Angeklagten und ihre Anwälte im Landgericht Leipzig
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Drei Männer angeklagt Prozess gegen Unister-Manager hat begonnen

Angeklagten und ihre Anwälte im Landgericht Leipzig
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Mit der mehrstündigen Verlesung der Anklage hat der Prozess am Landgericht Leipzig gegen drei ehemalige Manager des Internetkonzerns Unister begonnen. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft den Männern Betrug und Steuerhinterziehung vor.

Zwei der Angeklagten sollen demnach zwischen 2010 und 2014 Kunden in rund 87.000 Fällen zu hohe Flugpreise berechnet haben. Beim sogenannten Runterbuchen werden den Kunden die regulären Ticketpreise der Fluggesellschaften im Vergleichsportal angezeigt. Sobald sie den Flug verbindlich buchen, prüft das Portal, ob der Flug doch günstiger zu bekommen ist. Ist das der Fall, erfahren die Kunden aber nichts davon: Die Differenz soll Unister für sich behalten haben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wurden die Kunden dabei um mehr als 7,6 Millionen Euro geschädigt.

Laut Anklage haben die Ex-Manager außerdem sogenannte Serviceentgelte nicht richtig versteuert. Es sei "um den größtmöglichen Gewinn" gegangen, sagte Dirk Reuter von der Generalstaatsanwaltschaft. Dadurch sei ein Steuerschaden von rund 790.000 Euro entstanden.

Weiterhin kein Schuldeingeständnis

Das Unternehmen hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Verteidiger Thomas Filler sagte am Rande der Verhandlung, das sogenannte Runterbuchen sei "seit 30 Jahren weltweite Praxis. Kein Mensch versteht in der Branche, was hier los ist." Neben dem ehemaligen Finanzchef Daniel Kirchhof sind der Ex-Finanzchef der Tochterfirma Travel24, Thomas Gudel, und Holger Friedrich, der Leiter Flugbereich der Unister-Gruppe, angeklagt.

Aussagen angekündigt

Kirchhof kündigte an, sich im Prozess umfangreich äußern zu wollen: "Ich hoffe, dass ich vollständig entlastet werde." Das Vorgehen der Ermittler sei für ihn "nahezu existenzvernichtend in wirtschaftlicher wie in persönlicher Hinsicht". Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein sprach im Interview mit dem MDR von mühsamen Ermittlungen: "Es fällt natürlich schwer, den beteiligten Personen konkret ein strafbares Handeln nachzuweisen." Die Wirtschaftsstrafkammer hat für den Prozess bis Juni 18 Verhandlungstage angesetzt.

Razzia bereits vor vier Jahren

Bereits im Dezember 2012 durchsuchten Fahnder die Geschäftsräume des Leipziger Internetunternehmens. Anschließend kamen die drei Beschuldigten in Untersuchungshaft. Im vergangenen Jahr starb dann Gründer Thomas Wagner bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien, unmittelbar danach meldete Unister Insolvenz an. Auch gegen Wagner war ermittelt worden, er galt als die zentrale Figur des Internetunternehmens. Die Richter werden daher genau klären müssen, wer bei Unister welche Entscheidungen getroffen hat und was die Angeklagten wussten. Das könnte für eine lange Beweisaufnahme sorgen.

Ermittlungen gegen Betrug um Thomas Wagner

Unabhängig von dem Prozess versucht die Generalstaatsanwaltschaft Dresden einen mysteriösen Betrug aufzuklären, dem Wagner vor seinem Tod zum Opfer gefallen sein soll. Er soll in Venedig einem angeblichen israelischen Diamantenhändler 1,5 Millionen Euro übergeben haben, um im Gegenzug einen Kredit über 15 Millionen Euro für sein angeschlagenes Unternehmen zu bekommen. Wagner erhielt allerdings Falschgeld und starb, als sein Kleinflugzeug auf der Rückreise von Venedig aus abstürzte. Gegen einen 69 Jahre alten mutmaßlichen Vermittler dieses Deals ist inzwischen Anklage erhoben worden.

Investor kauft Travelgeschäft

Positive Nachrichten gibt es hingegen von der Unister-Reisesparte. Kurz vor Weihnachten teilte der Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit, dass der tschechische Investor Rockaway Capital SE die Reisesparte übernimmt. Alle 520 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Nun steht noch das sogenannte Non-Travel-Geschäft von Unister zum Verkauf. Nach Angaben des Insolvenzverwalters hatte das gesamte Unternehmen zuletzt noch rund 800 Mitarbeiter.

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio MDR 1 RADIO SACHSEN | 11.01.2017 | ab 9 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2017, 20:31 Uhr