Bei einem Oktoberfest prosten sich Besucher mit Bierkrügen zu.
Bildrechte: IMAGO

Wein- und Oktoberfeste in Mitteldeutschland Darf ich das Pfandglas als Andenken mit nach Hause nehmen?

Gerade im Herbst stehen in unserer Region etliche Volksfeste an. Getrunken wird viel, besonders aus schönen Gläsern. Wenn darauf ein Symbol der Veranstaltung eingraviert ist, gelten sie als Sammelobjekt. Aber dürfen die Gläser auch einfach in die eigene Küche wandern?

Bei einem Oktoberfest prosten sich Besucher mit Bierkrügen zu.
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An diesem Wochenende starten die ersten Weinfeste der Saison - zum Beispiel die Federweißer-Meile in Diesbar-Seußlitz. Ein Glas als Andenken wollen dann sicher auch einige Besucher mit nach Hause nehmen. Das kann aber zu Problemen führen.

Darf ich oder darf ich nicht?

Ob es erlaubt ist, ein Bier- oder Weinglas von einem Volksfest mitgehen zu lassen, kann Rechtsanwalt Thomas Kinschewski schnell beantworten:

Man darf es nicht. Das Strafgesetzbuch sagt ganz klar: Es ist kein Diebstahl, sondern eine Unterschlagung.

Das gilt auch für Gläser, für die bei der Getränkeausgabe ein Pfand gezahlt werden musste. Das Gefäß mitzunehmen ist strafbar, trotzdem wird vermutlich niemand, der ein Glas einsteckt, großen Ärger mit der Polizei bekommen. Meistens passiert nichts. Das hat einen einfachen Grund:

Es gibt eine besondere Vorschrift im Strafgesetzbuch: Wenn eine Sache nicht viel Wert ist, wird die Straftat nur auf Antrag verfolgt. Die Grenze liegt bei ungefähr 50 Euro.

Nötig wäre also eine Anzeige bei der Polizei. Aber gerade, wenn der Täter unbekannt ist, wird eine Strafverfolgung selten zum Erfolg führen. Wirklich legal wird es aber erst, wenn der Betreiber gefragt wird, ob das Glas mit nach Hause darf. Dann würde ein mündlicher Kaufvertrag entstehen und der Pfand wandelt sich in den Kaufpreis um.

Auch im Winter ein Thema

Das Verbot gilt auch für Gläser und Tassen auf dem Weihnachtsmarkt. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski hat damit seine persönliche Erfahrung gemacht:

Ich hab sogar schon ein drei Jahre altes Weihnachtsmarktglas wieder zurückgegeben und meinen Pfand wiedergekriegt.

Viele Markt- und Festbetreiber planen den Verlust der mitunter jährlich neu gestalteten Gefäße mit ein. Jens-Uwe Jahns ist Sprecher des Magdeburger Weihnachtsmarktes. Er geht davon aus, dass auf seinem Markt bis zu 15.000 Tassen verschwinden. Gleichzeitig sagt er aber auch: "Was sollen wir denn dann noch mit den Tassen?".

Wer also auf der sicheren Seite sein möchte, sollte am besten kurz beim Budenbetreiber nachfragen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Morningshow | 14. September 2017 | 07:10 Uhr