Luftaufnahme des Hermes-Versandzentrums in Haldensleben
Wenn es nach dem Leiter des Hermes-Versandzentrums in Haldensleben geht, soll dort künftig auch nachts gearbeitet werden. Bildrechte: Hermes Fulfilment

Versandhandel Nachtschicht für schnelle Pakete

In Ballungsgebieten liefert Amazon manchmal sogar schon am Bestelltag. Der Druck in der Versandhandelsbranche wächst. Das hat auch Auswirkungen auf das große Hermes-Versandzentrum in Haldensleben. Dort soll künftig auch nachts gearbeitet werden – auf freiwilliger Basis.

von Mario Köhne, MDR SACHSEN-ANHALT

Luftaufnahme des Hermes-Versandzentrums in Haldensleben
Wenn es nach dem Leiter des Hermes-Versandzentrums in Haldensleben geht, soll dort künftig auch nachts gearbeitet werden. Bildrechte: Hermes Fulfilment

Beim Gang über das Gelände des Versandzentrums von Hermes am Stadtrand von Haldensleben hat man eigentlich nicht den Eindruck, als seien die Pakete im Stress. Ruhig aber stetig schieben sie sich auf Laufbändern durch die gläsernen Übergänge, die die Lagerhallen miteinander verbinden und unter denen die Geh- und Radwege hindurch führen. Insgesamt 190 Millionen Artikel werden hier und an der kleineren Außenstelle am Haldensleber Südhafen jährlich für Kunden in ganz Europa verpackt. Tendenz steigend. Größte Kunden sind OTTO und bonprix.

Ein Mann steht in einem Raum und laechelt in die Kamera. Im Hintergrund haengen an der Wand zwei Fotos in Bilderrahmen.
Andreas Hennig ist Leiter des Hermes-Versandzentrums in Haldensleben. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Derzeit wird im Versandzentrum 18 Stunden am Tag gearbeitet: von morgens halb sechs bis nachts um eins. Aber Hermes möchte die Arbeitszeit an bestimmten Tagen in der Woche auf 24 Stunden ausdehnen. Für einen Teil der insgesamt rund 3.700 Mitarbeiter würde das Nachtschicht bedeuten. Der Leiter des Versandzentrums, Andreas Hennig, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Kunden forderten Lieferzeiten von 48 Stunden. "Die Wettbewerber werden immer schneller und da müssen wir mitziehen. Und ehrlich gesagt laufen wir da etwas hinterher."

Gespräche mit Betriebsrat laufen

Wie die Ausweitung der Arbeitszeit funktionieren kann, probiert Hermes gerade am kleineren Haldensleber Standort aus. Seit Anfang Oktober können Mitarbeiter am Südhafen die Nachtschicht übernehmen – freiwillig. Das Angebot sei sehr gut angenommen worden, berichtet Hennig. Es habe mehr Freiwillige als Schichten gegeben. Bis Januar läuft die Probephase noch. Parallel führt Hermes Gespräche mit dem Betriebsrat über die Ausweitung der Arbeitszeit. Hennig bezeichnet sie als "sehr umkämpft". Verhandlungsmasse ist dabei vor allem die Kompensation der Nachtschichten. Neben den Zuschlägen geht es um Freizeitausgleich und die Regenerationszeit nach den nächtlichen Einsätzen.

Auf einem Parkplatz stehen mehrere Lkw mit Anhaengern und der Aufschrift -Hermes-.
Am Hermes-Standort in Haldensleben arbeiten knapp 4.000 Mitarbeiter. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Bei der Gewerkschaft ver.di sieht man die Entwicklung am Haldensleber Versandzentrum, das zu den größten in Deutschland zählt, kritisch. Sprecher Jörg Lauenroth-Mago sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Nachtschichten seien sehr belastend für Menschen. Es müsse gute Argumente für eine Ausweitung der Arbeitszeiten geben. Er sehe die Gründe dafür nicht. Die Kompensationsmaßnahmen seien nur die zweitbeste Lösung. Lauenroth-Mago befürchtet außerdem einen Domino-Effekt. Denn Nachtarbeit ist in der Versandbranche bisher nicht üblich. Umso wichtiger ist dem Gewerkschaftssekretär die Freiwilligkeit. Niemand solle zur Nachtarbeit gezwungen werden.

Nachtschichten sollen freiwillig sein

In einem Versandzentrum sind in einem Hochregal Dutzende Pakete gelagert.
Jährlich werden aus Haldensleben 190 Millionen Artikel für Kundern aus ganz Europa verpackt. Bildrechte: Hermes Fulfilment

Geht es nach Standort-Leiter Hennig, bietet Hermes die Nachtschichten im gesamten Haldensleber Versandzentrum tatsächlich freiwillig an. Dann müsse aber ein großer Teil der Belegschaft mitmachen, damit so ein System funktioniere. Hennig hofft, dass die Verhandlungen mit dem Betriebsrat bis zum Frühjahr abgeschlossen sind. Denn im März startet die Zeit des Jahres, in der die meisten Pakete das Versandzentrum im Landkreis Börde verlassen.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11.11.2017 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2017, 07:50 Uhr