Baby greift nach Opas Nase
In Sachsen-Anhalt werden mehr Kinder im Sommer geboren als in anderen Monaten. Bildrechte: IMAGO

Geburtenstatistik Trend zum Sommer-Baby

Seit 2014 werden in Sachsen-Anhalt wieder mehr Kinder geboren. Auffällig dabei: Die meisten Babys kommen in den Sommermonaten Juli, August und September zur Welt. Diesen Trend gibt es auch in ganz Deutschland. Dabei ähneln die Deutschen allerdings den US-Amerikaner mehr als den Franzosen.

Baby greift nach Opas Nase
In Sachsen-Anhalt werden mehr Kinder im Sommer geboren als in anderen Monaten. Bildrechte: IMAGO

In Sachsen-Anhalt werden die meisten Kinder in den Monaten Juli bis September geboren. Das ergeben die Zahlen des Statistischen Landesamtes. Dabei war der Juli mit durchschnittlich 1.619 Geburten zwischen 2000 und 2015 der geburtenreichste Monat.

Dagegen war der Februar in diesem Zeitraum mit durchschnittlich 1.316 Geburten der geburtenärmste Monat im Land. Insgesamt wurden beispielsweise im Jahr 2015 in Sachsen-Anhalt 17.415 Kinder geboren.

Sommer-Kinder bevorzugt

Der Trend zum Sommer-Baby ist dabei nicht nur typisch für Sachsen-Anhalt, sondern in ganz Deutschland zu verzeichnen, bestätigt Dr. Sebastian Klüsener vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung. "Generell haben wir heute stärkere saisonale Schwankungen, als noch Ende des 19. Jahrhunderts", sagt er. Dies liege auch daran, dass durch den Einsatz von Verhütungsmitteln Schwangerschaften besser planbar geworden seien. Seit Anfang der 1980er Jahre verzeichne man in ganz Deutschland einen kontinuierlichen Anstieg der saisonalen Geburten-Schwankungen.

Dabei haben sich die geburtenreichen Monate allerdings verschoben, so Klüsener. War früher der März in der Regel der geburtenreichste Monat in Deutschland, sind es heute eher Juli, August und September. Damit hat sich Deutschland der Geburtenentwicklung in den USA angepasst. Auch dort werden vor allem im Sommer Kinder geboren. Deutschland ist damit jedoch eine Ausnahme im europäischen Vergleich.

Gründe: Umstandskleidung oder Ausbildungszyklen?

Ein Mann steht neben einem Flipchart und hält einen Stift in der Hand
Demografie-Forscher Sebastian Klüsener Bildrechte: MPI für demografische Forschung

Über die Gründe für die vermehrte Zeugung von Sommer-Babys könne man jedoch nur spekulieren, so Klüsener. Möglich sei zum Beispiel die Erklärung, dass sich frisch gebackene Eltern mit den neugeborenen Kindern viel im Freien aufhalten können. Auch spare man sich teurere Winter-Umstandskleidung, wenn die letzten Monate der Schwangerschaft im Sommer lägen. Eventuell komme es auch vielen berufstätigen Müttern entgegen, ihr Kind im Sommer zu bekommen, da im Sommer in vielen Berufsfeldern weniger Arbeit anfalle als während der anderen Jahreszeiten.

Zudem könnten auch Ausbildungszyklen eine Rolle spielen, so Klüsener. In Deutschland machten viele Personen eine berufsbegleitende Ausbildung, die häufig im Herbst beginne und im Sommer abgeschlossen werde. Während der Ausbildungsphase würden Kinderwünsche in der Regel aufgeschoben. Dies könne dazu führen, dass es gerade im Herbst viele junge Paare gebe, die bisher aufgeschobene Kinderwünsche realisieren wollten.

Mehr Geburten seit 2014

Fakt ist, dass insgesamt in Sachsen-Anhalt wieder mehr Kinder geboren werden, nachdem es laut Statistischem Landesamt zwischen 2010 und 2013 ein niedriges Geburtenniveu von rund 16.900 Geburten pro Jahr gegeben hatte. Seit 2014 sind die Zahlen wieder steigend auf 17.400 im Jahr 2015.

Auch damit liegt Sachsen-Anhalt im Bundestrend. Insgesamt werden in ganz Deutschland seit 2014 wieder mehr Babys geboren, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Waren es zwischen 2005 und 2014 um die 680.000 Geburten pro Jahr, sind es 2015 bundesweit 735.000 Kinder gewesen. Das sind im Durchschnitt 1,5 Kinder pro Frau. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2015 allerdings in den ostdeutschen Bundeländern durchschnittlich mehr Kinder pro Frau geboren als in den übrigen Bundesländern.

Geburtental durchschritten

"Die Zahlen deuten darauf hin, dass Deutschland die Trendwende geschafft und das Geburtental durchschritten hat", bewertet Demografie-Experte Klüsener die Zahlen. Die Geburtenraten lägen aber weiterhin auf einem verhältnismäßig geringen Niveau unter dem so genannten bevölkerungserhaltenden Reproduktionsniveau von etwa zwei Kindern pro Frau.

Klüsener geht jedoch davon aus, dass sich der ansteigende Trend auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird, sollten die wirtschaftlichen Bedingungen gleich bleiben. "Dies wäre positiv, da die sehr niedrigen Geburtenraten der letzten Jahrzehnte Anlass zur Sorge gaben, dass der demografische Alterungsprozess eventuell zu drastisch verlaufen könnte", sagt Klüsener. Dies hätte zu Abwärtsspiralen führen können, die von der Politik nur noch schwierig zu steuern gewesen wären.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14.11.2017 | 05:00 Uhr

Quelle: MDR/as,mm

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 06:37 Uhr