Grafik zeigt den Asteroid 2012 TC4 (vorn), der am 12.10.2017 nahe an der Erde vorbeifliegt
Bildrechte: NASA/JPL-Caltech

44.000 Kilometer Entfernung Asteroid "2012 TC 4" knapp vorbeigerast

1.500 Verletzte 7.000 beschädigte Häuser, reihenweise zerbrochene Fenster - Meteorit "Tscheljabinsk“ sorgte am 15. Februar 2013 für enorme Aufregung, auch wegen der vielen Videos die seine Verwandlung in einen Meteor am Himmel zeigten. Am 12. Oktober 2017 um 7:41 Uhr ist ein Asteroid an der Erde vorbeigerast, der ähnlich groß ist: Asteroid 2012 TC 4 - in rund 44.000 Kilometer Entfernung.

Grafik zeigt den Asteroid 2012 TC4 (vorn), der am 12.10.2017 nahe an der Erde vorbeifliegt
Bildrechte: NASA/JPL-Caltech
Grafik zeigt den Asteroid 2012 TC4
Asteroid 2102 TC 4 wírd zwischen Erde und Mond hindurchfliegen. Bildrechte: NASA/JPL-Caltech

Im August 2017 bekamen die NASA und ESA-Astronomen 2012 TC4 das erste Mal wieder vor die Objektive. Denn er ist kein Unbekannter. Forscher am Pan-STARRS-Observatorium in Hawaii hatten ihn 2012 bereits entdeckt, daher auch seine Bezeichnung.
Vermutlich ist er aber schon sehr oft an der Erde vorbeigeflogen. Weil seine Bahn jedoch eiert, ändert sich die Entfernung bei jedem Vorbeiflug sehr stark. Wann er uns wieder so nahe kommt, können die Astronomen noch nicht berechnen. Sie wissen nur, dass er beim nächsten Vorbeiflug in zwei Jahren vermutlich 30 Millionen Kilometer entfernt sein wird.

Der Feuerball des Asteroids von Tscheljabinsk am Himmel am 15.Februar 2013 aufgenommen mit einer Dashcam
Tritt ein Asteroid in die Atmosphäre ein, wird er zum glühenden Meteor - wie hier am 15.2.2013 bei Tscheljabinsk. Bildrechte: ESA

43.7980 Kilometer – so nah kam Asteroid 2012 TC 4 der Erde am Donnerstagmorgen um 7.41 Uhr unserer Zeit – das bestätigte Detlef Koschny von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa im niederländischen Noordwijk. Klingt enorm weit weg, ist aber kosmisch gesehen ein Katzensprung. Das ist fast nahe genug, um unseren geostationären Satelliten gefährlich zu werden, die in 36.000 Kilometer Entfernung um die Erde kreisen.
Die Astronomen freuen sich jedenfalls darüber. Denn bisher wissen sie noch sehr wenig über den 15 bis 30 Meter großen Brocken. In der 2012 TC 4 Campaign vernetzen sie sich weltweit in einem Verbund von NASA, Observatorien und Universitäten. Sie haben den Vorbeiflug genutzt, um dieses Netzwerk zur Entdeckung und Verfolgung von Asteroiden zu testen. Esa-Mann Koschny rechnet damit, dass dadurch auch geklärt wird, woraus 2012 TC4 besteht. "Wir haben Daten, mit denen wir das herausfinden", erklärte er.

Objekte in der Größe von 2012 TC 4 nähern sich regelmäßig der Erde. Einschläge sind da schon seltener. Ein Fall wie in Tscheljabinsk kommt alle 40 bis 50 Jahre vor, sagt Rüdiger Jehn. Er leitet die Abteilung beim Europäischen Raumflugkontrollzentrum Esoc in Darmstadt, die sich mit der Erforschung “Erdnaher Objekte“ (englische Abkürzung: NEOs) befasst. Etwas wie das sogenannte Tunguska-Ereignis vor 108 Jahren gebe es nur alle 300 Jahre. Damals war ein vermutlich 40 Meter großer Brocken aus dem All in Sibirien eingeschlagen und hatte rund 2.000 Quadratkilometer Wald vernichtet.

Je größer der Asteroid, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit. Der Einschlag, der zum Aussterben der Dinosaurier geführt hat, ist 65 Millionen Jahre her.

Rüdiger Jehn, Europäisches Raumflugkontrollzentrum

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR: im Radio | 11.10.2017 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 08:37 Uhr