mobiles Blitzgerät
Bildrechte: MDR/Bernd März

Kaum Raser-Unfälle ADAC stellt Blitzer am Magdeburger Ring in Frage

Die Stadt Magdeburg plant mehr Geschwindigkeitskontrollen auf dem Ring. Mit den Messungen soll der beste Standort für eine so genannte "Blitzerkabine" gefunden werden, um die Verkehrssicherheit auf der Strecke zu erhöhen. Doch laut Polizei gibt es auf dem Ring ohnehin kaum Raser-Unfälle.

mobiles Blitzgerät
Bildrechte: MDR/Bernd März

Die Stadt Magdeburg kontrolliert auf der "Ring"-Schnellstraße öfter die Geschwindigkeiten. "Damit soll die Verkehrssicherheit auf Magdeburgs längster Straße weiter erhöht werden", heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus. Doch laut Polizei gibt es die meisten Unfälle gar nicht auf der Schnellstraße, sondern an den Auf- und Abfahrten. Danach geschehen fast alle Unfälle aus Unachtsamkeit – und nicht etwa durch zu schnelles Fahren.

In den vergangenen Jahren ließ sich laut Polizei nur ein einziger Unfall auf dem Ring auf überhöhte Geschwindigkeit zurückführen – von insgesamt 173 (2015) und 199 (2016) Unfällen. Angesichts dieser Zahlen hinterfragt Christine Rettig, Sprecherin des ADAC Sachsen-Anhalt, den Sinn des vermehrten Blitzer-Einsatzes:

Christine Rettig - ADAC
Christine Rettig, Sprecherin des ADAC Bildrechte: ADAC

Es ist die Frage, ob es notwendig ist, auf einer Strecke, wo nachweislich ein Unfall in zwei Jahren passiert ist, unbedingt einen stationären Blitzer aufzustellen oder Ressourcen aufzuwenden, um vermehrt Kontrollen durchzuführen.

Die "Ressourcen“, von denen Christine Rettig spricht, sind ohnehin begrenzt. Die Stadt Magdeburg verfügt derzeit über einen mobilen Blitzer, ein weiteres Gerät soll erst noch angeschafft werden.

Rettig ist sich sicher, dass es in Magdeburg viele Standorte gibt, an denen das Blitzen sinnvoller ist und tatsächlich für mehr Verkehrssicherheit sorgen würde: "Dort, wo Fußgänger die Straße überqueren – also vor Kindergärten, Altenheimen und  Schulen – müssen wir auch viel mehr darauf achten, dass die Leute sich auch an die Geschwindigkeitsregeln halten. Dann haben wir natürlich Punkte wie Kreuzungen und Fahrrad-Überwege. Das sind besonders gefährdete Punkte, wo wichtig ist, dass sich der Autofahrer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hält."

Stadt hält an Kontrollen fest

Amy und Luca üben mit der Mama von Amy das Verhalten auf dem Schulweg und das richtige Überqueren einer Straße.
Gerade an Schulwegen können Geschwindigkeitskontrollen für mehr Sicherheit sorgen, meint der ADAC. Bildrechte: dpa

Magdeburgs Oberbürgermeister Trümper verteidigt die Geschwindigkeitsmessungen auf dem Ring, der so genannten "Tangente". Schließlich werde, wie gefordert, auch an Schulen und Kindergärten kontrolliert: "Wir haben uns bemüht, dass wir die Blitzer da einsetzen, wo Gefahrensituationen sind – aber auch an Stellen, wo gerast wird. Jetzt suchen wir auf der Tangente eine Stelle, wo dann eine leere Hülle für unseren mobilen Blitzer hingestellt wird. Dort wird dann manchmal gemessen, aber nicht immer."

Die Kabine soll lediglich eine Art Unterstand sein, in den das mobile Blitzgerät hinein gestellt wird. Sie solle hauptsächlich nachts oder am Wochenende mit der Radarfalle bestückt werden.

Den Vorwurf, dass die Stadt mit der Maßnahme lediglich mehr Geld eintreiben möchte, macht Christine Rettig vom ADAC nicht: "Ein Limit von 80 Stundenkilometern ist dafür da, dass der Verkehr stetig rollen soll. Und wenn dort Leute unterwegs sind, die sich nicht an Geschwindigkeitslimits halten, und mit sehr überhöhter Geschwindigkeit dort lang rasen, ist das nicht förderlich."

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2017, 21:11 Uhr