Weihnachts-ABC Angeberwissen für die besinnliche Jahreszeit

Endlich ist die Weihnachtszeit zurück! Stollen, Schwibbogen und Schmuck für den Christbaumbaum können ausgepackt werden und das Fest kann beginnen. Allerdings wird das erst mit alten Bräuchen so richtig schön. Ohne Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wären wir um ein paar Traditionen ärmer.

Weihnachtsmänner aus Tannenzapfen stehen in einer Reihe
Bildrechte: colourbox.com

Z wie Zapfen

Z wie Zapfen

Heute ist Frau Holle vor allem für die weiße Weihnacht zuständig. Früher fuhr sie, einer Sage zufolge, mit einem goldenen Wagen durch Thüringen. Den braven Thüringern warf sie Tannenzapfen in den Flur. Die waren am nächsten Tag aus purem Gold. Ob die Faulen mit Pech bestraft wurden, ist allerdings nicht überliefert.


Das Wort "Sohn Gottes" beginnt im griechischen mit dem Buchstaben "Y". Deshalb wird er häufig als "Weihnachtsbuchstabe" bezeichnet.

Weihnachtsrekord: Der Saalfelder XXL-Santa
Bildrechte: MDR JUMP

X wie XXL & Y wie Epsilon

X wie XXL & Y wie Epsilon

Wenn es um Weihnachtsrekorde geht, dann ist Mitteldeutschland ganz vorne: zum Beispiel mit der gewaltigsten Weihnachts-Pyramide in Johanngeorgenstadt. In Saalfeld ist man besonders stolz auf den 6,4 Meter großen aufblasbaren Weihnachtsmann.

Das Wort "Sohn Gottes" beginnt im griechischen mit dem Buchstaben "Y". Deshalb wird er häufig als "Weihnachtsbuchstabe" bezeichnet.

V wie verkehrt herum & W wie Weiße Weihnacht

V wie verkehrt herum & W wie Weiße Weihnacht

In Thüringen wurde früher der Weihnachtsbaum an der Decke aufgehängt, oft auch mit der Spitze nach unten. Eigentlich ganz praktisch, denn so konnte der Baum nicht so leicht umgestoßen werden.

Neben dem Weihnachtsbaum ist auch immer das Wetter eine der wichtigsten Fragen rund um Weihnachten. Eine Frage beschäftigt immer alle: Wird es Schnee zu Weihnachten geben? Aber: In diesem Jahr sieht es schlecht aus mit weißer Weihnacht. Statistisch gesehen gibt es sowieso nur alle acht Jahre Schnee an den Feiertagen.

Besucherbergwerk Röhrigschacht Wettelrode bei Sangerhausen
Bildrechte: Rosenstadt Sangerhausen GmbH

U wie Unter Tage

U wie Unter Tage

In Wettelrode bei Sangerhausen geht's unter Tage hoch her. Bei der bergmännischen Weihnacht fuhren die Kumpel ursprünglich in ihren festlichen Uniformen 300 Meter tief in den Schacht, um das ertragreiche Jahr zu feiern. Erich Hartung vom Röhrigschacht Wettelrode erinnert sich:
"Das Weihnachtsfest war der Höhepunkt im Bergmannsleben. Und wer viel Staub geschluckt hat, musste den Staub auch wegspülen, deshalb spielten Getränke in dieser Zeit immer eine große Rolle."
In Wettelrode wird heute nicht mehr geschürft, die Bergmännische Weihnacht im Besucherbergwerk gibt es aber immer noch.

T wie Thomasnacht

T wie Thomasnacht

So heißt die längste Nacht des Jahres. In Thüringen und Böhmen saß man in dieser Nacht bei Handarbeiten zusammen. Darum hielt sich auch viele Jahrhunderte die Bezeichnung „Durchspinn-Nacht". Außerdem verkürzte man sich mit Spielen, Tanz, viel Essen und jeder Menge Alkohol die dunklen Stunden und machte die Nacht zum Tag.

Schwibbogen
Bildrechte: MDR/Stefanie Markert

S wie Schwibbogenstreit

S wie Schwibbogenstreit

Wer hat den Größten? Darum streiten sich seit Jahren zwei Erzgebirger. Der Gelenauer-Schwibbogen steht seit einigen Jahren im Guinnessbuch der Rekorde. Aber Siegfried Ott aus Johanngeorgenstadt hat eine eigenen Meinung dazu: "Ich hatte damals den größten Schwibbogen errichtet. Und darauf gab's einen in der Nähe von Chemnitz, in Gelenau, und er hat seinen eigenen Schwibbogen vergrößert durch Anbau von Elementen und ist damit, sagen wir mal, der größte Leuchtebogen in der Region." Aber, aber, liebe Erzgebirger - auf die Größe kommt's doch gar nicht an!

Sankt Nikolaus
Bildrechte: IMAGO

R wie Ruprecht

R wie Ruprecht

Auch besser bekannt als Knecht Ruprecht. Während im Mittelalter der Heilige Nikolaus am 6. Dezember die Geschenke brachte, war Gehilfe Ruprecht für die Bestrafung der bösen Kinder verantwortlich. Die beiden wurden im 16. Jahrhundert durch das Christkind ersetzt und die Bescherung auf den Heiligen Abend verschoben. Wahrscheinlich kam Martin Luther auf die Idee, als er in Thüringen war. Seit über 80 Jahren kommt nun der Weihnachtsmann - mit Geschenken für die guten und einer Rute für die frechen Kinder.

Q wie Quedlinburg

Q wie Quedlinburg

Die Adventsstadt Quedlinburg lädt seit vielen Jahren zum "Advent in den Höfen". Engel und Frau Advent verzaubern mit Sternenstaub die Besucher und führen sie gemeinsam durch die historischen Höfe. Die bleiben sonst das ganze Jahr über geschlossen. Töpfer, Künstler und Kerzenzieher bieten ihre Waren an. Ein entzückendes und an vielen Ständen auch köstliches Vergnügen.

Pfefferkuchenmännchen
Bildrechte: Colourbox.de

P wie Pulsnitzer Pfefferkuchen

P wie Pulsnitzer Pfefferkuchen

Eine Zutat sucht man in den Oberlausitzer Leckereien vergebens: den Pfeffer! Der war im Mittelalter ein Sammelbegriff für exotische Gewürze wie Kardamom, Muskatnuss und Zimt, die tatsächlich in die Pfefferkuchen kommen. Das beliebte Weihnachtsgebäck hat ganzjährig Saison, weiß Pfefferküchlermeister Christian Nittsche: „Im Frühjahr und Sommer wird mehr die glasierte Ware gegessen, im Winter die gefüllte."
Im 16. Jhd. hatten die Pulsnitzer Bäcker übrigens strenge Auflagen: Sie durften erst ihre Pfefferkuchen verkaufen, wenn sie genügend Roggenbrot gebacken hatten!

Johannes Daniel Falk, in einer zeitgenössischen Darstellung
Bildrechte: dpa

O wie "Oh du fröhliche"

O wie "Oh du fröhliche"

Dieses Weihnachtslied gilt als das meistgesungene im deutschsprachigen Raum. Geschrieben wurde es 1816 in Weimar von Johannes Daniel Falk (siehe Bild) als Trost für Waisenkinder. Und auch das bekannte Weihnachtslied "Alle Jahre wieder" stammt aus der Feder eines Thüringers - vom Dichter Wilhelm Hey. Selbst Reformator Martin Luther hat ein sehr berühmtes Weihnachtslied verfasst. Mitteldeutschland ist also eine echte Weihnachtshitschmiede!

N wie Neinerlaa

N wie Neinerlaa

Im Erzgebirge und im Vogtland kommen an Weihnachten gleich neun Gerichte auf den Tisch. Die einzelnen Bestandteile des Menüs haben jeweils eine bestimmte Bedeutung, weiß Sophie Köhler aus dem Ratskeller „Zum Neinerlaa" in Annaberg-Buchholz: "Die Linsen zum Beispiel steht für das kleine Geld und das Kraut für die gute Ernte und das lange Stroh. Also es hat was mit dem Aberglauben zu tun, was man sich für's neue Jahr wünscht. Nicht wundern also wenn Rotkohl und Klöße ausverkauft sind - die machen nämlich schön und reich.

Mistel
Bildrechte: colourbox.com

M wie Mistel

M wie Mistel

Über dem Türrahmen sorgt dieses Gewächs für jede Menge Romantik: Es heißt wer sich unter dem Mistelzweig küsst, bleibt ein Leben lang zusammen. In der freien Wildbahn ist die Liebespflanze aber eher ein fieser Typ - die Mistel nistet sich in Bäumen ein und entzieht ihnen Wasser und Nährstoffe. Immerhin aber der einzige Schmarotzer der für Schmatzer sorgt.

L wie Lametta

L wie Lametta

Im 20. Jahrhundert war es DER Renner an der Tanne: Lametta. Die silbernen Metallstreifen sollten ursprünglich Eiszapfen darstellen - mit ganz viel Phantasie. Heute ist Lametta meist aus Folie und bunt, kommt aber immer mehr aus der Mode. Der Eindruck täuscht also nicht: Früher war mehr Lametta.

K wie Kurrende

K wie Kurrende

Kurrende ist ein altes lateinisches Wort für laufen und das passt sehr gut zur Weihnachtszeit, denn Kurrenden sind Schülerchöre, die singend von Haus zu Haus ziehen. Ein berühmtes Chormitglied war Martin Luther, als er in Eisenach zur Schule ging. Mit der Gesangseinlage an der Haustür sammeln die Schüler Geld für einen guten Zweck.

Traditionelle geschnitzte Holzfiguren aus der Werkstatt von Holzspielzeugmachermeister Wolfgang Braun
Bildrechte: IMAGO

J wie Jochengel und Jochbergmann

J wie Jochengel und Jochbergmann

Jochengel- und Bergmann sind wohl das bekannteste Figurenpaar aus dem Erzgebirge. Für jedes Kind wird eine Figur ins Fenster gestellt: Einen Bergmann für einen Jungen und einen Engel für ein Mädchen - selbst wenn sie nicht immer ganz brav waren.

Weihnachtsbeleuchtung
Bildrechte: IMAGO

I wie Irrer Stromverbrauch

I wie Irrer Stromverbrauch

Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch des Lichts! Klar, dass bei all der Weihnachtsbeleuchtung auch der Stromverbrauch steigt: Im Schnitt um etwa acht Euro pro Haushalt. Bei Weihnachtsfans wie Mario Lange aus Gatersleben kann es aber noch deutlich mehr werden. Sein Weihnachtshaus strahlt mit 400 Meter Lichtschläuchen und über 20 leuchtenden Figuren schon von weitem. "Ich habe darauf geachtet, dass alles LEDs sind. Kosten habe ich jetzt hier mit den ganzen Sachen so circa 200 - 250 Euro über die Weihnachtszeit. Ohne LED wären es vier-bis fünftausend Euro.", sagt er.

Herrschekloese
Bildrechte: Herrschekloeseverein Gethles e.V.

H wie Herrschekloese

H wie Herrschekloese

Im südthüringischen Gethles bricht jedes Jahr am 23. Dezember die Hölle los. Die jungen Kirmesburschen des Ortes kleiden sich mit Stroh ein und werden zu den Herrschekloesen. Sie sind dafür da, die bösen Geister vor Weihnachten und dem Jahreswechsel zu vertrieben. Dafür ziehen die maskierten Gestalten von Haus zu Haus und schenken den lieben Kindern Süßigkeiten. Für ihre treuen Dienste werden die Strohmänner belohnt: mit Geld, Schnaps oder Wurst. Aber Achtung: Wer nach 18 Uhr noch in Gethles unterwegs ist, muss mit Schlägen rechnen. Denn die Herrschekloese regieren mit Zuckerbrot und Peitsche.

G wie Glühwein

G wie Glühwein

Das vermutlich älteste Glühwein Rezept Deutschlands ist rund 170 Jahre alt und stammt aus der Feder vom Radebeuler Raugraf August von Wackerbart. Heute liegt die Zutatenliste im Sächsischen Staatsarchiv. "Man nehme Malsavia - eine Weinsorte aus Zypern oder Griechenland - Zimt, Ingwer, Anis, Granatapfel, Muskatnuss, Kardamon und Safran, erhitze das Ganze, mische es, siebe es ab und süße mit Honig oder Zucker nach." Auch wenn der Glühwein mittlerweile ein wenig anders schmeckt - Das Zusammenspiel von Alkohol und Zucker sorgt immer noch oft für einen mächtigen Brummschädel am nächsten Morgen.

Fackelbrennen im thüringischen Schweina
Bildrechte: IMAGO

F wie Fackeln

F wie Fackeln

Im schönen Thüringer Wald in Schweina begnügen sich die Leute an Heiligabend nicht mit ein bisschen Kerzenschein. Sie fackeln gleich einen ganzen Berg ab. So sieht es zumindest vom Fuß des Antonius-Bergs aus. Fackelbauer Thomas Mieling erklärt, wie das große Abfackeln abläuft: "Die Fackel besteht aus einem Fichtenstamm, der ist genau 8 Meter lang. Um diesen Stamm wird Fichtenreisig gewickelt in mehreren Lagen. Dann werden die Fackeln mittels Traktor auf den Berg transportiert und entzündet. Dann ist im Ortsteil Schweina Weihnachten."

Der wahrscheinlich größte Räuchermann der Welt im erzgebirgischen Spielzeugdorf Seiffen (Sachsen). Gut vier Jahre haben ein Drechsler und ein Holzspielzeugmacher aus dem Ort an dem rund zwei Tonnen schweren und 5,12 Meter hohen Lulatsch gearbeitet.
Bildrechte: dpa

E wie Ehrenfried

E wie Ehrenfried

Fast zwei Jahre lang hatte die Spielzeugstadt Seiffen im Erzgebirge den größten Räuchermann der Welt - Fünf Meter hoch und ein echtes Technik-Wunder - das sogar sprechen konnte. Ende September hatte es sich für Räuchermann Ehrenfried aber ausgeraucht. Ein Flachdach hat den Koloss vor Wind und Wetter geschützt. Der Umbau war dem Erbauer des Räuchermannes aber zu teuer. Deswegen ist der XXL-Räuchermann in Seiffen leider nicht mehr da. Aber das Erzgebirge hat noch andere Rekorde, zum Beispiel die größte Weihnachtspyramide der Welt. Und die Verstößt zum Glück gegen keine Bauverordnung.

D wie Dresdner Christstollen

D wie Dresdner Christstollen

Der ist über 500 Jahre alt und bestand am Anfang ursprünglich nur aus Mehl, Hefe und Wasser. Erst der päpstliche "Butterbrief" brachte im 15. Jahrhundert Kalorien und den Geschmack in den Stollen. Das gilt auch für den Dresdner Riesenstollen. Welche Dimensionen der erreicht, weiß Stollenmädchen Marie Lassig: "Letztes Jahr war der Riesenstriezel 3.429 kg schwer und es gab einen Höhenrekord von 1,10 m und in diesem Jahr haben wir über eine Tonne Mehl, 180 kg Zucker, 675 kg Butter und 1,35 Millionen Sultaninen verbacken." Pünktlich zum Stollenfest am 3.12. wird er für einen guten Zweck verkauft.

Christbaumkugel
Bildrechte: Colourbox

C wie Christbaumkugeln

C wie Christbaumkugeln

Der Legende nach hatte ein armer Glasbläser aus Lauscha weder Äpfel noch Nüsse um seine Tanne zu schmücken und so blies er eine Kugel aus Glas. Knapp 200 Jahre später sind die Christbaumkugeln aus Lauscha echte Exportschlager. Glasbläser Michael Haberland verrät, dass das Design längst über die Kugelform hinaus geht:
"Was in den letzten Jahren so richtig mehr wird, das ist die Weihnachtsgurke. Die Amerikaner sind steif und fest der Meinung, dass an den deutschen Weihnachtsbaum die deutsche Glasgurke gehört. Und wer die Gurke findet, der kriegt ein Weihnachtsgeschenk."

Ein mehr als 120 Jahre altes Buckelbergwerk aus dem Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz
Bildrechte: Jörg Bräuer

B wie Buckelbergwerk

B wie Buckelbergwerk

Dabei handelt es sich tatsächlich um ein Bergwerk, das auf dem Rücken getragen wurde - nur eben als Miniaturausgabe in einem Holzkasten! Typisch erzgebirgisch sind alle Figuren handgeschnitzt. Wie bei einer Drehorgel, haucht eine Kurbel dem Bergwerk Leben ein: Bergmänner hämmern, Grubenlichter leuchten, Förderkörbe werden hinaufgezogen - im Laufe der Zeit kamen dann noch Weihnachtsfiguren dazu.

Herrnhuther Adventsstern
Bildrechte: IMAGO

A wie Adventsstern

A wie Adventsstern

Der berühmteste Adventsstern stammt aus Herrnhut in der Oberlausitz. Heute schmückt er Fenster auf der ganzen Welt - früher war er vor allem eine mathematische Bastelei für Herrnhuter Schüler im Geometrieunterricht. Denn vor 200 Jahren wurde dieser Stern aus unglaublichen 110 Zacken zusammengesetzt. Und auch heutzutage muss ein echter Herrnhuter noch mindestens 25 Zacken haben.