Fest zum Kindertag im egapark in Erfurt
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Kindertag im Osten und Westen Unser Nachwuchs wird gleich dreimal im Jahr gefeiert

Für viele in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist der 1. Juni der richtige Kindertag! Aber es gibt auch einen deutschen Kindertag jetzt im Herbst. Wer will, kann Ende November sogar nochmal feiern.

Fest zum Kindertag im egapark in Erfurt
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Ostblock war der Schnellste: Kindertag am 1. Juni

Im Ostberliner Neubaubezirk Marzahn sitzen ältere und jüngere Hochhausbewohner am Rande eines von der Hausgemeinschaft selbst organisierten Kinderfestes zum Internationalen Kindertag auf einer Bank.
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In der DDR wurde der Kindertag 1950 eingeführt. Den hatte zwei Jahre zuvor die Internationale Demokratische Frauenförderation beschlossen und kurz darauf auch den ersten Juni als festes Datum für den Feiertag festgelegt. Perfekt gelegen wenige Wochen vor den Sommerferien in der sonnigen Jahreszeit. Weil die Frauenförderation eine kommunistische Organisation war, folgten dem Vorschlag neben der Sowjetunion vor allem Ostblockstaaten. Für Politiker und Gewerkschafter dort war es ein Propagandatag, an dem man die Errungenschaften des Sozialismus für Kinder feiern und auf die Nöte der Kinder auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs hinweisen konnte. Für die Schulkinder in der DDR war der 1. Juni ganz einfach ein freier Tag, an dem es Feste und Wettkämpfe mit anderen Schulen gab.  

Geteilte Welt auch beim Kindertag

Der Westen auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs führte erst vier Jahre später einen Kindertag ein. Den hatten die Vereinten Nationen vorgeschlagen und dann den Mitgliedsstaaten überlassen, sich für ein Datum zu entscheiden. Die Bundesrepublik setzte auf den 20. September, kurz vor dem Herbstanfang. Doch ein öffentlich und fröhlich begangener Feiertag wie in der DDR war der Tag in der Bundesrepublik nie. Nach der Wende gab es dann plötzlich zwei Feiertage und ein weiter geteiltes Land: In vielen Gemeinden und Städten im Osten wird weiter am 1. Juni gefeiert, manche Vereine und Gewerkschaften und der Westen setzen auf den deutschen Kindertag. Die UNO hat sich übrigens für ein drittes Datum entschieden: Für den 20. November.

Nicht allen Kindern im reichen Deutschland geht es gut

Traditionell nutzen Politiker und Organisationen den 20. September, um auf Probleme der Kinder aufmerksam zu machen. So forderte in diesem Jahr der Deutsche Kinderschutzbund Thüringen, Kinderarmut konsequenter zu bekämpfen. Die sei ein Verstoß gegen die Kinderrechte. Die Rechte von Kindern und Jugendlichen müssten zudem ins Grundgesetz aufgenommen werden. Kita-Initiativen wiesen zum 20. September erneut auf die Personalprobleme in Kindergärten in Sachsen hin. Noch immer gebe es viel zu wenig Personal. Mit einem  Aktionstag unter dem Motto „Das Maß ist voll“ wollen heute in Leipzig und Dresden Erzieher Druck auf die Politik machen.

Dieses Thema auch im Programm: MDR JUMP am Nachmittag | 20.09.2017 | 16:27 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2017, 20:27 Uhr

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