Ein Polizist trägt eine Kamera mit zugewandtem Display vor der Brust.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bodycams Mehr Sicherheit durch Überwachung?

Das Thema Videoüberwachung sorgt regelmäßig für Diskussionen. Sind sie ein weiterer Schritt Richtung totale Überwachung oder bieten sie Sicherheit für Polizeibeamte im Einsatz? In Bayern sind sie schon seit letztem Jahr im Einsatz, Sachsen-Anhalt hat im September ein entsprechendes Projekt gestartet. Polizisten in Dresden und Leipzig sollen ab November mit den Minikameras ausgestattet sein.

Ein Polizist trägt eine Kamera mit zugewandtem Display vor der Brust.
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Wie Bodycams funktionieren

Die Bodycams, die derzeit getestet werden, sind entweder auf der Brust der Uniform angebracht oder auf der Schulter. Sie sind wettertauglich und zeichnen bis zu acht Stunden in HD-Qualität auf. Bei beiden Varianten ist ein Display oder ein Bildschirm angebracht, damit der Aufgezeichnete sieht, was die Kamera mitschneidet. Auf Knopfdruck des Beamten wird die Aufnahme dann gestartet, allerdings ohne Ton.

Was sie aufzeichnen

Bodycams dürfen in Sachsen aber nicht die ganze Zeit laufen. Das sogenannte Pre-Recording und Live-Aufzeichnungen sind nicht erlaubt.

Für uns ist letztendlich wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen beweissicher Aufnahmen anfertigen können. Wir wollen keine Kontrolle, sondern wir wollen die Situationen, in denen sich Bürgerinnen und Bürger gewalttätig zeigen, dass die aufgenommen wird und zwar nachdem der Bürger darauf hingewiesen worden ist.

Oliver Malchow, Gewerkschaft der Polizei

Die Polizei selber ist auch gegen den flächendeckenden Einsatz von Videoüberwachung. Deshalb zeichnen die Bodycams auch nicht immer auf. Würden sie das tun, könnten auch die Beamten selbst überwacht werden. Das ist aber gesetzlich verboten.

Beim Pre-Recording werden in einer Endlosschleife 30 Sekunden aufgezeichnet. Drückt der Beamte auf den Aufnahme-Knopf, sind auch die 30 Sekunden vor Drücken des Knopfs mit aufgezeichnet.

Wen sie schützen

Bodycams schützen vor allem die Beamten, sagt Oliver Malchow von der Gewerkschaft der Polizei:

Nach unseren Erfahrungen ist es tatsächlich so, dass denjenigen, denen mitgeteilt wird, dass die Kamera jetzt angeschaltet wird, dass die sich auch in ihrer Aggression zurücknehmen und damit wird auch die Gewalt gegen die Kolleginnen und Kollegen verändert.

Oliver Malchow, Gewerkschaft der Polizei

Dabei hat sich die Gewalt aber nicht nur verschoben. Die Delikte gegen Polizeibeamte seien tatsächlich zurückgegangen. Das zeigen auch die Projekte aus anderen Bundesländern.

Auch die Deutsche Bahn testet seit 2016 den Einsatz von Bodycams bei der DB Sicherheit. Die Mitarbeiter würden seitdem spürbar weniger angegriffen oder angepöbelt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 01. November 2017 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2017, 17:51 Uhr

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