Nachbildung eines eidechsenartigen Sauriers
Er soll hier vor 290 Millionen Jahren gelebt haben - Nachbildung eines der Ursaurier von Tambach-Dietharz. Bildrechte: MDR/Matthias Thüsing

Zwischen Inselsberg und Drei Gleichen Für UNESCO-Geopark fehlt noch Geld

Ein "außergewöhnliches geologisches Erbe" qualifiziert eine Region für das UNESCO-Geopark-Programm. Kurz vor der Aufnahme in diesen Kreis steht das Gebiet zwischen Inselsberg und den Drei Gleichen - noch aber fehlt es am nötigen Kleingeld.

von Matthias Thüsing

Nachbildung eines eidechsenartigen Sauriers
Er soll hier vor 290 Millionen Jahren gelebt haben - Nachbildung eines der Ursaurier von Tambach-Dietharz. Bildrechte: MDR/Matthias Thüsing

Die internationalen Gutachter waren schon da. In diesem Juni unterzogen sie den Geopark Thüringen Inselsberg/Drei Gleichen einer eingehenden Betrachtung – und zeigten sich beeindruckt. "Uns wurde gesagt, dass wir hier eine wirklich gute Arbeit machen", sagt Sylvia Reyer, Diplomgeologin und fachliche Beraterin des Geoparks. "Zugleich haben die Gutachter aber auch unsere Defizite klar benannt." Es brauche unbedingt eine Geopark-Verwaltung und eigene Forschungsprojekte, um in das weltumspannende Netzwerk des geologischen Erbes der Erde aufgenommen zu werden. Beides wäre aus Reyers Sicht wünschenswert, sinnvoll und leistbar – aber eben nicht für die 17 Kommunen, die seit zehn Jahren den bislang noch nationalen Geopark aufgebaut haben und am Leben halten.

Bisher erst sechs deutsche UNESCO-Geoparks

Tourismus, Umweltbildung und Umweltschutz – das sind die drei Säulen, auf die sich UNESCO-Geoparks stützen. Den Einheimischen soll die Einzigartigkeit ihrer Region bewusster werden, der Fremdenverkehr davon profitieren.  127 solcher UNESCO-Gebiete gibt es weltweit, sechs davon in Deutschland. Und fast überall haben sich laut Sylvia Reyer die Hoffnungen und Erwartungen erfüllt, die mit der Titelvergabe verbunden waren. Doch erst einmal müsse investiert werden. 98 Cent je Einwohner wenden die Kommunen bislang auf. Das reicht für ein paar Hinweistafeln und Werbeflyer für thematische Wanderwege. Aber eben nicht für einen internationalen Titel.

300 Millionen Jahre Erdgeschichte knapp unter der Erde

Platte voller versteinerter Fußabdrücke von Sauriern
Versteinerte Fußabdrücke von Sauriern Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Dabei schlummert das Potenzial für die Welt-Liga nur knapp unter der Thüringer Erdoberfläche. Mittelthüringen ist ein uraltes Land. 300 Millionen Jahre Erdgeschichte treten an manchen Stellen zutage – und in dem Gestein befinden sich die Spuren früher Formen des Landlebens – Farne, Insekten, Echsen. "Einzigartig" sagt Ralf Werneburg, Ursaurier-Spezialist am Naturhistorischen Museum in Schleusingen. Er würde die Grabungen insgesondere auf dem Bromacker bei Tambach-Dietharz im Rahmen eines Foschungsprojekts des künftigen UNESCO-Geoparks gerne fortsetzen. "Hier liegen nicht nur die Skelette, sondern wir finden auch die dazugehörigen Spuren der Tiere im versteinerten Seeboden. Das ermöglicht uns auch Aussagen zu den Lebensumständen dieser frühen Saurier."

Es geht um 500.000 Euro pro Jahr

Bis vor fünf Jahren haben die Wissenschaftler vom Gothaer Museum der Natur hier jedes Jahr gegraben. Dann ging der Kopf des Teams in Ruhestand und mit ihm das komplette Grabungsprogramm. "Wir benötigen etwa 500.000 Euro an Finanzmitteln pro Jahr, außerdem einen eigenen Fördertitel für die Entwicklung solcher Geoparks in Thüringen", sagt Tilo Kummer, Linke-Landtagsabgeordneter und Chef des Naturparks Thüringer Wald in Personalunion. "Das sollte reichen für die Verwaltung wie auch für die Forschung."

Oben offene Holzkisten voller zylinderförmiger steinerner Stücke - den Beschriftungen nach vom Bromacker in Tambach-Dietharz
Stücke von der Ursaurier-Fundstelle Bromacker bei Tambach-Dietharz Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Doch leider habe sich die Koalition noch nicht darauf einigen können, das Geld in den kommenden Doppelhaushalt einzustellen. Sollte es dabei bleiben ist für Sylvia Reyer klar, was die Folge sein wird. "Ohne Verwaltung und Forschung kein UNESCO-Titel."

Ur-Saurierexperte Ralf Werneburg vom Naturhistorischen Museum in der Schleusinger Bertholdsburg und Naturpark-Chef Thilo Kummer (Linke) an Saurier-Modellen.
Bildrechte: MDR

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 15. November 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2017, 05:00 Uhr

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