Ab in den Briefkasten: Umschlag für die Bundestagswahl
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Fragen & Antworten So funktioniert die Briefwahl

Selbst entscheiden, wann man seine Stimme abgibt: Für viele ist die Briefwahl der bequemere Weg, den neuen Bundestag zu wählen. In vielen Städten und Gemeinden ist die Briefwahl schon jetzt möglich. Das sind die wichtigsten Fakten!

Ab in den Briefkasten: Umschlag für die Bundestagswahl
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Wo gibt es die Stimmzettel?

Die Unterlagen für die Briefwahl müssen vorher beantragt werden. Das geht einfach über den Vordruck auf der Wahlbenachrichtigung. Die haben die meisten Wähler Ende August, Anfang September im Briefkasten. Alternativ kann man die Unterlagen auch ohne Wahlbenachrichtigung online beantragen. Die meisten Städte und Gemeinden bieten dafür ein Onlineformular an oder akzeptieren auch einen Antrag via E-Mail. Zugeschickt werden dann der Stimmzettel und der Wahlschein. Auch das ist möglich: Man kann die Unterlagen bei der Briefwahlstelle der eigenen Gemeinde abholen. Dafür sollte man unbedingt den Personalausweis dabei haben.

Wann müssen die Briefwahl-Unterlagen angekommen sein?

Der Brief muss spätestens am Wahlsonntag um 18 Uhr da sein. Dann beginnt die Auszählung der Stimmen. Dafür reicht es erfahrungsgemäß völlig aus, wenn man den Wahlbrief drei Werktage vorher in die Post gibt. Wer vor einem großen Urlaub ganz auf Nummer sicher gehen will, kann auch schon vor seine Stimme in den Briefwahlstellen abgeben. „Das funktioniert genau wie bei der Briefwahl auch – nur eben ohne Postweg. Man bekommt die Wahlunterlagen und kann die in Ruhe unbeobachtet ausfüllen und in den Umschlag stecken. Dafür gibt es in Leipzig extra Kabinen“, sagt Peter Dütthorn, Leiter der Briefwahlstelle der Stadt Leipzig.

Welche Fehler machen die Briefwahl-Stimme ungültig?

Stimmzettel zur Bundestagswahl 2017
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Briefwahl erinnert etwas an Origami: Der Stimmzettel mit der Erststimme für einen Politiker und der Zweitstimme für eine Partei gehört in den blauen Umschlag, der mit den Unterlagen geliefert wird. „Der blaue Umschlag mit dem Stimmzettel muss unbedingt zugeklebt werden. Sonst könnte rein theoretisch ein Wahlhelfer vorher sehen, was man angekreuzt hat“, sagt Rainer Schönheit, Kreiswahlleiter für den Wahlkreis 193 Erfurt, Weimar und Weimarer Land. Der blaue Umschlag kommt dann mit dem ausgefüllten Wahlschein in den mitgelieferten roten Briefumschlag. Der Wahlschein mit den persönlichen Daten muss unterschrieben sein. Ohne Unterschrift kann die Stimme nicht gewertet werden. Der rote Umschlag schließlich kommt in die Post. Porto muss zumindest innerhalb von Deutschland nicht drauf.

Wie sicher ist die Briefwahl vor Manipulationen?

Wahl-Experten kritisieren Sicherheitsprobleme bei der Briefwahl. Meinungsforscher Jürgen Hofrichter etwa sagte MDR JUMP: „Man weiß nicht, wer online die Briefwahlunterlagen bestellt. Und man weiß nicht, ob zu Hause der Stimmzettel wirklich allein ausgefüllt wird oder ob jemand hilft.“ Allerdings könne man bei diesen Punkten nicht einfach nachbessern. Aus Sicht des Meinungsforschers sollten Wähler nicht aus reiner Bequemlichkeit auf den Gang zum Wahllokal verzichten. Dazu sei die Bundestagswahl für die Demokratie zu wichtig. Briefwähler würden zudem die „Endphase“ des Wahlkampfes verpassen. Jürgen Hofrichter gibt allerdings auch offen zu, dass Briefwähler die Arbeit der Meinungsforscher etwas schwerer machen. Die könnten nicht vor Ort vorm Wahllokal befragt werden. Für die Befragung von Briefwählern müssten dann andere Wege gefunden werden.

Kann ein Anderer einfach für mich wählen?

Zumindest denkbar ist, dass jemand anders die Unterlagen online beantragt, vorab ausfüllt und auch die Unterschrift fälscht. Etwa ein missliebiger Nachbar. „Wenn jemand aus Mallorca oder aus den USA die Unterlagen zugeschickt haben will, dann senden wir immer auch noch eine Info an die Meldeadresse. Dann könnte man im Zweifel sehen, dass jemand anders im eigenen Namen handelt und dann noch reagieren“, sagt Kreiswahlleiter Rainer Schönheit. Um die Sicherheit bei der Briefwahl zu erhöhen, ist für die Stimmzettel ein bestimmtes, gegen Durchblicke geschütztes Papier vorgeschrieben. So soll verhindert werden, dass Wahlhelfer oder Post von außen die Kreuze sehen können.

Steigt die Wahlbeteiligung durch die bequeme Variante?

Dank Brief sind Wähler unabhängig vom 24. September. Inzwischen müssen sie noch nicht einmal mehr Gründe angeben, warum sie auf diesen Weg zur Stimmabgabe ausweichen. Das macht die Briefwahl für viele zur beliebten, weil bequemen Alternative. Inzwischen wählt jeder Vierte auf diesem Weg, Tendenz steigend. „Auch bei uns wird der Anteil der Briefwähler größer“, sagt Briefwahlstellen-Leiter Peter Dütthorn. Befürworter sagen sogar, so steige die Wahlbeteiligung. Jürgen Hofrichter vom Meinungsforschungsinstitut Infratest-dimap sagt dazu MDR JUMP: „2009 haben 21,4 Prozent der Wähler Briefwahl gemacht, bei der letzten 24,3 Prozent. Und es ist auch evident, dass die Wahlbeteiligung ohne Briefwahl geringer wäre.“

Dieses Thema auch im Programm: MDR JUMP am Abend | 17.08.2017 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2017, 15:00 Uhr

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