Kind mit Geld
Bildrechte: IMAGO

Geld in eurer Gemeinde Hat eure Region einen Schuldenberg?

Eine neue Studie rechnet mit Kreisen und Gemeinden in ganz Deutschland ab. Wie viel Geld nehmen sie ein und wie gut stehen sie da? Auf unserer interaktiven Karte findet ihr es heraus.

Kind mit Geld
Bildrechte: IMAGO

Alle zwei Jahre veröffentlicht die Bertelsmann Stiftung ihren kommunalen Finanzreport. Darin wird die aktuelle Haushaltslage der deutschen Kreise und Gemeinden analysiert. Kredite, Steuereinnahmen, Sozialausgaben und Investitionen spielen eine Rolle. Der neue Bericht wertet Zahlen von 2015 und 2016 aus. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fallen dabei einige Punkte besonders auf:

Kredite

Bewertet werden die sogenannten "Kassenkredite". Diese sind für die Städte sozusagen der Dispo-Kredit und werden genutzt, wenn kurzfristig Geld benötigt wird. Das kann aber einige Probleme mit sich bringen:

Kassenkredite sind ein Risiko. Wenn die Leitzinsen steigen, hat dies kurzfristig Folgen für die Haushalte, die alle Sanierungsbemühungen zunichtemachen.

Kirsten Witte, Kommunalexpertin der Bertelsmann Stiftung

Diese Schulden werden umgerechnet auf die Höhe pro Einwohner. Am schlechtesten in ganz Mitteldeutschland steht bei diesem Wert die Stadt Halle (Saale) da. Hier liegt der Betrag bei 1.383 Euro. Ähnlich schlecht sind die Zahlen in etlichen weiteren Landkreisen in Sachsen-Anhalt. Durchschnittlich lasten auf jedem Einwohner in dem Bundesland 591 Euro solcher Schulden. Viel weniger ist es in Sachsen und Thüringen. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. In dem sonst so gut dastehendem Sachsen fällt der Kreis Nordsachsen mit 316 Euro je Einwohner besonders negativ auf.

Durchschnittliche Kassenkredite je Einwohner
Bundesland Wert
Sachsen 29 Euro
Thüringen 62 Euro
Sachsen-Anhalt 591 Euro

Die Karte zeigt die Daten für jeden Landkreis in Mitteldeutschland. Die farbliche Markierung ist nach der Höhe der aufgenommenen Kredite gewählt. Die Zahlen gelten pro Einwohner.

Steuereinnahmen

Deutschlandweit der Kreis mit den geringsten Steuereinnahmen liegt in Sachsen-Anhalt. In Mansfeld-Südharz betragen die Einnahmen pro Einwohner lediglich 510 Euro im Jahr. Zum Vergleich: An der Spitze in Mitteldeutschland liegt der Saalekreis mit fast dem doppeltem Wert.

Der Saalekreis ist der wirtschaftsstärkste Kreis in Mitteldeutschland. Denn viele Steuereinnahmen deuten vor allem auf eine gute wirtschaftliche Lage hin. Jena nimmt die Spitze in Thüringen ein.

Die Gemeinden in Sachsen sind steuerschwach. Selbst Leipzig kann sich bundesweit nur auf Platz 84 der 103 kreisfreien Städte behaupten.

Steuereinnahmen pro Einwohner im Jahr 2015
Platzierung in Mitteldeutschland Gemeinde/Kreis Betrag
1 Saalekreis 997
2 Börde 934
3 Jena 933
...    
48 Unstrut-Hainich-Kreis 560
49 Hildburghausen 558
50 Mansfeld-Südharz 510

Sachsen-Anhalt steht am Schwächsten da

Da im Jahr 2020 der Solidarpakt ausläuft und somit weniger Geld in die Gemeindekassen in Mitteldeutschland fließt, drohen vielen Kommunen Haushaltsprobleme. Zudem sind die Sozialausgaben generell gestiegen.

  • In Sachsen fällt auf, dass zwar viel Geld da ist und wenige Kredite aufgenommen werden müssen, aber die Steuereinnahmen und somit die wirtschaftliche Lage sind schlecht.
  • In Thüringen ist die Finanzlage allgemein trotz steigender Einnahmen kritisch.
  • In Sachsen-Anhalt wird deutschlandweit am wenigsten investiert, aber die aufgenommenen Kredite sind hoch. Das liegt auch an den geringen Steuereinnahmen. Wirtschaftlich steht das Bundesland demnach nicht gut da.

Insgesamt fällt auf, dass die schwachen Kommunen im Laufe der vergangenen Jahre kaum wachsen konnten.

Das Thema im Programm: MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 09.08.2017 | ab 19:00 Uhr

Aktuelle Themen