Eine junge Frau hält ein Smartphone in Händen
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Revolutionäres Update Bezahlen wir bald per WhatsApp?

Geld an Freunde überweisen oder im Geschäft einen Einkauf bezahlen, das soll laut Gerüchten bald mit WhatsApp möglich sein. In China ist das schon lange Realität. Wir haben unseren China-Korrespondenten gefragt, wie das den Alltag verändert hat.

Eine junge Frau hält ein Smartphone in Händen
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Die aktuelle Android-Betaversion von WhatsApp hat ein neues Feature: WhatsApp Payments. Die Neuerung soll Geldüberweisungen an Kontakte und das bargeldlose Bezahlen in Kneipen und Läden ermöglichen. Wann alle WhatsApp-Versionen diese Funktionen übernehmen, ist aber noch nicht bekannt.

In China kann man mit WeChat alles bezahlen

WeChat App
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Wenn man wissen möchte, wie mächtig so eine einfache Bezahlfunktion ist, muss man nur nach China schauen. Dort ist das Bezahlen per App schon lange möglich. Mehr als 700 Millionen Menschen nutzen die App "WeChat". Sie ist eine Art soziales Netzwerk mit vielen weiteren Funktionen. MDR JUMP Korrespondet Steffen Wurzel in Shanghai hat es selbst ausprobiert:

Wenn man in China ein Smartphone hat, braucht man nichts anderes mehr als diese eine App. Es ist eine Mischung aus Twitter und Facebook, aber vor allem kann man damit bezahlen. Viele Menschen sind völlig panisch, wenn sich WeChat mal nicht öffnen lässt, weil man sein ganzes Leben damit managen kann.

Das Bezahlen per App klappt im Restaurant, im Supermarkt, in Klamotten-Läden, aber auch Flüge kann man mit darüber buchen und Konzertkarten kaufen. Dazu hält man sein Handy einfach an einen QR-Code an der Kasse. In Sekundenschnelle wird das Geld vom Konto abgezogen oder man lädt ein Guthaben drauf.

Die Sicherheit ist fragwürdig

Die chinesischen Anbieter sagen natürlich: Das ist sicher! Ich glaube, es ist sicherer als viele andere Konkurrenzmodelle. Aber es besteht natürlich immer die Gefahr, dass Firmen und der chinesische Staat alles mitlesen, was du so treibst, für was du Geld ausgibst - darüber machen sich viele Leute auch Sorgen.

Für Datenschutzrechtler in Deutschland wäre solch eine"gläserene" App wahrscheinlich bedenklich. Zwar erledigen wir ohnehin vieles schon online und mit dem Smartphone, aber gerade wenn es um Geld geht, werden neue Bezahlmodelle in Deutschland oft kritisch begutachtet. Dass sich das Modell bald in Deutschland durchsetzt, bezweifelt deshalb Steffen Wurzel:

In Deutschland sind wir ja eher konservativ, was die Technik angeht. Jüngere würden das vielleicht nutzen, aber eben nicht ältere Leute. Die haben schon genug Skrupel die Bankkarte zu nutzen. Hier in China nutzen auch Rentner mobile pay sehr häufig.

MDR-Korrespondent Steffen Wurzel nutzt die App selbst täglich:

Ich benutze die App sehr gerne. Es ist so, wenn ich abends aus dem Haus gehe, lass ich häufig aus Bequemlichkeit mein Portmonnaie zu Hause. Denn ich brauche mein Portmonnaie nicht, denn ich kann ja alles online zahlen. Es ist sehr bequem!

Steffen Wurzel
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Unser Experte Steffen Wurzel ist seit 2016 ARD-Korrespondent in Shanghai und lebt in der chinesischen Großstadt.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Nachmittag | 11.08.2017 | 17:15 Uhr