Frau hält Buch mit einer Auswahl an Namen
Bildrechte: Colourbox.de

Namensforschung Namen machen Leute

Lange waren englische Namen wie Kevin oder Mandy der Renner bei den Neugeborenen, heute werden alte Namen wie Emil oder Ida immer beliebter. Und Namen sollen auch etwas über den Charakter des Trägers aussagen. Nimmt unser Name also auch Einfluss auf unser Leben?

Frau hält Buch mit einer Auswahl an Namen
Bildrechte: Colourbox.de

Tatsächlich kann unser Name Einfluss darauf haben, wie sich unser Leben gestaltet, sagt Gabriele Rodríguez, Namensforscherin an der Uni Leipzig. Dabei geht es aber gar nicht darum, wie verständlich ein Name ist. Nora zum Beispiel klingt Cora oder Dora sehr ähnlich. Wir verbinden Eigenschaften mit einem Vornamen, oft auch unbewusst.

Finn ist lustig, Katharina ist erfolgreich, Emilia ist gut aussehend, Jan ist sportlich, und Kevin ist dumm. Namen wecken automatisch Assoziationen in uns, die wir mit einem Attribut verknüpfen. Das geht sogar so weit, dass Lehrer Kevin und Justin nicht nur weniger zutrauen als Alexander oder Maximilian, sie benoten sie mitunter auch schlechter.

Gabriele Rodríguez

Das trifft natürlich nicht immer zu! Ein Name kann es uns aber schwerer machen, wenn wir beispielsweise einen Job bekommen wollen, oder einen guten Eindruck machen wollen. Hat unser Gegenüber da schon ein negatives Gefühl wegen unseres Vornamens, haben wir es mitunter auch schwerer, zu überzeugen.

Und auch wir selber werden von unserem Namen beeinflusst.

Im Prinzip ist es ja so, dass wir uns unseren Namen nicht aussuchen können, aber wir versuchen dem ja gerecht zu werden. Stellen Sie sich vor, es gibt kleine Napoleons, die werden sich wahrscheinlich nicht nur mit der Geschichte auseinandersetzen, sondern auch versuchen, so zu werden.

Gabriele Rodríguez

Wonach suche ich den Namen meines Kindes aus?

Der Namengeschmack ändert sich. Deshalb tun Eltern ihren Kindern einen Gefallen, wenn sie sich gezielt überlegen, was sie ihrem Nachwuchs mit dem Namen auf den Weg geben. Schön ist ein Name, der weder positiv noch negativ besetzt ist. Gabriele Rodriguez empfiehlt zeitlose Namen.

Ein Name, der heute als schön empfunden wird, aber auch schon vor hundert Jahren gern vergeben wurde, wie zum Beispiel Paul. Und das Interessante ist, Paul ist zuerst in Ostdeutschland aufgekommen, er ist quasi ein Ost-Export.

Gabriele Rodríguez

Katharina, Julia und Maria gehören auch zu den zeitlosen Namen. Im Trend sind gerade auch kürzere Namen. Bei Jungen vor allem ein- und zweisilbige Namen. Die, die auf „o“ enden, gelten in der Regel als männlich.

Der Klang ist gerade für die Deutschen entscheidend bei der Auswahl. Die Bedeutung und Herkunft eines Namens ist oft eher weniger interessant.

Kann ich meinen Namen ändern lassen?

Eine Frau füllt mit einem Kugelschreiber der Antrag auf Änderung des Familiennamens aus
Bildrechte: MDR JUMP

Das führt auch dazu, dass Kinder mit ihrem Namen unzufrieden sind, wenn sie die Bedeutung dahinter kennen. Die Namensberatungsstelle der Uni Leipzig schätzt, dass rund ein Viertel der Eltern es bereut, wie sie ihre Kinder genannt haben.

Generell besteht die Möglichkeit, einen Namen offiziell zu ändern. Dazu muss die Namensänderung beim Standesamt beantragt werden. Allerdings sind die Hürden dabei sehr hoch:

Nur ist es so, dass höchstens 20 Prozent aller Änderungsanträge positiv durchgehen. Also man muss dann schon eine richtige Begründung haben, vielleicht sogar ein psychologisches Gutachten vorlegen, das besagt, dass man unter dem Namen leidet oder Nachteile hat.

Gabriele Rodríguez

Dass einem der Name nicht gefällt, reicht meistens nicht aus. Einen Spitznamen für Familie, Freunde und Kollegen kann sich aber jeder aussuchen, unabhängig von dem, der auf dem Ausweis steht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 01. November 2017 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2017, 16:14 Uhr

Aktuell auf jumpradio.de