Eltern sitzen mit 2 erwachsenen Kinder beim Frühstück mit Laptop
Bildrechte: Colourbox.de

Hotel Mama Die meisten Nesthocker gibt's in Thüringen

Die Miete ist bezahlbar, eingerichtet ist auch schon alles und mit etwas Glück putzt und kocht die Mutti: So schön lebt es sich im Hotel Mama. Studien belegen, dass immer mehr junge Erwachsene noch zuhause bei den Eltern wohnen, besonders gerne in Thüringen.

Eltern sitzen mit 2 erwachsenen Kinder beim Frühstück mit Laptop
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Die Zahl der Deutschen, die mit Mitte 20 noch zu Hause wohnen, hat sich seit 1972 verdoppelt, heißt es aus dem Statistischen Bundesamt. Vor allem die Thüringer bleiben gerne bei Mutter und Vater wohnen, die meisten im Landkreis Hildburghausen. Das wundert den Soziologen Tim Leibert vom Leibniz Institut nicht:

Man kann im Prinzip sagen: je kleiner die Gemeinde ist, desto höher ist der Nesthocker-Anteil.

Soziologe Tim Leibert

Das liegt zum einen daran, dass diejenigen, die ausziehen, eher in die Städte ziehen und so die Statistik beeinflussen. Auf der anderen Seite haben Familien in ländlicheren Gegenden öfter ein eigenes Haus. Wer im Eigenheim aufwächst, bleibt dort oft auch länger wohnen, weil die Lebensbedingungen dort besser sind.

Neben dem Platz, den das Eigenheim der Eltern bietet, sind auch die Eltern selbst ein Grund fürs zuhause Wohnenbleiben: Sie bieten den Kindern ein Sicherheitsnetz.

Da gibts viele junge Leute, die auch schon mal eine Zeit lang alleine, in einer WG oder mit dem Partner gelebt haben und die dann an Wendepunkten des Lebens wieder zurück ins Elternhaus ziehen.

Soziologe Tim Leibert

Und es ist natürlich einfach günstig, bei den Eltern zu wohnen: Die Miete ist bezahlt, der Kühlschrank immer voll und die Wäsche macht Mutti auch weiterhin. Das klingt allerdings negativer als es ist. Viele Nesthocker zahlen auch zuhause Miete oder Haushaltsgeld und beteiligen sich an den Aufgaben. So sind sie für die Eltern keine Belastung. Ü20 noch im Kinderzimmer zu leben, kann also für beide Seiten ein sinnvolles Arrangement sein.

Dass die Eltern sogar verhindern wollen, dass ihr Nachwuchs auszieht, hält Tim Leibert für die Ausnahme:

Dass die Eltern sich aktiv ins Leben der Kinder einmischen und versuchen, sie dazu zu bewegen, möglichst lange im Elternhaus zu bleiben, das sind eigentlich eher Ausnahmefälle, weil das ja schon relativ manipulative Strategien sind.

Soziologe Tim Leibert

Vielmehr verstehen sich die Eltern sehr gut mit ihren Kindern, die genießen viele Freiheiten und da fällt die Entscheidung, zusammen wohnen zu bleiben, leichter.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 25. Oktober 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017, 11:57 Uhr

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