Schiedsrichter
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15 Fußballspiele abgesagt Schiedsrichtermangel in Mitteldeutschland

Pflichttermin am Wochenende: Fußball gucken! Entweder im Fernsehen oder doch am Spielfeldrand beim Verein um die Ecke. Doch in Sachsen-Anhalt stehen die Spiele am Wochenende immer mehr auf der Kippe: Erst am vergangenen Wochenende ist ein kompletter Spieltag ausgefallen. Der Grund: Es gibt zu wenige Schiedsrichter.

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Fußball ist das Hobby Nummer eins in Deutschland. Viele gehen nicht nur ins Stadion, sondern stehen auch selbst auf dem Platz. Aber es gibt ein großes Problem - zumindest in Sachsen-Anhalt: In Halle wurden am vergangenen Wochenende 15 Fußballspiele in den beiden Stadtklassen und in der Stadtliga wegen Schiedsrichtermangels abgesagt. Das hat der Stadtfachverband Fußball Halle auf seiner Internetseite bekannt gegeben. Zum ersten Mal in der Fußball-Geschichte des Bundeslandes musste damit ein kompletter Spieltag ausfallen.  

Bepöbelt und attackiert

Dass es mittlerweile so wenige Schiedsrichter gibt, liegt auch daran, dass die Unparteiischen auf den Sportplätzen immer häufiger bepöbelt und attackiert werden. Außerdem sind in letzter Zeit viele Schiedsrichter aus Altersgründen ausgeschieden und der Nachwuchs fehlt.

Laut dem Chef des Schiedsrichterausschusses in Sachsen-Anhalt, Markus Scheibel, ist die Zahl der ehrenamtlichen Schiedsrichter dort im vergangenen Jahr um acht Prozent zurückgegangen. In Sachsen mussten noch keine Spiele wegen Schiedsrichtermangels abgesagt werden. Das sagte der Sprecher des sächsischen Fußballverbandes Lars Albert im Interview mit MDR JUMP. Das Problem sei aber auch hier bekannt. Ähnlich äußerte sich Thüringen. 

"Pfiff des Schiedsrichters muss akzeptiert werden"

Eine Lösung für den Mangel an Unparteiischen muss her. Das Schiedsrichteramt soll wieder attraktiver werden. Einen ersten Versuch in die Richtung wagt am Mittwochabend der Verein Einheit Bernburg. Die Herrenmannschaft spielt in der Salzland-Liga. Dort begleitet ein Ordner den Schiedsrichter auf den Platz und wieder runter. Lothar Kral ist sportlicher Leiter und setzt nun auf Gespräche:

Emotionen gehören zum Fußball. Aber der Pfiff des Schiedsrichters muss akzeptiert werden. Da haben wir uns gedacht: Die Schiedsrichter sollten auch mal so manchen Pfiff und ihre Sichtweise erklären.

Denn oft sei es Unwissenheit, die zu Pöbeleien auf dem Platz führe. Das soll sich nun mit einem kleinen Seminar ändern. Die Schulung in der Regelkunde ist für Trainer, Übungsleiter, Betreuer aber auch Spieler gedacht. An die anwesenden Schiedsrichter können die Vereinsmitglieder am Mittwochabend auch Fragen richten. Trotz Mini-Schulung ist auch für Lothar Kral klar: Alle Beteiligten müssen sich zusammenreißen.

Am Ende müssen alle wissen: Die Schiedsrichter können nicht ohne die Spieler und die Spieler schon gar nicht ohne die Schiedsrichter. Da hat man sich anständig zu benehmen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 27. September 2017 | 19:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2017, 16:12 Uhr

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