrofon nutzen. In einem Versuch hatte ich auch über mehrere Wände hindurch auf die Puppe Zugriff. Es fehlt an eingebauten Sicherungen

erklärt Stefan Hessel der Seite netzpolitik.org. In seinem Gutachten kommt er zu dem Ergebnis:

Bei "My friend Cayla" handelt es sich um eine getarnte Sendeanlage, die auch zum heimlichen Abhören von Gesprächen geeignet ist

Das Gutachten hat er auch der Bundesnetzagentur vorgelegt. Und die teilt seine Meinung. Die Puppe erfülle alle Kriterien eines verbotenen Spionagegeräts.

Deswegen muss der Hersteller die Puppe vom Markt nehmen. Betroffene Eltern, die Cayla zuhause stehen haben, müssen die Puppe sogar vernichten. Andernfalls drohen bis zu zwei Jahre Haft. Allerdings plant die Behörde nicht, gegen Eltern vorzugehen. Sie bittet lediglich darum, einen "Vernichtungsnachweis" auszufüllen, der auf ihrer Webseite heruntergeladen werden kann.

Deutschlandvertrieb der Puppe, "Vivid", war für eine Stellungnahme am Freitag nicht zu erreichen. Die Firma hat aber eine Hotline für Kunden eingerichtet: 06152 - 71 242 - 28

Bedenken von Verbraucherschützern

Cayla galt schon seit längerem als umstritten. Zwar hat die Puppe 2014 eine Auszeichnung als Spielzeug des Jahres bekommen, Verbraucherschützer warnen schon seit längerem davor, dass die schlecht gesicherte Verbindung zu Datenlecks führen könnte. Außerdem mockierten sie verdecktes Marketing in den Antworten der Puppe und die Nutzungsbedingungen, die nach europäischem Recht nicht legal seien.

Auch der Bundesnetzagentur sind solche Spielzeuge ein Dorn im Auge. Einige könnten das selbe Gesetz, wie Cayla, brechen. Deswegen will die Bundesnetzagentur noch mehr interaktives Spielzeug unter die Lupe nehmen.

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2017, 13:05 Uhr