Nachhaltige Mode erkennt man oft an bestimmten Siegeln.
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Shopping-Trend Worauf du beim Kauf nachhaltiger Mode achten solltest

Neben der Ölindustrie gehört die Textil-Industrie zu den größten Umweltverschmutzern. Deswegen nehmen immer mehr Modeketten Kleidung aus Biobaumwolle in ihr Sortiment auf. Doch ist Bio auch gleich Fair und nachhaltig?

Nachhaltige Mode erkennt man oft an bestimmten Siegeln.
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Wenn ein Schwergewicht wie H&M auf einen Trend aufspringt, dann ist er im Mainstream angekommen: Kleidung aus Biobaumwolle. Während bei der schwedischen Modekette nur etwa jedes achte Kleidungsstück im Sortiment aus Bio-Baumwolle besteht, liegt der Anteil bei Konkurrent C&A bei rund einem Drittel. Global gesehen ist Bio-Mode aber immer noch ein Nischenprodukt. Der Marktanteil liegt bei unter einem Prozent. Bio-Baumwolle wird inzwischen in über zwanzig Ländern angebaut. Laut Greenpeace sind die größten Produzenten die Türkei, Indien, China, Peru und Uganda.

Immer mehr Ketten werben mit nachhaltiger, fairer Biomode, wobei teilweise jeder etwas anderes darunter versteht, so Marieke Jörg. Sie ist Redakteurin bei Öko-Test:

Insgesamt ist 'nachhaltig' kein geschützter Begriff und man versteht darunter ganz allgemein Umweltressourcen schonende Herstellung der Materialien und die Einhaltung sozialer Mindeststandards für die Arbeiter in der Produktion. In dem Zusammenhang fallen dann auch oft neben nachhaltig die Worte Bio, Öko, Fair.

Das Zertifizierungs-Wirrwarr

Mehr als 20 Bio-, Öko- und Fair Fashion Siegel gibt es im Moment. Zu viele, wenn es nach der Meinung von Öko-Test Redakteurin Marieke Jörg geht.
Mehr als 20 Bio-, Öko- und Fair Fashion Siegel gibt es im Moment. Zu viele, wenn es nach der Meinung von Öko-Test Redakteurin Marieke Jörg geht. Bildrechte: IMAGO

Für den Verbraucher ist es teilweise schwierig herausfinden, ob seine Kleidung nun Bio- oder Fair gehandelt ist. Es gibt über 20 verschiedene Öko-Siegel für Kleidung in Deutschland. Einige sind von Unternehmen selbst kreiert. Andere stammen von unabhängigen Prüfinstituten. Dabei geht es nur um die Schadstoffe im Endprodukt. Über die Arbeitsbedingungen sagen solche Siegel oft nichts aus. Marieke Jörg bemängelt das:

Es gibt im Bekleidungsbereich kein Label, das wirklich zufriedenstellend soziale Aspekte und gleichzeitig die Anforderungen an umweltfreundliches und schadstofffrei produziertes Material abdeckt. Das heißt, ein Kleidungsstück müsste schon mindestens zwei Label tragen, um wirklich als nachhaltig eingestuft werden zu können.

Das heißt, der Verbraucher muss sich oft entscheiden, ob er auf umweltfreundliche Materialien oder soziale Arbeitsbedingung für die Näherinnen wert legt. Auch der Preis sagt wenig über die Produktionsbedingungen aus, denn es gibt auch sehr teure Markenkleidung, die weder fair noch nachhaltig produziert wurde.

Braucht man das alles?

So lange es keine verbindlichen Gesetze gibt, wird sich daran auch nichts ändern, sagt Jörg. Dennoch sei ein Bewusstsein der Verbraucher ein erster Schritt:

Wenn man sieht, dass bei 95 Prozent der Deutschen Sachen im Kleiderschrank hängen, die sie noch nie getragen haben und ungefähr 1 Millionen Tonnen Textilien jährlich in der Altkleidersammlung landen, dann würde es oft schon helfen das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.

Auf der einen Seite ist immer mehr Verbrauchern wichtig, woher ihre Kleidung kommt und wie sie produziert wird. Auf der anderen Seite gibt es aber auch noch eine Masse, die nach dem Motto "Hauptsache viel, Hauptsache billig" einkaufen. "Grüne Mode hat immer noch nicht das beste Image. Völlig zu Unrecht, wie ich finde, weil sich auch in diesem Bereich beim Stil ganz viel getan hat und immer noch tut", sagt Marieke Jörg.

Diese Öko-Siegel solltest du kennen:

G.O.T.S.

G.O.T.S.

G.O.T.S. steht für "Global Organic Textile Standard". Dieses Siegel wird in verschiedenen Abstufungen vergeben:
- Mit "organic" gekennzeichnete Kleidung müssen zu 95 Prozent ökologische Fasern enthalten.
- "made with organic" bedeutet, dass noch mindesten 70 Prozent ökologische Fasern enthalten sein müssen.
G.O.T.S. überprüft vom Anbau bis zum fertigen Stück und führt jährliche Betriebsinspektionen durch. Kleidung mit diesem Gütesiegel gibt es unter anderem bei Hess Natur, im Online-Spezialhandel oder auch als Aktionsware bei Discountern.

Fairtrade Certified Cotton

Fairtrade Certified Cotton

Seit 2008 gibt es Deutschland das Fairtrade-Siegel. Es garantiert, dass die Baumwollbauern einen Mindestpreis für ihre Baumwolle bekommen. Menschenwürdige Arbeitsbedingungen stehen auch in der Produktion im Fokus. Des Weiteren garantiert das Siegel, dass die Baumwolle gentechnikfrei hergestellt ist und auch bestimmte Pestizide von den Baumwollbauern nicht verwendet wurden.

bioRe

bioRe

bioRe zeichnet ausschließlich Bio-Baumwoll-Kleidung aus. Chemikalien, die in der Detox-Kampagne von Greenpeace überprüft wurden, sind bei dem Label verboten. Laut Öko-Test gilt bioRe als Qualitätslabel der Remei AG.
Kleidung mit bioRe-Siegel gibt es unter anderem bei Mammut, Globetrotter, Elkline, Grüne Erde oder Gerry Weber.

IVN Best

IVN Best

Das Siegel des internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN) bekommen nur Textilien, die nur aus Naturfasern aus kontrollierten biologischem Anbau bestehen und mit unbedenklichen Farbstoffen gefärbt sind. Auch ein Nachweis von sozialen Mindeststandard sowie dem Verbot von Kinderarbeit muss erbracht werden.
Kleidung mit IVN Best Siegel gibt es unter anderem bei hess Natur, Cotonea oder Naturtextil-Spezialisten.

Bluesign

Bluesign

Bei bluesign liegt eine ausführliche Liste von Chemekalien vor, die bei der Textilherstellung verboten sind. Umweltbelastende Substanzen werden von Anfang an aus dem Fertigungsprozess ausgeschlossen. Bluesign Produkte findet man vor allem bei Outdoor-Produkten und Jako-o.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Mittag | 04.07.2017 | 12:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2017, 10:12 Uhr