Jugendlicher sitzt mit iPad auf dem Sofa, im Hintergrund wird gestaubsaugt.
Bildrechte: Colourbox.de

Neue Statistik Darum bleiben Deutsche gerne im Hotel Mama wohnen

Endlich raus aus dem Elternhaus. Viele Kinder können das gar nicht erwarten. Doch viele Deutsche wohnen mit Mitte 20 immer noch im Hotel Mama. Wie geht das zusammen?

Jugendlicher sitzt mit iPad auf dem Sofa, im Hintergrund wird gestaubsaugt.
Bildrechte: Colourbox.de

Die Zahl der Deutschen, die mit Mitte 20 noch zu Hause wohnen, hat sich seit 1972 verdoppelt, heißt es aus dem Statistischen Bundesamt. Vor allem in Bayern und Thüringen leben noch viele ab 25 bei ihren Eltern. Spitzenreiter ist der Landkreis Eichsfeld in Thüringen. Dort sind es 26 Prozent der Frauen und 52 Prozent der Männer, die noch im Hotel Mama leben.

Im Bundesvergleich liegen die mitteldeutschen Bundesländer eher weiter hinten. Sachsen hat sogar die wenigsten Nesthocker. Die meisten gibt es dafür im Saarland.

Kein Geld für die Miete

Über die Gründe gibt es verschiedenste Theorien. Zum einen sei der Wohnungsmangel in großen Städten dafür verantwortlich, längere Ausbildungszeiten, oder auch die Tatsache, dass ein Studium so anspruchsvoll ist, dass keine Zeit mehr bleibt, nebenher die Miete zu verdienen. Auch "Helikopter-Eltern" könnten ihren Teil dazu beitragen, dass die Deutschen länger bei den Eltern wohnen bleiben.

Das statistische Landesamt in Nordrhein-Westfalen glaubt, den Grund klar identifiziert zu haben: "Junge Erwachsene mit geringem Einkommen bleiben oft im elterlichen Haushalt" ist eines der Erkenntnisse aus einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung (PDF). 40 Prozent der Nesthocker dort verdienen maximal 700 Euro im Monat.

Italienische Verhältnisse?

Das Phänomen ist kein rein deutsches. In anderen Ländern ist es gang und gäbe, dass Singles noch bei ihren Eltern wohnen. Der Klassiker ist der italienische "Mammismo", unverheiratete Männer, die bis über 30 mit Mama unter einem Dach wohnen.

Auch in krisensgeschüttelten Ländern wie Griechenland wohnen viele junge Erwachsene bei ihren Eltern. Dort ist der Grund, ähnlich wie in NRW, das geringe Einkommen: Für Studenten gibt es dort relativ wenig Unterstützung vom Staat und Jobs sind rar, sodass weiter gratis bei den Eltern wohnen die beste Alternative ist.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Mittag | 20. September 2017 | 13:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2017, 14:24 Uhr