Rosen liegen vor dem Bild von Oury Jalloh am Hauptbahnhof in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt)
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Feuertod in Polizeizelle Ermittlungen im Fall Oury Jalloh eingestellt

Die Ermittlungen im Fall Oury Jalloh sind am Donnerstag eingestellt worden. Der Asylbewerber war vor zwölf Jahren in einer Polizeizelle verbrannt. Warum der Brand ausgebrochen war, könne nicht abschließend geklärt werden, teilte die Staatsanwaltschaft Halle mit.

Rosen liegen vor dem Bild von Oury Jalloh am Hauptbahnhof in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt)
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Die Staatsanwaltschaft Halle hat die Ermittlungen zum Tod von Oury Jalloh eingestellt. Diese Entscheidung sei nach "sorgfältiger Prüfung" aller vorliegenden Erkenntnisse getroffen worden, teilte die Leitende Oberstaatsanwältin Heike Geyer am Donnerstag mit. Es gebe keine ausreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter beim Ausbruch des Feuers. Eine weitere Aufklärung sei nicht zu erwarten.

Die Auswertung mehrerer Gutachten lasse nur den Schluss zu, dass der Ausbruch des Brandes, dessen Verlauf und das Verhalten von Oury Jalloh nicht sicher nachgestellt werden könne und eindeutig zu bewerten sei. Auch habe ein Versuch im vergangenen Jahr, bei dem zwei Sachverständige den Brand nachstellten und untersuchten, keine sicheren Erkenntnisse gebracht.

Selbstanzündung kann nicht ausgeschlossen werden

Dass Oury Jalloh mit einer großen Menge Brandbeschleuniger angezündet wurde, haben Gutachter laut Staatsanwaltschaft ausgeschlossen. Die Rechtsmediziner gingen davon aus, dass Jalloh bei Ausbruch des Feuers gelebt habe. Dass er selbst den Brand gelegt hat, könne deshalb nicht ausgeschlossen werden. Die Anwälte der Hinterbliebenen könnten nun die Verfahrensakten einsehen, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

Der Asylbewerber Oury Jalloh aus Sierra Leone war im Januar 2005 verbrannt in einer Zelle im Polizeirevier in Dessau aufgefunden worden. Er war gefesselt auf einer Matratze gestorben. Im Jahr darauf waren in einem ersten Prozess zwei Polizisten in Dessau freigesprochen worden.

Linke: Entscheidung der Staatsanwaltschaft "unfassbar"

Mehrere Politiker kritisierten die Einstellung der Ermittlungen. "Ermittlungsende ist eine nicht hinzunehmende Niederlage des Rechtsstaats", schrieb etwa der Grünen-Innenpolitiker Sebastian Striegel bei Twitter. "Unfassbar", twitterte der parlamentarische Geschäftsführer der Linken-Fraktion, Stefan Gebhardt.  

Wechsel der Ermittler im August

Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil gekippt hatte, wurde ein Beamter 2012 vom Landgericht Magdeburg wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt. Eine erneute Revision verwarf der BGH 2014.

Vor einigen Monaten hatte die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg das Verfahren an die Staatsanwaltschaft in Halle übertragen. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau an dem Fall gearbeitet. Erst im September hatten die Linke und die Grünen im Landtag gefordert, die Ermittlungen im Fall Jalloh zu intensivieren.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12.10.2017 | 17:00 Uhr

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 19:47 Uhr