Aus einem Tankrüssel an einer Tankstelle tropft Benzin.
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Schöngerechnet Neuwagen verbrauchen deutlich mehr als angegeben

Dass der Spritverbrauch, den ein Hersteller für sein Fahrzeug angibt, nur unter Laborbedingungen eingehalten werden kann, vermuten Autofahrer schon längst. Neue Zahlen sagen aber: Der Unterschied zwischen Herstellerangaben auf dem Papier und dem realen Verbrauch wird immer größer.

Aus einem Tankrüssel an einer Tankstelle tropft Benzin.
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Das haben die Experten des International Council on Clean Transportation (ICCT) herausgefunden. Die Organisation hat bereits den Dieselskandal aufgedeckt. Jetzt geht es um den Spritverbrauch.

42 Prozent oben drauf

Tanken
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Die Forscher haben Daten für 1,1 Millionen Fahrzeuge aus den Jahren 2001 bis 2016 untersucht. Grundlage sind unter anderem reale Straßentests verschiedener Autozeitschriften und die Angaben der Hersteller. Das Ergebnis ist erschreckend: Der reale Verbrauch liegt 42 Prozent höher, als angegeben. Das bedeutet zum Beispiel: Wer einen Neuwagen kauft und mit einem Verbrauch von 6 Litern pro 100 Kilometer rechnet, der benötigt in Wirklichkeit im Durchschnitt 8,52 Liter für diese Strecke. Die Untersuchung hat gezeigt, dass dieser Wert mit jeder neuen Modellgeneration eines Herstellers weiter ansteigt. Denn noch vor zehn Jahren lag die Abweichung bei nur 15 Prozent.

Schlupflöcher werden ausgenutzt

Grund für die abweichenden Werte sind offenbar auch die nicht sehr strengen staatlichen Zulassungstests, bei denen die Hersteller bis September noch die Werte optimieren konnten. Beispielsweise durch Reifen, die besonders stark aufgepumpt wurden, damit der Rollwiderstand gesenkt wird. Jetzt gelten neue Testvorschriften, die näher an den realen Fahrbedingungen sein sollen. Zum Beispiel dauert der Test länger und wird auch bei höheren Geschwindigkeiten durchgeführt. Dadurch wird der Unterschied zwischen offiziellen und realen Spritverbrauchswerten etwa halbiert, erwarten die Forscher.

Vor allem teure Autos

Besonders hoch ist der Unterschied zwischen angegebenem und realem Verbrauch bei teureren Fahrzeugen. Deshalb sind auch mehr Firmen- als Privatwagen betroffen. Einige Modelle verbrauchen hier im Durchschnitt mindestens 50 Prozent mehr Sprit als angegeben. Hoch ist der Unterschied auch bei Hybridautos.

Ein teurer Spaß

Laut dem ICCT muss ein Autofahrer im Schnitt jährlich 400 Euro mehr für Benzin und Diesel ausgeben, als es mit dem geplanten Spritverbrauch nötig gewesen wäre. Das hat auch Auswirkungen auf die Klimaschutzziele. Denn der CO2-Ausstoß ist abhängig vom tatsächlichen Verbrauch.


Damit ihr wenigstens beim Tanken sparen könnt, haben wir für euch die günstigen Zeiten herausgefunden.

Zwei Uhren, die markieren wann es besonders günstig und wann besonders teuer ist, zu tanken
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Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 06. November 2017 | 18:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2017, 14:39 Uhr

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