MDR JUMP informiert : Chronologie des Scheiterns am Hauptstadtflughafen BER
Schon kurz nach dem Mauerfall kam die Idee auf, die Flughäfen Tegel, Tempelhof und Schönefeld durch einen einzigen Flughafen zu ersetzen. Die Politik wurde nicht müde, zu betonen, wie wichtig das Projekt für die Region und für Deutschland sei. Doch auch 23 Jahre nach Wende ist der neue Flughafen BER noch immer nicht in Betrieb und die Eröffnung muss immer wieder verschoben werden. Zu groß sind die Baumängel und zu peinlich das Missmanagement. Wir haben die Chronologie des Desasters zusammengefasst.
Sommer 1996
Berlin, Brandenburg und der Bund einigen sich auf den Standort des neuen Flughafens. Er soll neben dem Flughafen Schönefeld gebaut werden, südöstlich von Berlin. Die bisherigen Flughäfen Tegel, Tempelhof und Schönefeld sollen geschlossen werden, sobald der neue Flughafen in Betrieb geht.
Sommer 2004
Die Landesregierung in Potsdam erteilt den Planfeststellungsbeschluss für das größte ostdeutsche Infrastrukturvorhaben, den Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI). Planfeststellungen sind die Voraussetzung für umfangreiche Projekte, wie den Bau eines Kanals, eines Flugplatzes, einer Gleisanlage, einer Mülldeponie oder Autobahn. Im Rahmen der Planfeststellung laufen Bürgerbefragungen und danach wird die Baugenehmigung erteilt. Kosten des BER: 2,8 Milliarden Euro.
Frühjahr 2006
Gegner des Flughafens klagen vor dem Bundesverfassungsgericht und verlangen einen Baustopp. Das Bundesverfassungsgericht weist die Klage von Anwohnern zurück und bestätigt die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, dass den Bau des Berliner Flughafen gebilligt hatte.
Herbst 2006
Der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck setzen den ersten Spatenstich. Spätestens zum Winterflugplan 2011/2012 soll Europas größtes Flughafenprojekt fertig sein. Im Juli 2008 beginnen die Arbeiten am Terminal und im Herbst des Jahres wird der Flughafen in Tempelhof geschlossen.
Sommer 2010
Es wird klar, dass der geplante Eröffnungstermin nicht gehalten werden kann. Nun soll der Flughafen am 3. Juni 2012 eröffnet werden. Grund für die Verschiebung sind neue EU-Richtlinien, die Umbauten notwendig machen und die Pleite einer Planungsfirma.
Sommer 2012
Nur vier Wochen vor der geplanten Eröffnung kommt raus, dass der Start erneut verschoben werden muss. Der neue Flughafen bekommt keine Genehmigung, weil die Brandschutzauflagen nicht erfüllt werden. Die ersten Köpfe rollen: Der Technikchef muss gehen - ebenso der Generalplaner. Nun soll der Flughafen im Frühjahr 2013 eröffnet werden.
Herbst 2012
Der Zeitplan der Bauarbeiten gerät durcheinander. Deshalb wird die Eröffnung erneut verschoben, auf Ende Oktober 2013. Jetzt wird auch klar: Der Flughafen wird deutlich teurer. Es klafft eine Finanzierungslücke von 1,2 Milliarden Euro. Berlin, Brandenburg und der Bund springen in die Presche. Damit steigen die Gesamtkosten von 2,8 auf 4,3 Milliarden Euro.
Winter 2012
Das Ausmaß der Baumängel wird immer größer. Mehrere Gutachten kommen zu dem Schluss, dass der Flughafen viel zu klein ist. Sowohl die Check-in-Schalter als auch die Gepäckbänder sollen schon bei der Inbetriebnahme des Flughafens voll ausgelastet sein. Anfang Januar 2013 tritt der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft Klaus Wowereit zurück, weil auch der Eröffnungstermin im Oktober 2013 wegen Brandschutzmängeln nicht gehalten werden kann. Neuer Chefaufseher wird Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck. Gleichzeitig wird der Geschäftsführer Rainer Schwarz entlassen. Er bekommt rund 1,8 Millionen Euro Abfindung.
Aufgrund der umfangreichen Baumängel wird inzwischen sogar ein Teilabriss diskutiert. Der Flughafen Tegel muss nun länger als geplant in Betrieb bleiben. Weil er aber schon jetzt am Limit arbeitet, soll er für etwa 50 Millionen Euro saniert und umgebaut werden.
Frühjahr 2013
Ex Bahn- und Air Berlin-Chef Hartmut Mehdorn wird Chef des BER. Zuvor hatte er als Chef der Airline noch eine Feststellungsklage auf Schadensersatz gegen die BER-Betreiber einreichen lassen, weil Air Berlin von den Verzögerungen am meisten betroffen ist. Und er will es anders machen: Mehdorn schlägt vor, den Flughafen stufenweise zu eröffnen. Der Aufsichtsrat und Vize-Chef Klaus Wowereit lehnen das allerdings ab.
Neuer Ärger kommt aus Brüssel: Die EU hat gegen Deutschland ein Verfahren wegen Vertragsverletzung eingeleitet. Grund sind Beschwerden, wonach Flugrouten geändert worden seien, ohne erneut zu untersuchen, welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat.

