Eine Frau trinkt direkt aus dem Wasserhahn im Garten.
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Streit um Nitrat im Grundwasser Wird Trinkwasser bald deutlich teurer?

Noch immer wird heftig um eine Studie des Umweltbundesamtes gestritten: Das warnt vor zu viel Nitrat im Grundwasser und sieht die Schuld bei den Bauern. Zu viel Gülle und Dünger auf den Feldern spüle zu viele Schadstoffe ins Grundwasser. Die Landwirte sprechen dagegen von Panikmache. Schon jetzt müssen die Wasserversorger wegen Nitrat Grundwasser teuer aufbereiten.

Eine Frau trinkt direkt aus dem Wasserhahn im Garten.
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Schon Anfang Juni warnte das Umweltbundesamt in Dessau-Rosslau in einer Untersuchung, in vielen Regionen Deutschlands sei das Grundwasser hoch mit Nitrat belastet. In jeder dritten Region sei schon jetzt der EU-weit gültige Grenzwert überschritten. Stark belastet ist das Grundwasser etwa im Westen von Sachsen, Ost-Thüringen und großen Teile von Sachsen-Anhalt. Wenn die Belastung mit dem Schadstoff nicht sinke, müssen laut Umweltbundesamt die Wasserversorger teure und aufwendige Filter einsetzen. Der Leiter des Fachgebietes Grundwasser Dr. Jörg Rechenberg sagte MDR JUMP:

Dr. Jörg Rechenberg, Leiter des Grundwasser-Fachgebiets beim Umweltbundesamt
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Die Studie, die das für uns untersucht hat, die ist da in Größenordnungen gekommen, dass der Trinkwasserpreis dann um dreißig bis fünfzig Prozent steigen müsste. Das sind also Größenordnungen, von 55 bis 76 Cent pro Kubikmeter.

Die Hauptschuld an den hohen Belastungen tragen laut den Forschern die Bauern. Die würden zu viel Gülle und Mist aus Viehställen auf die Felder bringen und für Obst und Gemüse zu große Mengen Mineraldünger verwenden.

"Uns hilft kein Aktionismus"

Die Landwirtschaft weist die Kritik der Forscher umgehend zurück. Zwar trügen auch die Bauern eine Verantwortung für die Nitrat-Belastung, sagt Markus Rothbart, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt. Aus seiner Sicht bleibe offen, ob die Landwirtschaft allein die Schuld am Nitrat im Wasser trage.

Das Thema Viehhaltung ist ein Thema in Sachsen-Anhalt – wir haben aber insgesamt die niedrigsten Viehbesätze in Deutschland. Und von daher ist es nicht so einfach dahinzuleiten – naja die Tierhaltung ist jetzt dafür verantwortlich, dass wir erhöhte Nitratwerte in bestimmten Gebieten haben.

Rinderstall in Burkhardtsdorf
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In Sachsen-Anhalt gebe es Böden ganz ohne Tierhaltung, bei denen im Grundwasser trotzdem erhöhte Nitratwerte gemessen wurden. Außerdem seit seit Juni eine neue Düngeverordnung mit schärferen Vorschriften in Kraft. Da müsse man erstmal sehen wie die sich aufs Nitrat im Grundwasser auswirkt, sagte Markus Rothbart. Aktionismus von Seiten des Umweltbundesamtes helfe hier nicht weiter. Die Politik hat nach jahrelangem Ringen reagiert und im Frühjahr strengere Regeln fürs Düngen beschlossen. Dazu gehören Obergrenzen für Stickstoffeinträge in Gebieten mit kritischen Wasserwerten.

Steigen die Preise fürs Trinkwasser tatsächlich?

Noch müssen die Wasserversorger Nitrat nicht teuer aus dem Grundwasser herausfiltern. Sie versuchen auf anderen Wegen, die Grenzwerte einzuhalten. So werden weniger belastete Brunnen genutzt oder gleich tiefere Erdschichten für Trinkwasser angebohrt. Das sind Schichten, in die bisher vergleichsweise wenig Nitrat gelangt ist. All das ist aufwendig und teuer und die Kosten fließen laut Umweltbundesamt schon jetzt in die Preise für Trinkwasser ein. Derzeit ist laut den Wasserversorgern noch offen, wann wirklich teure Filter für Nitrat eingesetzt werden müssen. Laut dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) behalten die Trinkwasserversorger derzeit die Nitratbelastung mit einer eigens eingerichteten Datenbank im Blick.

Dieses Thema auch im Programm: MDR JUMP am Nachmittag | 16.08.2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2017, 15:45 Uhr

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