Volker Bruch (Gereon Rath)
Volker Bruch spielt die Hauptrolle des Gereon Rath. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme

Neue TV-Serie von ARD und Sky "Babylon Berlin" setzt visuell neue Maßstäbe

Es ist ein bisher einmaliges TV-Projekt: Die ARD und Sky haben gemeinsam eine Serie von internationalem Format gedreht. "Babylon Berlin", eine Gangstergeschichte in den Wirren des Jahres 1929.

von Anna Wollner

Volker Bruch (Gereon Rath)
Volker Bruch spielt die Hauptrolle des Gereon Rath. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme

Es ist ein in der deutschen Fernsehlandschaft bisher einmaliges Projekt: Die ARD und der Bezahlsender Sky haben gemeinsam eine Serie gedreht – "Babylon Berlin". Die drei Regisseure Tom Tykwer ("Cloud Atlas", "Lola rennt", "Das Parfum" u.a.), Achim von Borries ("Was nützt die Liebe in Gedanken") und Henk Handloegten (u.a. "Tatort") lassen in der sechzehnteiligen Serie nach dem ersten Roman "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher das Berlin der Zwanziger Jahre auferstehen. Ab Freitag laufen die ersten beiden Staffeln à acht Folgen auf Sky, die Ausstrahlung in der ARD folgt im Herbst 2018.

Sittengemälde einer Zeit zwischen Party und Extremismus

Am Anfang des 38 Millionen Euro-Mammutprojektes stand vor allem die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach einem filmischen Projekt über die Weimarer Republik und die wilden Zwanziger Jahre in Berlin, welche die drei Regisseure umtrieb. Tom Tykwer erzählt:

Drehbuchautor und Regisseur Tom Tykwer mit Liv Lisa Fries (Charlotte Ritter) und Irene Böhm (Toni Ritter).
Drehbuchautor und Regisseur Tom Tykwer mit den Schauspielerinnen Liv Lisa Fries und Irene Böhm. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme

Unser Dilemma war dabei, dass ein Sittengemälde noch keine Story ist. Als dann die Gereon-Rath-Romane von Volker Kutscher auftauchten, war das wie ein Geschenk, weil Kutscher einen sehr konzentrierten Plot hat - und vor allen ein Genre voraussetzt. Wir haben plötzlich gesagt, wir könnten einen Polizeifilm machen und dann haben wir ein Sittengemälde im Gewand eines Kriminalfilms.

To, Tykwer, Regisseur
Das legendäre Moka Efti.
Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme

Es ist ein bisher einmaliges TV-Projekt: Die ARD und Sky haben gemeinsam eine Serie von internationalem Format gedreht. "Babylon Berlin", eine Gangstergeschichte in den Wirren des Jahres 1929.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 13.10.2017 08:20Uhr 03:31 min

http://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/audio-radio/audio-babylon-berlin-serie-100.html

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Erzählt wird aus dem Leben und der Arbeit von Gereon Rath, einem Kommissar in den 20er- und frühen 30er-Jahren in Berlin. Volker Kutschers Romanvorlage "Der Nasse Fisch" ist dabei nur ein loses Gerüst. Das vielschichtige Figurenensemble um Ermittler Rath und Charlotte Ritter, die ebenfalls bei der Polizei arbeitet, die Geschichte um einen Toten im Landwehrkanal und die Ermittlungen in verschiedenen Milieus haben Tykwer, von Borries und Handloegten studiert, umgeschrieben, erweitert und ausgebaut. Grenzen gab es erstmal keine, sagt von Borries.

Bildergalerie "Babylon Berlin"

Mit "Babylon Berlin" kommt endlich eine deutsche Serie ins Fernsehen, die mit aktuellen internationalen Formaten mithalten kann. Erste Eindrücke in Bildern.

Volker Bruch (Gereon Rath)
Gereon Rath (gespielt von Volker Bruch) ist der Protagonist der Serie - Kriegsheimkehrer und Kommissar. Romanautor Volker Kutscher mag seinen Helden - auch oder gerade weil er viele Ecken und Kanten hat. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme
Volker Bruch (Gereon Rath)
Gereon Rath (gespielt von Volker Bruch) ist der Protagonist der Serie - Kriegsheimkehrer und Kommissar. Romanautor Volker Kutscher mag seinen Helden - auch oder gerade weil er viele Ecken und Kanten hat. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme
Liv Lisa Fries (Charlotte Ritter) und Volker Bruch (Geron Rath)
Charlotte Ritter (gespielt von Liv Lisa Fries) lernt Gereon Rath im Berliner Polizeipräsidium kennen. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme
Das legendäre Moka Efti.
Das Berghain der 20er-Jahre: Das legendäre Moka Efti in Mitte. Oben wurde getanzt und eine Etage tiefer angeschafft. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme
Liv Lisa Fries (Charlotte Ritter)
Charlotte muss im Keller des Moka Efti anschaffen, da sie aus einer ärmlichen Familie stammt. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme
Peter Kurth (Wolter) und Liv Lisa Fries (Charlotte Ritter).
Komissar Wolter (Peter Kurth) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) ermitteln zusammen. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme
Drehbuchautor und Regisseur Tom Tykwer mit Liv Lisa Fries (Charlotte Ritter) und Irene Böhm (Toni Ritter).
Drehbuchautor und Regisseur Tom Tykwer mit den Schauspielerinnen Liv Lisa Fries und Irene Böhm. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme
Drehbuchautor und Regisseur Henk Handloegten mit Fritzi Haberlandt (Elisabeth Behnke)
Drehbuchautor und Regisseur Henk Handloegten mit Fritzi Haberlandt am Set. Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme
Volker Kutscher
Volker Kutscher hat die Romanvorlage zur Serie geschrieben. Gerade erschien sein Prequel zur Serie: "Moabit". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Illustration einer Frau auf Computermonitor
"Moabit" wurde illustriert von Kat Menschik im Plakat-Look der 20er-Jahre. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Keine kreativen Einschränkungen

Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir beim Schreiben keine Limits zulassen werden. Wir wollten die irrsten Sachen mit unseren Helden erleben - also durften wir beim Schreiben noch nicht auf das Budget gucken.

Achim von Borries, Regisseur
Drehbuchautor und Regisseur Armin von Borries
Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme

Fr 13.10.2017 09:40Uhr 01:00 min

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Die Dreharbeiten selbst haben sich die drei Regisseure untereinander aufgeteilt - aus logistischen Gründen nach Drehorten. Es gibt also keine Folge, an der nur einer gearbeitet hat. Die unterschiedlichen Handschriften verschmelzen zu einer Großen. Im Mittelpunkt und als heimlicher Hauptdarsteller steht dabei immer die pulsierende Metropole: Die "Rote Burg" am Alexanderplatz, das frühere Polizeipräsidium, in dem hinter verschlossenen Türen die Beamten ihre Machtspiele vollführten. Die Enge und das Elend des Arbeitermilieus, der protzige Reichtum der Großindustriellen, die Spießigkeit des Kleinbürgertums, die Abgründe des Nachtlebens - nachgebaut in neuen Außenkulissen des Studio Babelsberg, gedreht an Originalschauplätzen und immer auf der Suche nach Plausibilität, so Regisseur Handloegten:

Es ist nicht bis ins allerletzte Fitzelchen authentisch dargestellt, wie es damals wohl war. Das geht auch nicht und das interessiert im Grunde genommen auch keinen. Wir zeigen Berlin so, wie es noch nie gesehen wurde - weil wir es erfunden haben.

Henk Handloegten, Regisseur

Genau das ist das Erfrischende: "Babylon Berlin" sieht groß aus, fühlt sich groß an und hat einen unterhaltsamen Lerneffekt über das Leben in der damaligen Zeit, ohne den Zeigefinger zu heben oder sich als historisch verbürgte Geschichtsstunde zu verstehen. Die ersten vier Folgen müssen sich vor der internationalen Serienkonkurrenz nicht verstecken. Denn "Babylon Berlin" setzt vor allem visuell neue Maßstäbe.

Dieses Thema im Programm MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 13. Oktober 2017 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 10:41 Uhr

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