Vom Hubschrauber aus werden 2007 die Hochspannungsleitungen der e-on Thüringer Energie AG inspiziert.
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Von Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Bayern: Umstrittene Stromtrasse am Netz

Die "Thüringer Strombrücke" ist am Donnerstag offiziell ans Netz angeschlossen worden. Am Festakt in Berlin mit Netzbetreiber 50Hertz nahm Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) teil. Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) sagte aus Termingründen ab. Für die 160 Kilometer lange 380-Kilovolt-Freileitung investierte 50Hertz nach eigenen Angaben rund 320 Millionen Euro. Planung und Bau dauerten mehr als zehn Jahre

Vom Hubschrauber aus werden 2007 die Hochspannungsleitungen der e-on Thüringer Energie AG inspiziert.
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Die Trasse führt vom Umspannwerk Lauchstädt in Sachsen-Anhalt nach Thüringen zum Umspannwerk Vieselbach bei Erfurt und von dort über das Umspannwerk Altenfeld und quer über den Rennsteig bis zum Umspannwerk Redwitz in Oberfranken. Der südliche Abschnitt nach Bayern wurde vom Übertragungsnetzbetreiber TenneT errichtet. Teilweise stehen die Strommasten entlang der neuen ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt.

Die sogenannte Thüringer Strombrücke bringt jetzt Strom von Norddeutschland in die südlichen Bundesländer. So soll vor allem der Windstrom aus dem Nordosten besser transportiert werden. Eigentlich sollte die "Thüringer Strombrücke" schon viel früher stehen. Zuletzt sollte sie fertig sein, bevor das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld in Bayern vom Netz geht - das war 2015.
Gegen die insgesamt rund 190 Kilometer lange Hochspannungsleitung von Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Oberfranken hatten sich aber immer wieder Bürgerinitiativen, Kommunalpolitiker und Umweltschützer stark gemacht.

Siegesmund von Anbeginn erklärte Gegnerin des Projekts

Thüringens heutige Umweltministerin Anja Siegesmund hatte sich von Anfang an gegen Stromtrassen durch Thüringen ausgesprochen. Nach Ministeriumsangaben war das Strombrücken-Projekt bei ihrem Amtsantritt im Jahr 2014 bereits so weit fortgeschritten, dass auf den Trassenverlauf kein Einfluss mehr genommen werden konnte. Die Entscheidung war im Juli 2013 mit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gefallen. Die Richter hatten damals Klagen aus dem Ilm-Kreis gegen die Trasse abwiesen.

Viel Gegenwind für Windkraft aus dem Norden

Bei den Stromtrassen Südlink und Südostlink soll das anders werden. Nach dem Willen der Thüringer Landesregierung soll die umstrittene Gleichstromtrasse Südlink am Freistaat vorbeiführen. Der Trassenvorschlag des Infrastrukturministeriums sieht einen Verlauf deutlich weiter westlich als bisher geplant vor.

Wie viele Trassen verkraftet Thüringen?

Geplante Starkstromtrasse durch Thüringen
Mögliche Trassenkorridore Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gegen die Stromtrasse gibt es auch in den betroffenen Regionen scharfe Kritik. Wie die rot-rot-grüne Landesregierung lehnen auch örtliche Initiativen die Trasse "Südlink" ebenso ab wie die in Ostthüringen geplante Leitung "Südostlink". Ihre Begründung: Thüringen habe seinen Beitrag zur Energiewende und dem Ausbau des Stromnetzes schon mit der "Strombrücke" durch den Thüringer Wald geleistet. Die ursprünglich als Freileitung geplante Gleichstromtrasse Südlink sollte laut TenneT ursprünglich nicht durch Thüringen führen. Die vom Bundestag im letzten Jahr beschlossene Priorität für eine Erdverlegung neuer Stromtrassen veranlasste den Netzbetreiber jedoch, den Trassenverlauf zu ändern. Über beide Trassenverläufe ist noch nicht endgültig entschieden.

Neue Biosphärenreservats-Verordnung soll "Südlink"-Trasse durch Thüringen verhindern

Die Landesregierung will den Verlauf der "Südlink"- Trasse durch Thüringen mit einer weiteren Initiative noch verhindern. Wie das Umweltministerium MDR THÜRINGEN mitteilte, soll es bis Jahresende eine neue Biosphärenreservats-Verordnung geben. Der entsprechende Gesetzentwurf sei zweimal im Kabinett behandelt worden und soll nun in den Landtag eingebracht werden. Die Verordnung soll Stromtrassen in Naturgebieten verbieten.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13.09.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 21:42 Uhr