Eingang Uniklinikum Leipzig
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Zu lange Wege ins Krankenhaus Hunderttausende fahren länger als eine halbe Stunde

In Sachsen, in Thüringen und Sachsen-Anhalt gibt es in vielen Landkreisen und Städten deutlich zu wenige Krankenhäuser. Hunderttausende Patienten müssen mit dem Auto im Notfall mehr als eine halbe Stunde bis zur nächsten Klinik fahren. Das zeigt eine Recherche von MDR JUMP.

Eingang Uniklinikum Leipzig
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Besonders in Sachsen-Anhalt ist das Klinik-Netz offenbar lange nicht dicht genug. Im Landkreis Jerichower Land beispielsweise muss jeder vierte Einwohner mehr als eine halbe Stunde zum nächsten Krankenhaus mit Grundversorgung fahren. Unter Grundversorgung fallen beispielsweise die schnelle Hilfe nach einem Autounfall oder eine Blinddarm-Operation. Das sind die Regionen, in denen der Anteil der betroffenen Einwohner in Sachsen-Anhalt am höchsten ist.

Kreis Patienten mit über 30 Minuten Fahrtzeit Betroffene Einwohner in Prozent
Jerichower Land 22.923 25
Wittenberg 20.484 22,6
Altmarkkreis Salzwedel 17.952 20,8

Für die Länge des Fahrtweges zum nächsten Krankenhaus gibt es keine gesetzliche Vorgabe. Die Krankenkassen und der Sozialverband Deutschland e.V. (SOVD) empfehlen aber, dass Krankenhäuser mit Grundversorgung mit dem Auto innerhalb von 30 Minuten erreichbar sein sollten. Dieser Wert wird auch in einigen Regionen in Thüringen überschritten. Das zeigen Zahlen des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Kreis Patienten mit über 30 Minuten Fahrtzeit Betroffene Einwohner in Prozent
Saalfeld-Rudolstadt 12.389 11,3
Wartburgkreis 13.319 10,6
Hildburghausen 5831 8,9

In Sachsen sind neben ländlichen Regionen auch Städte von dem Problem betroffen. Im Vergleich mit Thüringen und Sachsen-Anhalt hat der Freistaat aber offenbar noch eine fast ausreichende Klinikdichte.

Kreis Patienten mit über 30 Minuten Fahrtzeit Betroffene Einwohner in Prozent
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 8.174 3,2
Stadt Bautzen 800 2,0
Landkreis Görlitz 4.841 1,7

Laut Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, könnten Bundesländer wie Sachsen-Anhalt aber einiges an der Versorgung verbessern. Im Gespräch mit MDR JUMP sagte Lanz:

Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen
Bildrechte: Florian Lanz, GKV

Da, wo die 30 Minuten oft überschritten werden, greifen die Länder beispielsweise auch auf Rettungshubschrauber zurück, um die Versorgung im Ernstfall zu verbessern.

Zum anderen könnte Sachsen-Anhalt die Rahmenbedingungen für Betreiber von Krankenhäusern verbessern, so dass weniger Kliniken wegen zu niedrigen Einnahmen geschlossen werden. Die Versorgung mit Krankenhäusern ist in Deutschland Sache der Bundesländer. Die zahlen vereinfacht gesagt den Bau und Unterhalt der Kliniken und die nötige Technik wie etwa Röntgengeräte oder MRT-Scanner. Die Krankenkassen kommen für das Personal auf, also für Ärzte und Krankenpfleger.

Sicherheitsleine in Regionen mit wenigen Einwohnern

Der Träger des Krankenhauses muss dafür sorgen, dass er mit den Geldern von Bundesland, Krankenkassen und von den Patienten auskommt. Das kann in vergleichsweise dünn besiedelten Regionen zum Problem werden, weil dort oft nicht genug Einnahmen durch Patienten erzielt werden. Bevor aber eine Klinik geschlossen wird, schauen die Krankenkassen unter anderem auf die Fahrtwege. Müssten zu viele Patienten deutlich länger als 30 Minuten mit dem Auto zum nächsten Krankenhaus fahren, kann ein so genannter Sicherstellungszuschlag gezahlt werden. Laut Sozialverband Deutschland (SOVD) ist die flächendeckende Versorgung durch Kliniken dann akut gefährdet, wenn durch die Schließung eines Krankenhauses mehr als 5.000 Patienten länger als eine halbe Stunde fahren müsste.

Reaktionen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen

Das Sozialministerium Sachsen-Anhalt verweist darauf, dass die empfohlenen Erreichbarkeiten für die Grundversorgung größtenteils eingehalten werden. Ähnlich sieht das auch das Sozialministerium Thüringen. „Für über 95 Prozent der Bevölkerung liegt das nächste Krankenhaus in einer Entfernung von weniger als 25 Kilometern“, so Sprecher Dr. Stefan Wogawa auf Anfrage von MDR JUMP.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 23. November 2017 | 19:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2017, 10:30 Uhr