Filmtourismus Auf den Spuren von Hollywood

Görlitz wurde diese Woche als bester europäischer Filmdrehort preisgekrönt. Ausschlaggebend war die US-Komödie "The Grand Budapest Hotel". Die Stadt war 2013 Hauptdrehort für den vierfach Oscar prämierten Film. Andrea David kennt nicht nur Görlitz, sondern weltweit Filmdrehorte wie ihre Westentasche. Die Filmtouristin und Bloggerin bereist und porträtiert Drehorte. Ihre Bilder begeistern auf Instagram Zehntausende.

Aus dem Film Grand Budapest Hotel, Drehort: Görlitz
Der echte Ort und das Film-Bild aus dem Film "Grand Budapest Hotel" (Drehort: Görlitz) verschmelzen in eins. Bildrechte: Andrea David

"Es gab hohe internationale Konkurrenz", sagt Andrea David zu dem Preis, mit dem Görlitz als Filmdrehort-Stadt ausgezeichnet wurde, "aber ich denke, dass Görlitz berechtigt gewonnen hat, weil die Stadt sehr unterschiedliche Seiten hat." Andrea David kann das einschätzen. Kaum jemand anderes kennt sich so gut mit Filmdrehorten aus wie sie. Die Filmbloggerin reist weltweit zu den Filmschauplätzen und schreibt darüber. Görlitz hat sie schon zweimal bereist und für die Vielfältigkeit schätzen gelernt.

Beim letzten Mal konnte ich auch das Kaufhaus innen besichtigen, in dem "The Grand Budapest Hotel" gedreht wurde. Das Hotel gibt es ja nicht wirklich, aber die Innenaufnahmen wurden ja dort gemacht. Mit den Kronenleuchtern sieht es innen wirklich so aus, wie es im Film aussieht. Das hat mich am meisten beeindruckt. Von außen ist es eher unscheinbar, das Gebäude, aber von innen war es ein richtiger Wow-Effekt.

Der Medicus, Filmburg Querfurt
"Der Medicus" ist einer der vielen Filme, die auf der Burg Querfurt gedreht wurden. Bildrechte: Andrea David

Die Bilder aus dem Film lässt Andrea David mit dem echten Ort zu einem neuen Bild verschmelzen. Dabei entstehen beeindruckende Fotografien, die vor allem auf Instagram großen Anklang finden.
Görlitz ist nicht der einzige Ort in Mitteldeutschland, an dem Hollywoodfilme gedreht wurden. Gerade der Harz mit seinen zahlreichen Schlössern und Burgen wird immer wieder gern als Filmkulisse genutzt und so von Andrea David bereist:

Die Burg Querfurt ist zum Beispiel sehr häufig Drehort für deutsche und internationale Filme. Dort wurde unter anderem die Päpstin oder der Medicus gedreht. Und da ist es mittlerweile so, dass die sich auch als Filmburg vermarkten.

Drehortsuche ist oft Detektivarbeit

Aus dem Film Heidi, Drehort: Quedlinburg
"Heidi" wurde in Quedlinburg verfilmt. Bildrechte: Andrea David

Wo welche Szene eines Films gedreht wurde, ist nicht immer leicht herauszufinden. Nicht immer gibt es öffentliche Infos dazu. "Manchmal ist es auch richtige Detektivarbeit", erzählt Andrea David. "Dann frage ich mich: In welcher Gegend muss es gewesen sein? Ich drucke mir dann Filmfotos aus, um vor Ort vergleichen zu können und frage mich durch." Oft erinnern sich Anwohner an die Filmteams und wissen, wenn in ihrem Ort etwas gedreht wurde. Bei älteren Filmen dagegen kann es schon wieder schwieriger werden, jemanden zu finden, der noch Bescheid weiß. "Es ist ein Erfolgsgefühl, wenn man dann den Ort entdeckt hat", so Andrea David.

Am meisten freut sich die Filmbloggerin, die Tourismus studiert hat und so ihren Beruf und ihre Leidenschaft verbindet, über die Drehorte, die noch echte Geheimtipps sind: "Am liebsten mag ich es, wenn ich in einer größeren Stadt in Vierteln bin, die nicht so bekannt sind und man sich auf die Suche macht, wo was gedreht wurde. Das finde ich spannend, weil man ganz neue Ecken kennenlernt."

Die Realität der Orte

Die Orte wirken anders auf einen, wenn man die Filme kennt. Sie sind vertrauter und mit einer filmischen Aura aufgeladen.

Andrea David, Filmbloggerin

Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass die Orte Realität und die Dreharbeiten schon lange abgeschlossen sind. "Ich denke, der wichtigste Punkt ist, die Privatsphäre von Menschen, die an den Orten leben, zu wahren", erklärt Andrea David. Um Häuser schleichen, in Gärten eindringen - all das sei Tabu und mache im Zweifel die Orte kaputt, weil Einheimische gezwungen sind Mauern oder Zäune zu bauen. So wie die Besitzer, die in dem Haus leben, dass durch die Serie Breaking Bad berühmt wurde. Da zu viele Filmtouristen kamen und die Anwohner belästigten, beschlossen diese einen hohen Zaun zu ziehen, so dass niemand mehr das Haus sehen kann.

Zum anderen gelte das, was eigentlich für alle Touristen auf Reisen gilt: Man darf nicht alles mitnehmen, was einem gefällt:

Es gibt in Tunesien zum Beispiel noch die Kulissen von den alten Star-Wars-Filmen und es ist eh schwierig, die in der Wüste zu erhalten. Wenn sich da jeder etwas mitnimmt, wäre das schade. Es ist auch in der Verantwortung der Filmtouristen, dass solche Kulissen noch lange halten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 11. November 2017 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 15:43 Uhr

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