Eine Frau hält ein Taschentuch an die Nase eines kleinen Jungen.
Bildrechte: IMAGO

Rechte von Eltern Kind krank - und nun?

Egal ob Sommer oder Winter - gerade kleine Kinder sind häufig krank. Dann müssen Mama oder Papa mit zu Hause bleiben. Doch nicht immer zahlt der Arbeitgeber in diesen Fällen den Lohn weiter.

Eine Frau hält ein Taschentuch an die Nase eines kleinen Jungen.
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Ausschlag, schlimmer Husten oder Fieber - die Klassiker, unter den Kinderkrankheiten. Gerade die Kleinen holen sich schnell mal ein Virus und dürfen dann nicht in Kita oder Schule gehen. In solchen Fällen müssen die Eltern natürlich zu Hause bleiben und das kranke Kind betreuen. Und sie haben auch das Recht dazu! Das ist im Bürgerlichen Gesetzbuch festgehalten: Der Arbeitgeber zahlt weiter Lohn, wenn der Arbeitnehmer sein krankes Kind zu Hause pflegt.

Dieses Recht gilt allerdings nicht unbegrenzt. Das Bundesarbeitsgericht hat in den 1970er-Jahren festgestellt, dass ein Betrieb fünf Tage lang zahlen muss. Außerdem hat das Gesetz einen entscheidenden Haken: Durch Arbeits- oder Tarifverträge kann die Lohnfortzahlung im Falle der Krankheit des Kindes einfach ausgeschlossen werden. Und das handhaben viele Arbeitnehmer so. In dem Fall darf man sich zwar freinehmen, kriegt die Fehltage aber nicht bezahlt. Deshalb ist es wichtig, zu überprüfen, was die Verträge in diesem Fall vorsehen. Bei Auszubildenden ist die Regelung etwas anders: Sie haben bis zu sechs Wochen pro Jahr Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Ausbildungsbetrieb.

Krankenkasse springt mit "Kinderkrankengeld" ein

Zahlt der Arbeitgeber nicht, springt die gesetzliche Krankenkasse finanziell ein. Allerdings müssen dafür einige Bedingungen erfüllt sein:

  • Der Arzt hat attestiert, dass das Kind krank ist und Betreuung benötigt.
  • Das Kind ist nicht älter als zwölf Jahre.
  • Kein anderer, beispielsweise Oma oder Opa, kann auf das Kind aufpassen.
  • Der Arbeitnehmer und das Kind sind beide gesetzlich versichert.

Wie viele Tage darf ich die Krankenbetreuung meines Kindes übernehmen?

Wie viele Tage man sein krankes Kind zu Hause betreuen darf, ist gesetzlich geregelt, weiß Arbeitsrechtler Ingo Vollgraf: "Wenn sowohl die Mutter als auch der Vater berufstätig sind, haben beide Elternteile Anspruch darauf, pro Kalenderjahr jeweils zehn Arbeitstage für die Pflege ihres kranken Kindes freigestellt zu werden. Bei mehreren Kindern gelten die zehn Tage dann pro Jahr und Kind. Insgesamt dürfen es aber nicht mehr als 25 Tage im Kalenderjahr sein." Auch dann nicht, wenn drei, vier oder fünf Kinder im Haushalt leben. Für Alleinerziehende gilt: Sie haben den doppelten Anspruch, also 20 Tagen im Jahr, bei zwei Kindern 40 Tage und ab drei Kindern dürfen Alleinerziehende 50 Tage fehlen.

Anders sieht es aus, wenn ein Kind wirklich ernsthaft krank ist oder nur noch eine begrenzte Lebenserwartung hat, gelten die Fristen nicht.

Wie viel Kinderkrankengeld bekommt man?

Eine Ärztin untersucht den Mundraum eines Mädchens
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Die Höhe des Kinderkrankengelds beträgt rund 90 Prozent des Nettoverdienstes. Damit das Geld auch tatsächlich gezahlt wird, ist es wichtig, bereits am ersten Tag der Erkrankung mit dem Kind zum Arzt zu gehen. Die Krankschreibung muss auch direkt ab dem ersten Tag ausgestellt werden. Um die Berechnung des Kinderkrankengelds vorzunehmen, wird die Krankenkasse verschiedene Formulare anfordern. So muss beispielsweise der Verdienst der Vormonate mitgeteilt werden. Wichtig: Zuständig für die Zahlung des Kinderkrankengelds ist die eigene Krankenkasse, nicht die des Kindes.

Kind-Krank-Tage sind aufgebraucht - und nun?

Es ist möglich, bezahlten Urlaub zu nehmen, sofern die Urlaubstage nicht auch schon aufgebraucht sind und der Arbeitgeber zustimmt. Vielleicht können auch andere Familienmitglieder die Betreuung übernehmen. Sollte das andere Elternteil die Betreuung nicht übernehmen können, gibt es auch die Möglichkeit, dass die Anspruchstage übertragen werden, erklärt Jurist Vollgraf: "Wenn beide Eltern arbeitstätig sind, aber bisher nur die Mutter die Betreuung der kranken Kinder übernommen hat, kann der Anspruch auf Freistellung des Vaters an die Mutter übertragen werden." Dafür müssen aber verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Beide Eltern sind in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert.
  • Der Anspruch des anderen Elternteils ist noch nicht erschöpft.
  • Der Elternteil kann aus beruflichen Gründen nicht die Betreuung des kranken Kindes übernehmen.
  • Die Arbeitgeber und die Krankenkassen der Elternteile stimmen der Freistellung zu.

Die schlechteste Möglichkeit ist, sich selbst krankschreiben zu lassen, denn eine Krankschreibung ohne medizinische Begründung stellt einen rechtlichen Verstoß dar.

Sonderfall: Kind im Krankenhaus

Mädchen liegt im Bett und wird von Mutter gestreichelt.
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Wenn das Kind ins Krankenhaus muss, wird kein Kinderkrankengeld gezahlt. Unter anderem mit der Begründung, dass eine Betreuung durch das Krankenhauspersonal gewährleistet ist. In vielen Fällen ist es jedoch medizinisch angeraten, dass die Kleinen durch ihre Eltern begleitet werden. Ob eine Begleitung tatsächlich medizinisch notwendig ist, entscheidet der Arzt.

Wichtig ist, der Krankenkasse des Kindes ein Attest des Krankenhauses für die Dauer der medizinisch notwendigen Aufnahme und ein Nachweis über den entstandenen Verdienstausfall vorzulegen. Liegen alle notwendigen Bescheinigungen vor, zahlt die Krankenkasse des Kindes den kompletten Nettoverdienstausfall. Dabei ist die Zahlung nicht auf eine zeitliche Dauer begrenzt und wird auch nicht von den gesetzlichen "Kind-Krank-Tagen" abgezogen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Nachmittag | 31.08.2017 | 16:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2017, 10:00 Uhr