Eine Person sitzt in einem Fahrzeug, das in Karlsruhe (Baden-Württemberg) am Bundesgerichtshof vorfährt.
Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft. Bildrechte: dpa

Bundesanwaltschaft Mutmaßlicher BVB-Attentäter in Untersuchungshaft

Der nach dem Anschlag auf den BVB-Bus festgenommene Tatverdächtige hatte nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft vermutlich keine Komplizen. Der Deutsch-Russe wollte mit dem Anschlag offenbar die BVB-Aktie zum Absturz bringen und dabei viel Geld verdienen. Nun sitzt er in Untersuchungshaft. Bundesinnenminister de Maizière und Justizminister Maas bezeichneten das mutmaßliche Tatmotiv als "widerwärtig" und "abscheulich".

Eine Person sitzt in einem Fahrzeug, das in Karlsruhe (Baden-Württemberg) am Bundesgerichtshof vorfährt.
Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft. Bildrechte: dpa

Zehn Tage nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Laut Bundesanwaltschaft handelt sich um einen 28-jährigen Deutsch-Russen aus dem Raum Tübingen. Ihm werde versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft. Laut Bundeskriminalamt äußerte er sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Wie die Sprecherin der Bundesanwaltschaft Frauke Köhler am Freitag sagte, gibt es bisher keine Hinweise auf mögliche Gehilfen oder Mittäter. Man behalte die Frage aber weiter im Blick.

Tatverdächtiger spekulierte auf Kursverluste

Laut Bundesanwaltschaft soll der 28-Jährige auf einen durch den Anschlag am 11. April verursachten Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt haben. Dadurch habe er einen hohen Gewinn einstreichen wollen. Es scheint demnach nur um Aktienspekulation zu gehen und nicht um Terrorismus. An islamistischen oder anderen extremistischen Hintergründen hatten erhebliche Zweifel bestanden.

Wie die Karlsruher Behörde mitteilte, hatte der Verdächtige am 11. April, dem Tag des Anschlags, 15.000 Verkaufsoptionen für BVB-Aktien im Wert von 78.000 Euro gekauft. Der Mann spekulierte demnach mit den sogenannten Put-Optionen auf fallende Kurse der BVB-Aktie. Mit einem erheblichen Kursverfall wäre laut Anklagebehörde zu rechnen gewesen, wenn bei dem Anschlag Spieler schwer verletzt oder sogar getötet worden wären.

Möglicher Gewinn unklar

Wie viel Geld der Verdächtige im Fall des Anschlags auf den BVB-Mannschaftsbus maximal an der Börse hätte gewinnen können, ist laut Köhler noch nicht klar. Das werde derzeit noch berechnet. Der Mann habe drei verschiedene Derivate auf die Aktie von Borussia Dortmund erworben - die meisten davon am Tag des Angriffs selbst. Dafür habe er einen Verbraucherkredit in Höhe von mehreren zehntausend Euro aufgenommen. Sicher sei: Je tiefer die Aktie des Fußballvereins gefallen wäre, desto höher wäre der Gewinn für den Verdächtigen ausgefallen, hieß es.

Verschiedene Medien wie etwa die "Bild"-Zeitung hatten zuvor spekuliert, dass es um einen MIllionenbetrag gegangen sei. Dies wollte die Bundesanwaltschaft so nicht bestätigen. Die BVB-Aktie notierte am 11. April vor dem Anschlag bei 5,65 Euro. Am Tag danach sank der Wert bis auf 5,50 Euro - also lediglich um etwa drei Prozent. Selbst nach der Niederlage des BVB gegen den AS Monaco am 13. April ging die Aktie nur bis auf 5,38 Euro nach unten.

Mutmaßlicher Täter logierte im Mannschaftshotel

Der Bus von Borussia Dortmund steht mit einer beschädigten Scheibe in Dortmund an einer Straße
Der beschädigte BVB-Bus nach dem Anschlag im Dortmunder Süden. Bildrechte: dpa

Wie die Bundesanwaltschaft bereits am Morgen mitgeteilt hatte wurde der Aktien-Kauf über einen Online-Anschluss des BVB-Mannschaftshotels abgewickelt, in dem der Verdächtige seit dem 9. April eingecheckt war. Er habe dort ein Zimmer im Dachgeschoss bezogen, mit Blick auf den späteren Anschlagsort. Finanziert wurden die Aktien über einen Anfang April 2017 aufgenommenen Verbraucherkredit.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière bezeichnete das mutmaßliche Motiv des BVB-Attentäters am Freitag in einer Stellungnahme via Twitter als "besonders widerwärtig". Der CDU-Politiker forderte, alle Beweise zu sichern und mögliche Hintergründe aufzuklären.

Auch Justizminister Heiko Maas zeigte sich entsetzt. "Jedes Motiv für eine solche Tat ist abscheulich - sollte der Beschuldigte tatsächlich aus bloßer Geldgier versucht haben, mehrere Menschen zu töten, wäre das einfach grauenhaft", sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin.

Anschlag mit zwei Verletzten

Marc Bartra
BVB-Abwehrspieler Marc Bartra wurde bei dem Anschlag schwer verletzt. Bildrechte: dpa

Bei dem Anschlag am Dienstag vergangener Woche waren drei Sprengsätze in der Nähe des BVB-Mannschaftsbusses explodiert, als sich die Spieler auf dem Weg zu der Champions-League-Partie gegen den AS Monaco befanden. Bei dem Anschlag wurde der BVB-Profi Marc Bartra von Splittern getroffen und schwer am Handgelenk und am Arm verletzt. Der Spanier musste operiert werden. Ein Polizist, der den Bus auf dem Motorrad begleitete, erlitt ein Knalltrauma und einen Schock. Das Spiel war wegen des Anschlags um einen Tag verschoben worden.

Die Sprengsätze waren nach Angaben des Generalbundesanwalts über eine Länge von zwölf Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Mannschaftsbusses angebracht gewesen. Die Sprengwirkung der mit Metallstiften bestückten Sprengsätze sei auf den Bus ausgerichtet gewesen.

Ein Metallstift sei noch in einer Entfernung von 250 Meter gefunden worden. Die Zündung sei nach derzeitigem Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung erfolgt. Herkunft und Art des beim Anschlag verwendeten Sprengstoffs seien noch nicht ermittelt, hieß es.

Mehrere hundert Beamte im Einsatz

Laut Generalbundesanwalt waren an den Ermittlungen mehrere hundert Beamte des Bundeskriminalamtes sowie der nordrhein-westfälischen und der baden-württembergischen Polizei beteiligt. Laut baden-württembergischen Innenministerium fanden Durchsuchungen am Wohnort des Tatverdächtigemn in Freudenstadt im Schwarzwald sowie in Rottenburg, Tübingen und Haiterbach im Landkreis Calw statt. Der Tatverdächtige selbst wurde durch eine Spezialeinheit der Bundespolizei GSG9 festgenommen.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung war der Tatverdächtige bereits seit dem 13. April per Haftbefehl wegen 20-fachen versuchten Mordes und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion gesucht worden. Dem Blatt zufolge sollen Mitarbeiter der Bank, über die die Aktien-Käufe abgewickelt wurden, der Polizei eine Verdachtsanzeige wegen Geldwäsche übermittelt haben, weil ihnen der Kauf verdächtig erschien.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 21.04.2017 | ab 07:00 Uhr
Fernsehen | 21.04.2017 | ab 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2017, 05:05 Uhr

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