Grippe-Schutz: Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?
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Grippe-Impfung Ärger um Impfstoff

Mit dem Start der Grippe-Saison hat auch ein Streit um den Impfstoff begonnen. Den gibt es aktuell in zwei Varianten: Ein Impfstoff wirkt gegen drei Grippe-Viren, der andere gleich gegen vier Grippe-Erreger. Kassenpatienten bekommen derzeit nur den Dreifach-Schutz komplett bezahlt.

Grippe-Schutz: Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?
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Welcher Grippe-Impfstoff ist der Richtige? Die Antwort ist nicht ganz leicht, weil jedes Jahr andere Viren kursieren. Krankenkassen, die Ständige Impfkommission und Mediziner streiten über den bestmöglichen Schutz.

Schützt der Vierfach-Impfstoff besser als der Dreifach-Impfstoff?

In der Theorie ist es einfach: Der Dreifach-Impfstoff enthält Wirkstoffe gegen zwei verschiedene Grippe-Viren vom Typ A und gegen einen vom Typ B. In der Vierfach-Variante ist noch ein zusätzlicher Wirkstoff gegen Influenza-B-Viren mit drin. Daher müsste der Vierfach-Impfstoff in der Grippe-Zeit eigentlich auch den besseren Schutz bieten. Das gilt allerdings nur, wenn wirklich auch Viren von dieser zusätzlichen Variante unterwegs sind, sagt das Thüringer Gesundheitsministerium.

Was empfiehlt die Ständige Impfkommission?

Von der Ständigen Impfkommission (kurz: STIKO) heißt es zum Impfstoff-Streit: Die Virenstämme seien in jeder Grippe-Saison anders. Daher könne man auch gar nicht genau sagen, welche Impfung besser sei. Vor zwei Jahren sei die Vierfach-Impfung wirklich besser gewesen. Im letzten Jahr habe aber der Dreifach-Schutz völlig ausgereicht. Daher will die STIKO auch auf Nachfrage des MDR keine Empfehlung für einen Impfstoff abgeben. Laut einer Sprecherin sei aber im Gespräch, in Zukunft den Vierfach-Schutz zu empfehlen. Wenn die Empfehlung geändert werde, gelte das aber erst für die Grippe-Saison im nächsten Winter. Also für 2018/2019.

Was wird von den Krankenkassen bezahlt?

Grippe-Schutz: Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?
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Nach ARD-Informationen bekommen Privatpatienten in der Regel die Vierfach-Impfung. Für die meisten Kassenpatienten ist nur der Dreifach-Schutz kostenlos. Für den umfassenderen Schutz müssen sie 23 Euro zuzahlen. Die entfallen nur, wenn der Arzt für den Patienten die Vierfach-Impfung empfiehlt. Das können chronisch Kranke sein oder Menschen, die einen besonderen Schutz brauchen.

Warum zahlen die Gesetzlichen Krankenkassen nur den Dreifach-Schutz?

Krankenkassen wie AOK PLUS berufen sich bei ihrer Entscheidung auf die Ständige Impfkommission. Die habe eben in dieser Grippe-Saison keine ausdrückliche Empfehlung gegeben. Damit sind die Krankenkassen in ihrer Entscheidung frei und entscheiden sich für den Dreifach-Schutz, für den sie mit den Pharma-Firmen einen Rabatt ausgehandelt haben. Ähnlich argumentiert auch der GKV-Spitzenverband gegenüber MDR JUMP: Beide Wirkstoffe seien gleichwertig. Die Kassen seien vom Gesetzgeber verpflichtet worden, wirtschaftlich zu handeln. Deshalb hätten die sich für den Dreifach-Schutz entschieden. Katharina Schmidt-Göhrich, Hausärztin am Uniklinikum Dresden und Mitglied der sächsischen Impfkommission kritisiert dagegen die Entscheidung der Krankenkassen:

Viele Patienten sagen dann natürlich: Dann verzichte ich eben ganz, wenn ich es selber bezahlen soll. Viele fühlen sich auch benachteiligt.

Die Sächsische Impfkommission würde daher gern allen Patienten den Vierfach-Schutz geben.

Wer sollte sich wann impfen lassen?

Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Kopfschmerzen: Normalerweise heilt eine Grippe von selbst aus. In den letzten Jahren starben aber, je nach Heftigkeit der Saison, zwischen 5.000 und 20.000 Deutsche an der Grippe. Das sind meist Menschen aus den sogenannten Risikogruppen, für die Ärzte eine Grippe-Impfung empfehlen: Chronisch Kranke, Menschen ab 60 Jahre und Schwangere. Die sollten sich am besten im Oktober oder November gegen die Krankheit impfen lassen, um das Risiko weitgehend auszuschließen. Das geht beim Hausarzt oder auch bei den Gesundheitsämtern. Egal für welchen Impfstoff man sich entscheidet: Laut führenden Herstellern gibt es von beiden Varianten genug Vorräte

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 19. Oktober 2017 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 17:00 Uhr

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