Mythos Entschlacken Was bringt Fasten?

Die Fastenzeit beginnt! Was heute hipp ist oder zumindest nach der Rückkehr zu einer gesunden Lebensweise klingt, spielt seit über 2.500 Jahren in fast allen Religionen eine bedeutende Rolle. Mit dem Verzicht auf bestimmte Speisen und Getränke, bereiten sich im Christentum Gläubige auf religiöse Feste wie Ostern und Weihnachten vor. Der Verzicht auf Genuss dient dabei der inneren Einkehr, der Reinigung von Körper und Geist und ist außerdem eine Geste der Demut gegenüber der Gott. Soweit zum Glauben. Welche Rolle aber kann Fasten im alltäglichen Leben spielen. Ist es gesund und wie sollte man es durchführen? Fragen, die wir gemeinsam mit Ernährungsberaterin Nicole Lins beantworten.

Mann mit dickem Bauch und fast Food in der Hand
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Umschau-Quicktipp Mythos Fasten

Mythos Fasten

MDR JUMP Mi 10.02.2016 02:10Uhr 02:00 min

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Was ist Fasten?

Wer fastet, der verzichtet für einen gewissen Zeitraum teilweise oder völlig auf Speisen, Getränke oder Genussmittel. Ernährungsberaterin Nicole Lins erläutert die verschiedenen Formen: "Das kann das klassische Heilfasten sein, bei dem man nur Wasser oder Tee zu sich nimmt. Daneben gibt es eine Reihe andere Fastenarten, wie Molkefasten, Obstfasten oder auch aktuell ganz verbreitet: das Basenfasten." Im Wesentlichen bringt der zeitweilige Verzicht auf bestimmte Lebensmittel eine Entlastung der Entgiftungssysteme des Körpers. Niere, Leber und Darm können Giftstoffe ausscheiden ohne permanent neu belastet zu werden. Die Zellen bringen ihren Säure-Base-Haushalt in einen optimalen Zustand. Das Ergebnis ist ein besser funktionierendes Gesamtsystem von Kreislauf, Nahrungsaufnahme und Verdauung.

Was bringt Fasten?

Befürworter und Naturheilkundler schwören auf den reinigenden Effekt des Fastens. Der Körper soll dabei entschlackt, entgiftet und entsäuert werden. Kritiker halten das für übertrieben. Unsere Expertin relativiert: "Im praktischen Sinne bilden sich im Körper keine Schlacken, die sich dort über Jahrzehnte anlagern. Irgendwann müsste man ja dann ohne Fastenkur einfach platzen oder an einer Vergiftung sterben." Richtig ist aber, dass der Körper durch Niere und Leber permanent Abfallprodukte des Stoffwechsels und somit auch Giftstoffe abbaut und ausscheidet. Beim Fasten wird dieser Effekt nur verstärkt. Und da viele Krankheiten von einem gestörten Stoffwechsel ausgelöst werden, kann Fasten tatsächlich helfen, diese Krankheiten zu bekämpfen bzw. zu mildern. Dazu gehören unter anderem:

  • das metabolische Syndrom, also Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette
  • chronische Entzündungen
  • chronische Schmerzen
  • Herz Kreislauf-Erkrankungen

Auf der anderen Seite hat Fasten für unsere Expertin auch einen seelischen Nutzen: "Es ist einfach diese Freude, darüber, dass man es schafft, auf etwas zu verzichten, und seinem Körper etwas Gutes tut. Fasten hat ja auch was mit Ruhe und Einkehr zu tun. Man kommt so auf die einfachen ursprünglichen Gedanken und Bedürfnisse zurück."

Wie läuft eine Fastenkur ab?

Ein Grundprinzip des Fastens ist der Verzicht auf Nahrung. Das bedeutet für den Körper eine große Umstellung. Deshalb sollte man auch nicht von heute auf morgen mit dem Verzicht beginnen, sondern ein bis zwei Vorbereitungstage einplanen. "Hier verzichtest du schon mal auf Nikotin, Alkohol, Koffein und vor allem Zucker. Dein Körper gewöhnt sich langsam an den Entzug von Nahrung", weiß unsere Ernährungsberaterin. Die eigentliche Fastenkur dauert dann meist ein bis zwei Wochen. Am besten lässt du dich sich vor der Kur von deinem Arzt untersuchen. Er sagt dir, ob du überhaupt fit fürs Fasten bist. Wer länger als zwei Wochen fasten will, sollte zwischendurch unbedingt seine Blutwerte kontrollieren lassen. Treten Mangelerscheinungen auf, muss das Fasten abgebrochen werden. Wer erfolgreich zu Ende kurt, der steigt mit ein bis zwei Eingewöhnungstagen wieder in die normale Ernährung ein.

Fasten zum Abnehmen?

Fasten
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Diese Frage beantwortet Nicole Lins ganz klar: "Nein. Man nimmt zwar beim Fasten durchaus ab. Wer das aber übertreibt, erlebt im Nachhinein den berühmten Jojo-Effekt. Der Sinn sollte da eher in einer grundsätzlichen Änderung der Ernährung nach dem Fasten bestehen."

Im Alltag Fasten?

Wer in der Woche mal einen Fastentag einführt, an dem er nur Obst und Gemüse zu sich nimmt, der kann damit durchaus positive Effekte auf Gewicht und Wohlbefinden erzielen. So kann man auch zu Hause fasten. Die richtige Fastenkur sollte nach Meinung von Ernährungsberaterin Nicole Lins aber in der Freizeit durchgeführt werden: "Ich bin hier ganz klar für Urlaub oder eine richtig Kur. Beim Fasten kommt es durch den heftigen Kalorienentzug gerade in den ersten Tagen zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Das geht dann alles ganz schnell weg, aber wenn du diese ersten Symptome auf Arbeit unter Stress durchmachen musst, kannst du nicht wirklich gesund fasten."

Eine Frau schenkt sich ein Glas Wasser ein.
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Außerdem kann man im Urlaub auch geistig besser fasten. Man verzichtet auf Handy, Fernseher, Nachrichten. So reduziert man Stress und Ärger, auch das wirkt sich positiv auf den Körper aus. Wer aber gerade jetzt zur Fastenzeit auf einzelne Genussmittel, wie Alkohol oder Süßigkeiten verzichten will, der kann das natürlich auch im Alltag.

Dazu nochmal unsere Expertin: "Das machen gerade jetzt erstaunlich viele Menschen. Und einen Monat ohne Alkohol, das bringt dem Körper zwar jetzt nicht die Riesenentlastung, aber der seelische Effekt ist umso größer. Du hältst durch, du findest andere Sachen, die dir Spaß machen und entspannen."

Wer kann fasten?

Im Prinzip kann jeder fasten, der nicht unter Mangelerscheinungen leidet und auf eine regelmäßige Aufnahme von Nahrungsmitteln angewiesen ist. Für Schwangere, schwer Kranke und kleine Kinder ist Fasten absolut tabu.

Wer fasten möchte, sollte sich vorher von einem Arzt oder Ernährungsexperten beraten lassen. Längere Fastenkuren sollten unter Aufsicht durchgeführt werden, zum Beispiel in einer Fastenklinik. Fasten muss man nicht alleine. Auch im Alltag kannst du zum Beispiel eine Basen-Fasten-Woche in der Gruppe durchführen. Hierbei verzichtest du "nur" auf säurebildende Produkte, wie etwa Kaffee, Zucker oder tierische Lebensmittel. "Das ist eine wirksame, aber nicht so anstrengende Form des Fastens", so unsere Expertin.

Fazit

Fasten kann eine Erholung für Körper und Geist sein. Dabei sollte man sich mit einem Experten überlegen, warum man fasten will, was die richtige Fastenkur ist und wo man fastet.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 10.02.2016 | 9 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2016, 02:10 Uhr

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