Ein Kunde geht durch die Tür eines Jobcenters
Bildrechte: dpa

Arbeitsmarkt Immer mehr Jobs befristet

Die Zahl befristeten Verträge bei Neueinstellungen steigt. Gerade junge Menschen sind betroffen und haben es immer schwerer an einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu kommen.

Ein Kunde geht durch die Tür eines Jobcenters
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Eine sichere berufliche Perspektive sieht anders aus: die Zahl der befristeten Neueinstellungen nimmt massiv zu. Fast jeder zweite neue Angestellte hat im letzten Jahr nur einen befristeten Arbeitsvertrag erhalten. Das zeigt eine aktuelle Anfrage an die Bundesregierung. Insgesamt 45 Prozent der Neueinstellungen waren 2016 befristet, im Jahr zuvor waren es noch 41 Prozent. Bei den 25- bis 39-Jährigen war sogar die Hälfte der Neueinstellungen befristet. Prof. Stefan Sell von der Uni Koblenz forscht zu befristeten Arbeitsverträgen und die gibt es nicht nur in der Privatwirtschaft, wie man vielleicht denken könnte:

Man muss genau hinschauen. Es gibt ja zwei große Bereiche: Die Privatwirtschaft und der öffentliche Dienst. Und der Anteil der Befristungen im öffentlichen Dienst ist höher als in der Privatwirtschaft.

Sell sieht das Problem vor allem darin, dass gerade junge Leute keine Chance auf einen unbefristeten Vertrag mehr haben. "Es gibt immer mehr Menschen, die von einem befristeten Job zum nächsten hecheln", so Sell. Das nehme Sicherheit und fördere Existenzängste.

Aufgeschlüsselt nach Alter ergab sich eine Quote von fast 60 Prozent Befristungen für die unter 20-Jährigen. Bei den 25- bis 39-Jährigen war es rund die Hälfte. Einen besonders großen Sprung gab es in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen. Dort wurden 38 Prozent der Neueingestellten im Jahr 2015 befristet beschäftigt, im Jahr 2016 waren es 49 Prozent. Basis für die Daten ist die Stellenerhebung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit.

Warum so viele Befristungen?

Es gibt manchmal gute Gründe, warum eine Stelle befristet ist, zum Beispiel, wenn es sich um eine Schwangerschafts- oder Krankheitsvertretung handelt. Solche Stellen auf Zeit wird es immer geben. "Die problematische ist die sachgrundlose Befristung", so Sell. Sie führt dazu, dass Mitarbeiter nicht aus einer Befristungsspirale herauskommen:

Da kann man ein rein betriebswirtschaftliches Kalkül unterstellen. Da geht es darum die Leute als flexible Verschiebemasse verwenden zu können.

Leiharbeit als "übelste Form der Befristung"

Am schlimmsten trifft es Jene, die sowieso schon schlecht verdienen, erklärt Stefan Sell:

Die krasseste und übelste Form der Befristung - gerade in den neuen Bundesländern - ist ja die Leiharbeit. Über 50 Prozent der Leiharbeiter haben oft Arbeitsverträge von bis zu drei Monaten und dann wechseln sie ständig von zu kurz befristeten Arbeitsverträgen in die Arbeitslosigkeit und dann wieder zurück in die Leiharbeit.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 06. September 2017 | 19:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2017, 10:30 Uhr

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